Get the FLASH PLAYER to view this magazine:

Get Adobe Flash player

- or -

View as HTML version

SOCIETY Magazin 359/360

FOTOS: KOLLEKTION FRIDA: WOLFGANG ZAJC, KOLLEKTION INNOCENTIA/MITGIFT3: PETER OLSCHINSKY/VERENA WEISS, KOLLEKTION EVERLASTING COLLECTION3: JOHANNA WOHLRAB Susanne Bisovsky Nichts ist unmoderner als der modische Höhepunkt einer Zeit Vielleicht können Modedesigner auch ohne die Beeinflussung durch die Geschichte der Bekleidung auskommen. Damit lassen sie sich aber die Zusammenkünfte und das Erlernen von Techniken, die von Belang sind, entgehen. Der Begriff „Tracht“, auf den man Susanne Bisovsky oft festnageln wollte, wurde wie viele andere Begriffe als Mittel zur Instrumentalisierung geschaffen. Reste davon finden sich noch heute in oft verwendeten Begriffen wie „Originaldirndl“, „Originaltracht“. Die Formensprache und Schnitte dieser „Original-Teile“ gehen aber auf die Arbeit einer einzigen Person zurück, die im Auftrag der Machthaber die Vielfalt vereinheitlichte. Das wird bis heute ohne Widerspruch übernommen. Eine Fälschung als zünftige Wiesngaudi, ein Trachten-Dirndl- Lederhosen-Hype, der einer ernsthaften Beschäftigung mit der Materie zumindest in die mediale Quere kommt. Susanne Bisovsky ist nur insofern an „Tracht“ und „Design“ interessiert, sofern sie einerseits aus dem Gebrauch im Alltag kommen oder andererseits optisch den Atem rauben (obwohl mitunter gar schwer zu tragen und somit alltagsuntauglich). Sie sammelt Geschichten und Berichte aus der Welt des Kleidertragens, dem Benutzen und den Benutzern von Gewand und ist damit folgerichtig auch bei dieser langsamen Gewandform gelandet. Daraus konstruiert sie jedoch kein PR-Dekors oder schwimmt auf den sich ewig wiederholenden Retrobewegungen. Im Gegenteil. Der mediale Overkill und die offensichtliche Bedeutungslosigkeit der unzähligen Events, Awards oder Charitys hält sie davon ab, sich in eine spezifische Öffentlichkeit zu integrieren oder sich auf den angebotenen Präsentationsflächen zu zeigen. Mit erfrischender Konsequenz nimmt sie nicht am hysterischen Modegeschehen oder Trachtengaudium teil. *** Unbefleckte Empfängnis Susanne Bisovsky agiert instinktiv (aber im selben Maße willentlich) nicht hip oder avantgardig, „damit Modisches nicht auf sie abfärbe“. Das hat marginalen Wert in den Augen der Lifestyle-Society, aber gerade diese „erarbeitete Jungfräulichkeit“ schärft den untrüglichen, unbestechlichen INFO Susanne Bisovsky hat für Helmut Lang, J.C.Castelbajac, Kathleen Madden und Austrian Embroideries designt. Momentan ist sie unter anderem für Sportalm/Kitzbühel tätig. Kooperationen wurden mit Herend, Hämmerle, Lobmeyr, Swarovski, Backhausen, Augarten u.v.m. realisiert. Blick. „Befleckung passiert automatisch dadurch, dass man lebt und atmet… dadurch werde man ausreichend beeinflusst!“, sagt die Modemacherin. Sie kreiert Haute Couture für die immer umfangreicher werdende, programmatische „Everlasting Collection“ (zuletzt „Innocentia“, wo sie auf Spuren des Brauchtums deutscher Minderheiten, z.B. der Sorben wandelt, auch das Ergebnis eines längeren Aufenthalts in Polen). Die unablässige Arbeit an ihrem Stil hat zudem ein bemerkenswertes Archiv entstehen lassen: Kleidung wider die Pest, Backen von Röcken, Bedeckung wider die Hoffart, Blutrock, gekalkte Hüte, gepiercte Flügelhauben, Arten der Trauer und daraus resultierende Regeln des Kleidens oder ein Leben lang nicht ge- waschene Kleidungsstücke… Diese Geschichten beinhalten natürlich spezielle Oberflächen und Technologien und diese werden von Susanne Bisovsky aufgegriffen und transponiert. Stets hat sie das vermeintliche „Unvermögen“ der „Tracht“ inspiriert: Vorhandenes, aus welchen Gründen auch immer, weiterzuverwenden, aufzutrennen, zu wenden, zu stückeln und wieder anzunähen und daher immer (und zwangsläufig) in Stil und Material, in Lesbarkeit und innerhalb der Gemeinschaft stimmig zu bleiben. In ihren Prêt-à-porter-Kollektionen hat sie, um im Gegensatz zum unausgegorenen Rhythmus von Mode genauer vorgehen zu können, das laufend erweiterbare Bekleidungsmodell „Mitgift“ (engl. Dowry) entwickelt: „Mitgift“ bleibt sich in Design, Musterung und Look über einen langen Zeitraum treu. Ein erweiterbarer Basisbestand an Kleidung und Accessoires. Ein gut gefüllter Mitgiftschrank. *** Momentan: Ursuppe light Heute ist man in der Lage, alles kreuz und quer und sofort zu bekommen und zu blenden, stellt die Designerin fest. Das Unvermögen, mit der Übersättigung umzugehen (man denke zum Beispiel an den vergessenen Begriff des Schonens!), erzeugt ein ihrer Meinung nach verwirrtes Gesamtbild. Susanne Bisovsky ist in diesem Spiel nicht auffindbar. Aber vielleicht ist die Modemacherin gerade deswegen erfolgreich. KONTAKT SUSANNE BISOVSKY Salon Seidengasse 13 Brilliantengrund – Wien 7 Eröffnung im November 2011 Anmeldung und Infos unter: www.bisovsky.com SOCIETY 3/4_11 | 99

Page 1
Page 2
Page 3
Page 4
Page 5
Page 6
Page 7
Page 8
Page 9
Page 10
Page 11
Page 12
Page 13
Page 14
Page 15
Page 16
Page 17
Page 18
Page 19
Page 20
Page 21
Page 22
Page 23
Page 24
Page 25
Page 26
Page 27
Page 28
Page 29
Page 30
Page 31
Page 32
Page 33
Page 34
Page 35
Page 36
Page 37
Page 38
Page 39
Page 40
Page 41
Page 42
Page 43
Page 44
Page 45
Page 46
Page 47
Page 48
Page 49
Page 50
Page 51
Page 52
Page 53
Page 54
Page 55
Page 56
Page 57
Page 58
Page 59
Page 60
Page 61
Page 62
Page 63
Page 64
Page 65
Page 66
Page 67
Page 68
Page 69
Page 70
Page 71
Page 72
Page 73
Page 74
Page 75
Page 76
Page 77
Page 78
Page 79
Page 80
Page 81
Page 82
Page 83
Page 84
Page 85
Page 86
Page 87
Page 88
Page 89
Page 90
Page 91
Page 92
Page 93
Page 94
Page 95
Page 96
Page 97
Page 98
Page 99
Page 100
Page 101
Page 102
Page 103
Page 104
Page 105
Page 106
Page 107
Page 108
Page 109
Page 110
Page 111
Page 112
Page 113
Page 114
Page 115
Page 116
Page 117
Page 118
Page 119
Page 120
Page 121
Page 122
Page 123
Page 124