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Wirtschaftszeit
Auf Schusters Rappen -
Kooperation unter Konkurrenten
Handwerk aus dem Bregenzerwald & Innovation
aus Kärnten
Drei Generationen, eine Werkstatt
und ein Verkaufslokal in „Ellenbogen
186“, Bezau – das ist DEVICH.
Tradition seit 1922, die Liebe zum Holz
und die Lust zum Gehgefühl in Kärnten
– das ist WOODY.
Zusammen sind Devich und Woody so
etwas wie Handwerk und Innovation.
Die beiden österreichischen Holzschuhproduzenten
„Devich“ und „Woody“ arbeiten
Hand in Hand und sind dennoch
ihre größten Konkurrenten. Mit acht Mitarbeitern
schafft es Anton Devich in Bezau,
jährlich bis zu 700 Paar Winterschuhe
anzufertigen, die Clogs laufen separat
bzw. werden zusätzlich produziert. Doch
ohne „Woody“ wäre das gar nicht möglich,
denn das Familienunternehmen aus
Kärnten ist für die Sohlen zuständig.
„Wir erstellen zuerst den Holzkern des
Schuhs. Alleine hier sind 21 Handgriffe
notwendig. Danach wird das Holzbett bei
vom Holz zum fertigen Schuh
Woody besohlt, dann kommt der Schuh
zurück nach Bezau und wird mit viel Liebe
gefertigt“, erzählt Anton Devich.
Der gelernte Schuhmachermeister hat
sein Handwerk von seinem Vater erlernt
und konnte das Geschäft 1989 übernehmen.
Der Ursprung jedoch kommt vom
12
Großvater, auch er war um 1920 bereits
Holzschuhmacher im Bregenzerwald und
hat sogar schon Lehrlinge ausgebildet.
Zusammenarbeit von
DEVICH und WOODY
„Die Idee der Zusammenarbeit ist vor einigen
Jahren entstanden … man könnte
mal, man muss aber nicht ...“, lacht Gerhard
Piroutz – Geschäftsführer von Woody
in Sittersdorf bei Kärnten. „Andere
Mitbewerber bekriegen sich, wir arbeiten
zusammen“.
Die beiden Schumachermeister Anton
Devich und Gerhard Piroutz setzen auf Innovation,
bringen gemeinsame Ideen auf
den Tisch, entwickeln optimale Arbeitsschritte
und teilen ihre Kosten sowie die
jahrelange Erfahrung. „Er ist unten gut,
ich bin oben gut“, munkelt Devich und
teilt so seine Freude an der gemeinsamen
Arbeit mit. Während in Bezau hauptsächlich
Clogs und Winterstiefel gefertigt
werden, gibt’s bei Woody seit einigen
Jahren auch modische Sandalenmodelle.
Derzeit wird an einem neuen Winterstiefel
gearbeitet. Ein hoher, geschnürter
Stiefel mit einem Leder-Innenfutter bzw.
einer Lammfell-Variante steht ab Oktober
2010 im Verkauf in Bezau bereit.
Anton Devich (li) und Gerhard Piroutz (re)
Holz und Fell
Wer einen „Devich“- oder „Woody“-
Schuh trägt, hat Glück. Hier steht der
Fuß im Holzbett, wird ummantelt von unbehandeltem
Fell und atmet. Gearbeitet
wird mit Rinderfellen aus diversen Ländern
und mit Weide.
„Wir arbeiten mit Weide, denn dieses
Holz spendet Wärme und hat eine angenehme
Beschaffenheit. Im modischen
Bereich können wir nur einen gewissen
Trend mitmachen, dafür liefern wir Beständigkeit“,
betont Piroutz.
Gestanzt und genäht wird in Ungarn, getackert
in Kärnten und bestückt in Bezau.
„Wenn man mit Holz und Fell arbeitet,
braucht man viel Herz dazu, sonst geht
das nicht“, so Devich.
Oktober 2010 | wirtschaftszeit