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Sommerlust Reisemagazin 2012

Reinanken und Saiblinge, Forellen und Hechte, Karpfen und Zander. Auch Barsche schwimmen im Weißensee. Hannes Müller bekocht als Wirt der „Forelle“ in Techendorf seine Gäste mit feinsten regionalen Fischen und bester bodenständiger Küche. Zwar verrät Hannes Müller auf der Website seines kleinen Hotels auch nicht das ersehnte Rezept der famosen Kaspressknödel seiner Frau, aber viele Details vom Weissensee. Unter anderem auch alle regionalen Lieferanten sämtlicher Genüsse, die bei ihm auf den Tisch kommen: www.forellemueller.at. Ein Müller-Rezept pro Woche ist irgendwie die Mindestdosis, die wir uns verdient haben. Hier zu finden: www.facebook.com/dieforelle Kärnten magazin 12 EIN MÜLLER ZWISCHEN FISCHEN. Noch liegt der frühmorgendliche Nebel fast verschämt über dem Weißensee. Es wird nicht mehr lange dauern, bis sich die ersten Sonnenstrahlen durchsetzen. Martin Müller und Stefan Traar haben zu dieser Zeit ihr Tagewerk schon fast hinter sich gebracht. Sie sind die beiden Berufsfischer vom Weißensee. In ihrem kleinen Betrieb, direkt am glasklaren Wasser, räuchern die beiden Jungunternehmer, was sie täglich in gesunden Mengen dem See entnehmen, legen die Fische auch sauer ein, verkaufen sie direkt und frisch. Da kommt ein anderer Müller, Hannes mit Vornamen, das schmale Sträßchen herangefahren. Hannes Müller kauft täglich um die sechs Kilo Reinanken, Wildfang, Saiblinge, Forellen, Hechte, Karpfen, Zander oder Barsche. „Alles aus dem Weißensee, alles vor der Haustür!“, gerät er ins Schwärmen. Hannes Müller ist der Forellenwirt in Techendorf. An der Rezeption steht, mit einer uralten Schreibmaschine getippt: „Wer nicht genießt, wird ungenießbar!“ Dabei ist das wohl nicht Hannes’ einziges Credo. Ein zweites könnte lauten: „Nur was hier hergestellt wird, kommt auf den Tisch!“ Hannes, der seine Gäste ausschließlich persönlich bekocht, kennt keinen Tag, an dem nicht Fischgerichte auf der Speisekarte stehen würden. Vor zwei Jahren hat er „Die Forelle“ vom Vater übernommen und seither versucht er die hundertprozentige Regionalität. „Bis auf ein paar Südfrüchte ist uns das schon gelungen“, ist er stolz. Seine Gesellenjahre verbrachte er in Reinhard Gehrers „Korso“ in Wien. Während eines zusätzlichen Lehrjahrs in den USA kam er zur Erkenntnis, dass man von amerikanischen Köchen kaum was lernen könne: „Egal was auf der Karten steht, die machen letztlich doch immer a Semmele mit Fleisch!“ Auch Hannes’ Idiom atmet Regionalität. Die Zeit ist zwar knapp, aber als zweifachem Staatsmeister im Eisschnelllauf über die Doppel-Marathon-Distanz bedeutet Sport Hannes sehr viel. Er schwingt sich immer noch gerne aufs Mountainbike und ist den See entlang und auf den umliegenden Bergwegen unterwegs. Was er seinen Gästen in die Maschine getippt hat, versucht er auch selbst zu beherzigen: Genießen, um nicht ungenießbar zu werden. Zum Beispiel, wenn er sich von seiner Frau, die die Rezeption schaukelt, mit deren großartigen Kaspressknödeln bekochen lässt. „Vor vielen Jahrzehnten ham die Weißenseeba verhindert, dass wir hier eine Durchzugsstraßn entlang des Sees bekommen ham“, ist das 33-jährige Energie- und Ideenbündel noch heute auf seine Nachbarn aus der Gemeinde stolz. So hat sich vieles entwickelt. Hannes’ Vater, dessen Wald die Voraussetzung für die saubere Hackschnitzelheizung war, kannte lange Jahre, wenn’s um Wein ging, nur rot oder weiß. Heute ist er der Sommelier des Hauses. 150 Sorten liegen im Weinkeller. Aber auch hier gibt’s nur Österreicher, dazu Whisky aus dem Waldviertel und Wodka aus Wien. Hannes ist mutig: „Wenn du gegen die Strömung schwimmst und in allem ehrlich bist, was du tust, musst halt ein bissl mehr verlangen!“, sagt er, während er aus einem seiner Gastzimmer auf den Weißensee blinzelt. „Aber meine Gäste haben’s akzeptiert!“, fühlt er sich belohnt. Hannes geht’s auch um Kleinigkeiten. Wer seinen Kaffee mit Milchschaum will, bekommt ihn im nächsten Jahr ungefragt wieder mit Milchschaum. Wer einen kleinen Polster will, bekommt einen kleinen. Und jeder Gast darf sich, was kaum noch wo üblich ist, in luftgetrockente Bettwäsche fallen lassen. Der dreifache Papa kann auch im Urlaub nicht tagelang am Strand liegen. Hannes ist ständig in Bewegung. Vor Jahren hat er mit dem Rad Tibet durchquert und hatte Zeit zum Träumen. Wovon? Vielleicht von seinem nächsten Streich, einem Delikatessenladen, den er am 200 Jahre alten Hof einrichten will ... Kärnten magazin 13

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