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Reinanken und Saiblinge,
Forellen und Hechte,
Karpfen und Zander.
Auch Barsche schwimmen
im Weißensee. Hannes
Müller bekocht als Wirt
der „Forelle“ in Techendorf
seine Gäste mit
feinsten regionalen
Fischen und bester
bodenständiger Küche.
Zwar verrät Hannes Müller auf der Website seines kleinen Hotels auch
nicht das ersehnte Rezept der famosen Kaspressknödel seiner Frau,
aber viele Details vom Weissensee. Unter anderem auch alle regionalen
Lieferanten sämtlicher Genüsse, die bei ihm auf den Tisch kommen:
www.forellemueller.at. Ein Müller-Rezept pro Woche ist irgendwie die Mindestdosis,
die wir uns verdient haben. Hier zu finden: www.facebook.com/dieforelle
Kärnten magazin 12
EIN MÜLLER
ZWISCHEN FISCHEN.
Noch liegt der frühmorgendliche Nebel fast
verschämt über dem Weißensee. Es wird nicht
mehr lange dauern, bis sich die ersten Sonnenstrahlen
durchsetzen. Martin Müller und Stefan
Traar haben zu dieser Zeit ihr Tagewerk schon
fast hinter sich gebracht. Sie sind die beiden
Berufsfischer vom Weißensee. In ihrem
kleinen Betrieb, direkt am glasklaren Wasser,
räuchern die beiden Jungunternehmer, was
sie täglich in gesunden Mengen dem See
entnehmen, legen die Fische auch sauer ein,
verkaufen sie direkt und frisch.
Da kommt ein anderer Müller, Hannes mit Vornamen,
das schmale Sträßchen herangefahren.
Hannes Müller kauft täglich um die sechs
Kilo Reinanken, Wildfang, Saiblinge, Forellen,
Hechte, Karpfen, Zander oder Barsche.
„Alles aus dem Weißensee, alles vor der Haustür!“,
gerät er ins Schwärmen. Hannes Müller
ist der Forellenwirt in Techendorf. An der
Rezeption steht, mit einer uralten Schreibmaschine
getippt: „Wer nicht genießt, wird
ungenießbar!“ Dabei ist das wohl nicht
Hannes’ einziges Credo. Ein zweites könnte
lauten: „Nur was hier hergestellt wird, kommt
auf den Tisch!“
Hannes, der seine Gäste ausschließlich persönlich
bekocht, kennt keinen Tag, an dem nicht
Fischgerichte auf der Speisekarte stehen würden.
Vor zwei Jahren hat er „Die Forelle“ vom
Vater übernommen und seither versucht er
die hundertprozentige Regionalität. „Bis auf
ein paar Südfrüchte ist uns das schon gelungen“,
ist er stolz. Seine Gesellenjahre verbrachte
er in Reinhard Gehrers „Korso“ in Wien.
Während eines zusätzlichen Lehrjahrs in den
USA kam er zur Erkenntnis, dass man von amerikanischen
Köchen kaum was lernen könne:
„Egal was auf der Karten steht, die machen
letztlich doch immer a Semmele mit Fleisch!“
Auch Hannes’ Idiom atmet Regionalität.
Die Zeit ist zwar knapp, aber als zweifachem
Staatsmeister im Eisschnelllauf über die Doppel-Marathon-Distanz
bedeutet Sport Hannes
sehr viel. Er schwingt sich immer noch gerne
aufs Mountainbike und ist den See entlang
und auf den umliegenden Bergwegen unterwegs.
Was er seinen Gästen in die Maschine
getippt hat, versucht er auch selbst zu beherzigen:
Genießen, um nicht ungenießbar zu
werden. Zum Beispiel, wenn er sich von seiner
Frau, die die Rezeption schaukelt, mit deren
großartigen Kaspressknödeln bekochen lässt.
„Vor vielen Jahrzehnten ham die Weißenseeba
verhindert, dass wir hier eine Durchzugsstraßn
entlang des Sees bekommen ham“, ist das
33-jährige Energie- und Ideenbündel noch heute
auf seine Nachbarn aus der Gemeinde stolz.
So hat sich vieles entwickelt. Hannes’ Vater,
dessen Wald die Voraussetzung für die saubere
Hackschnitzelheizung war, kannte lange
Jahre, wenn’s um Wein ging, nur rot oder
weiß. Heute ist er der Sommelier des Hauses.
150 Sorten liegen im Weinkeller. Aber auch
hier gibt’s nur Österreicher, dazu Whisky aus
dem Waldviertel und Wodka aus Wien.
Hannes ist mutig: „Wenn du gegen die Strömung
schwimmst und in allem ehrlich bist,
was du tust, musst halt ein bissl mehr verlangen!“,
sagt er, während er aus einem seiner
Gastzimmer auf den Weißensee blinzelt.
„Aber meine Gäste haben’s akzeptiert!“, fühlt
er sich belohnt. Hannes geht’s auch um Kleinigkeiten.
Wer seinen Kaffee mit Milchschaum
will, bekommt ihn im nächsten Jahr ungefragt
wieder mit Milchschaum. Wer einen kleinen
Polster will, bekommt einen kleinen. Und jeder
Gast darf sich, was kaum noch wo üblich ist,
in luftgetrockente Bettwäsche fallen lassen.
Der dreifache Papa kann auch im Urlaub nicht
tagelang am Strand liegen. Hannes ist ständig
in Bewegung. Vor Jahren hat er mit dem Rad
Tibet durchquert und hatte Zeit zum Träumen.
Wovon? Vielleicht von seinem nächsten
Streich, einem Delikatessenladen, den er am
200 Jahre alten Hof einrichten will ...
Kärnten magazin 13