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Die Großglockner-Straße,
der Höhepunkt.
Handschuhe und Stiefel sollten passen,
gut passen, wenn du dein Motorrad
aus dem Klagenfurter Becken hinauslenkst;
Richtung Südosten, wo die Seen
zahlreicher werden, die Kurven noch
enger und die Ortstafeln zweisprachig.
Handschuhe und Stiefel sollten passen,
denn du wirst oft schalten müssen;
mitunter sogar bremsen. Ab Miklauzhof
schmiegt sich die Straße an den
Hang; 90 Grad links, 120 Grad rechts,
selten geradeaus. In Eisenkappel trennen
sich dann die Wege; nach links
über den Paulitschsattel, nach vorne
auf den Seeberg, nach rechts Richtung
Schaida. Eine Route schöner als die andere;
die eine am Morgen, die andere
mittags, die letzte gerade richtig für
den Abend – der Sonne nach. Dem
glasklaren Vellach-Fluss entlang, teils
einspurig, teils weit einsichtig, nie langweilig.
Bis die Haarnadel kommt, wo
der linke Fuß bis zum Anschlag die
Gänge hinuntertrommelt und die Maschine
nach rechts wegkippt, als ob es
kein Morgen gäbe. Die Straße windet
sich jetzt bergwärts, hurtig, mutig, dramatisch.
Keine Zeit zum Ausrasten,
nachdenken verboten.
Bis der Sattel kommt und
der Blick sich weitet.
Und ein Salettl, eine
überdachte Sitzgelegenheit
also, zum
Entspannen einlädt,
zum Träumen und
zum Nachdenken.
FOAH’RN
TO BE WILD …
Kärnten, das Land der 1.000 Kurven
zwischen Seen und Bergpässen.
Wie geschaffen für Genuss-Biker.
Text Hannes Mösslacher (Kronen Zeitung)
Solche Routen gibt’s in Kärnten in jeder
Himmelsrichtung viele; gemütliche wie
spektakuläre, lange wie kurze. Mit 1.000
Kurven zum „Foah’rn to be wild.“
Gerade richtig für alle, die an
Sehnsucht leiden; an Sehnsucht
nach Freiheit und Wildheit – wenigstens
für ein paar Stunden,
idealerweise für ein paar Tage;
weg vom Schreibtisch, raus aus
dem Einfamilienhaus. Eine Sehnsucht,
die aus emsigen Anwälten,
seriösen Medizinern und
biederen Familienvätern plötzlich
wilde Kerle auf Motorrädern
macht. Eine Sehnsucht, die
auch immer mehr das kurvige
Geschlecht erfasst.
Österreichs sonniger Süden hat sich
zum Geheimtipp für Biker gemausert;
wo die Sportlichen aus der „Schildkröten-Fraktion“
versuchen, die Physik zu
überlisten, wo die Enduristen erst zufrieden
sind, wenn die Fußraste kratzt,
und wo Chopper-Freaks einfach nur
cool dahincruisen. Kärnten hat sich
längst auch eingestellt auf seine einspurig
reisenden Fans; „bikers welcome“-Tafeln
gehören zur Basisausstattung
nicht nur entlang einschlägiger
Routen. Und wer seinen Ofen richtig
heiß liebt, der darf ihn sogar ganz
nah zum Bett mitnehmen; bei Christine
Engl etwa im „MOHO“ Gailtaler Hof
in Kötschach-Mauthen. Da stehen die
feinen Maschinchen mitten im Hotel;
trocken und sicher verwahrt. Bis zur
Ausfahrt, die die Hotelchefin gerne
auch selbst anführt und dabei ihren
Gästen nicht nur die schönsten
Straßen und Sträßchen
Eine Bikerrast –
Herz, was willst Du mehr?
zeigt, sondern sie auch zu kulinarischen
Zwischenstopps verführt. Und
das nicht nur in Kärnten, sondern auch
jenseits der Grenzen; im herrlichen italienischen
Friaul etwa, im nahen Südtirol
oder auch im nicht allzu fernen
Slowenien. Das Angebot von Christine
ist übrigens nur eines von mittlerweile
einem Dutzend; einiges ist auch unter
dem Titel „Motorradland Kärnten“ zu
finden, im Internet unter
www.motorrad.kaernten.at.
Die ersten Biker legen übrigens schon
zeitig im Frühjahr los; kaum, dass der
Splitt aus den Kurven gekehrt ist.
Dann sind es zuerst die Täler, die
locken. Es folgen die Pässe; Soboth,
Nassfeld, Plöcken, Gailberg,
das Lesachtal, Katschberg, Turrach,
Flattnitz. Die Klassiker sind
erst spät „machbar“, die Nockalm-Straße
etwa und der
Glockner als Krönung. Es ist
eine lange Saison, bis hin zum Oktober.
Mit dem besonderen September dazwischen.
Der September; wenn Peter Fondas
Jünger Kärnten befallen; wenn „born to
be wild“ ernst genommen wird, wenn
die voluminösen Zweizylindern die Luft
beben lassen und Motorräder in Massen
auftreten, dann ist Kärnten nämlich
im Harley-Fieber – eine ansteckende
Krankheit, die absolut jeden befallen
kann. 2011 waren 70.000 gekommen;
zum Feiern, zum Fahren, zum Staunen,
einfach zum wilden Leben bei der
größten Bikerparty des „alten“ Kontinents;
der „European Bike Week“.
www.europeanbikeweek.com
Linke Hand zum Bikergruß …
Dobratsch: 16,5 km,
7 Kehren, 116 Kurven.
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