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Sommerlust Reisemagazin 2012

Die Großglockner-Straße, der Höhepunkt. Handschuhe und Stiefel sollten passen, gut passen, wenn du dein Motorrad aus dem Klagenfurter Becken hinauslenkst; Richtung Südosten, wo die Seen zahlreicher werden, die Kurven noch enger und die Ortstafeln zweisprachig. Handschuhe und Stiefel sollten passen, denn du wirst oft schalten müssen; mitunter sogar bremsen. Ab Miklauzhof schmiegt sich die Straße an den Hang; 90 Grad links, 120 Grad rechts, selten geradeaus. In Eisenkappel trennen sich dann die Wege; nach links über den Paulitschsattel, nach vorne auf den Seeberg, nach rechts Richtung Schaida. Eine Route schöner als die andere; die eine am Morgen, die andere mittags, die letzte gerade richtig für den Abend – der Sonne nach. Dem glasklaren Vellach-Fluss entlang, teils einspurig, teils weit einsichtig, nie langweilig. Bis die Haarnadel kommt, wo der linke Fuß bis zum Anschlag die Gänge hinuntertrommelt und die Maschine nach rechts wegkippt, als ob es kein Morgen gäbe. Die Straße windet sich jetzt bergwärts, hurtig, mutig, dramatisch. Keine Zeit zum Ausrasten, nachdenken verboten. Bis der Sattel kommt und der Blick sich weitet. Und ein Salettl, eine überdachte Sitzgelegenheit also, zum Entspannen einlädt, zum Träumen und zum Nachdenken. FOAH’RN TO BE WILD … Kärnten, das Land der 1.000 Kurven zwischen Seen und Bergpässen. Wie geschaffen für Genuss-Biker. Text Hannes Mösslacher (Kronen Zeitung) Solche Routen gibt’s in Kärnten in jeder Himmelsrichtung viele; gemütliche wie spektakuläre, lange wie kurze. Mit 1.000 Kurven zum „Foah’rn to be wild.“ Gerade richtig für alle, die an Sehnsucht leiden; an Sehnsucht nach Freiheit und Wildheit – wenigstens für ein paar Stunden, idealerweise für ein paar Tage; weg vom Schreibtisch, raus aus dem Einfamilienhaus. Eine Sehnsucht, die aus emsigen Anwälten, seriösen Medizinern und biederen Familienvätern plötzlich wilde Kerle auf Motorrädern macht. Eine Sehnsucht, die auch immer mehr das kurvige Geschlecht erfasst. Österreichs sonniger Süden hat sich zum Geheimtipp für Biker gemausert; wo die Sportlichen aus der „Schildkröten-Fraktion“ versuchen, die Physik zu überlisten, wo die Enduristen erst zufrieden sind, wenn die Fußraste kratzt, und wo Chopper-Freaks einfach nur cool dahincruisen. Kärnten hat sich längst auch eingestellt auf seine einspurig reisenden Fans; „bikers welcome“-Tafeln gehören zur Basisausstattung nicht nur entlang einschlägiger Routen. Und wer seinen Ofen richtig heiß liebt, der darf ihn sogar ganz nah zum Bett mitnehmen; bei Christine Engl etwa im „MOHO“ Gailtaler Hof in Kötschach-Mauthen. Da stehen die feinen Maschinchen mitten im Hotel; trocken und sicher verwahrt. Bis zur Ausfahrt, die die Hotelchefin gerne auch selbst anführt und dabei ihren Gästen nicht nur die schönsten Straßen und Sträßchen Eine Bikerrast – Herz, was willst Du mehr? zeigt, sondern sie auch zu kulinarischen Zwischenstopps verführt. Und das nicht nur in Kärnten, sondern auch jenseits der Grenzen; im herrlichen italienischen Friaul etwa, im nahen Südtirol oder auch im nicht allzu fernen Slowenien. Das Angebot von Christine ist übrigens nur eines von mittlerweile einem Dutzend; einiges ist auch unter dem Titel „Motorradland Kärnten“ zu finden, im Internet unter www.motorrad.kaernten.at. Die ersten Biker legen übrigens schon zeitig im Frühjahr los; kaum, dass der Splitt aus den Kurven gekehrt ist. Dann sind es zuerst die Täler, die locken. Es folgen die Pässe; Soboth, Nassfeld, Plöcken, Gailberg, das Lesachtal, Katschberg, Turrach, Flattnitz. Die Klassiker sind erst spät „machbar“, die Nockalm-Straße etwa und der Glockner als Krönung. Es ist eine lange Saison, bis hin zum Oktober. Mit dem besonderen September dazwischen. Der September; wenn Peter Fondas Jünger Kärnten befallen; wenn „born to be wild“ ernst genommen wird, wenn die voluminösen Zweizylindern die Luft beben lassen und Motorräder in Massen auftreten, dann ist Kärnten nämlich im Harley-Fieber – eine ansteckende Krankheit, die absolut jeden befallen kann. 2011 waren 70.000 gekommen; zum Feiern, zum Fahren, zum Staunen, einfach zum wilden Leben bei der größten Bikerparty des „alten“ Kontinents; der „European Bike Week“. www.europeanbikeweek.com Linke Hand zum Bikergruß … Dobratsch: 16,5 km, 7 Kehren, 116 Kurven. Kärnten magazin 78 Kärnten magazin 79

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