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FOTOS: KOLLEKTION FRIDA: WOLFGANG ZAJC, KOLLEKTION INNOCENTIA/MITGIFT3: PETER OLSCHINSKY/VERENA WEISS, KOLLEKTION EVERLASTING COLLECTION3: JOHANNA WOHLRAB
Susanne Bisovsky
Nichts ist unmoderner als der
modische Höhepunkt einer Zeit
Vielleicht können Modedesigner auch ohne die Beeinflussung durch die Geschichte der
Bekleidung auskommen. Damit lassen sie sich aber die Zusammenkünfte und das Erlernen
von Techniken, die von Belang sind, entgehen.
Der Begriff „Tracht“, auf den man Susanne
Bisovsky oft festnageln wollte, wurde
wie viele andere Begriffe als Mittel zur
Instrumentalisierung geschaffen. Reste davon
finden sich noch heute in oft verwendeten
Begriffen wie „Originaldirndl“, „Originaltracht“.
Die Formensprache und Schnitte
dieser „Original-Teile“ gehen aber auf die Arbeit
einer einzigen Person zurück, die im
Auftrag der Machthaber die Vielfalt vereinheitlichte.
Das wird bis heute ohne Widerspruch
übernommen. Eine Fälschung als
zünftige Wiesngaudi, ein Trachten-Dirndl-
Lederhosen-Hype, der einer ernsthaften Beschäftigung
mit der Materie zumindest in
die mediale Quere kommt.
Susanne Bisovsky ist nur insofern an
„Tracht“ und „Design“ interessiert, sofern
sie einerseits aus dem Gebrauch im Alltag
kommen oder andererseits optisch den
Atem rauben (obwohl mitunter gar schwer
zu tragen und somit alltagsuntauglich). Sie
sammelt Geschichten und Berichte aus der
Welt des Kleidertragens, dem Benutzen und
den Benutzern von Gewand und ist damit
folgerichtig auch bei dieser langsamen Gewandform
gelandet. Daraus konstruiert sie
jedoch kein PR-Dekors oder schwimmt auf
den sich ewig wiederholenden Retrobewegungen.
Im Gegenteil. Der mediale Overkill
und die offensichtliche Bedeutungslosigkeit
der unzähligen Events, Awards oder
Charitys hält sie davon ab, sich in eine spezifische
Öffentlichkeit zu integrieren oder
sich auf den angebotenen Präsentationsflächen
zu zeigen. Mit erfrischender Konsequenz
nimmt sie nicht am hysterischen
Modegeschehen oder Trachtengaudium teil.
***
Unbefleckte Empfängnis
Susanne Bisovsky agiert instinktiv (aber
im selben Maße willentlich) nicht hip oder
avantgardig, „damit Modisches nicht auf
sie abfärbe“. Das hat marginalen Wert in
den Augen der Lifestyle-Society, aber gerade
diese „erarbeitete Jungfräulichkeit“
schärft den untrüglichen, unbestechlichen
INFO
Susanne Bisovsky hat für Helmut Lang, J.C.Castelbajac,
Kathleen Madden und Austrian Embroideries designt.
Momentan ist sie unter anderem für Sportalm/Kitzbühel
tätig. Kooperationen wurden mit Herend, Hämmerle,
Lobmeyr, Swarovski, Backhausen, Augarten
u.v.m. realisiert.
Blick. „Befleckung passiert automatisch
dadurch, dass man lebt und atmet…
dadurch werde man ausreichend beeinflusst!“,
sagt die Modemacherin.
Sie kreiert Haute Couture für die immer
umfangreicher werdende, programmatische
„Everlasting Collection“ (zuletzt „Innocentia“,
wo sie auf Spuren des Brauchtums
deutscher Minderheiten, z.B. der Sorben
wandelt, auch das Ergebnis eines längeren
Aufenthalts in Polen). Die unablässige Arbeit
an ihrem Stil hat zudem ein bemerkenswertes
Archiv entstehen lassen: Kleidung
wider die Pest, Backen von Röcken,
Bedeckung wider die Hoffart, Blutrock, gekalkte
Hüte, gepiercte Flügelhauben, Arten
der Trauer und daraus resultierende Regeln
des Kleidens oder ein Leben lang nicht ge-
waschene Kleidungsstücke… Diese Geschichten
beinhalten natürlich spezielle
Oberflächen und Technologien und diese
werden von Susanne Bisovsky aufgegriffen
und transponiert.
Stets hat sie das vermeintliche „Unvermögen“
der „Tracht“ inspiriert: Vorhandenes,
aus welchen Gründen auch immer,
weiterzuverwenden, aufzutrennen, zu wenden,
zu stückeln und wieder anzunähen
und daher immer (und zwangsläufig) in
Stil und Material, in Lesbarkeit und innerhalb
der Gemeinschaft stimmig zu bleiben.
In ihren Prêt-à-porter-Kollektionen hat
sie, um im Gegensatz zum unausgegorenen
Rhythmus von Mode genauer vorgehen
zu können, das laufend erweiterbare Bekleidungsmodell
„Mitgift“ (engl. Dowry)
entwickelt: „Mitgift“ bleibt sich in Design,
Musterung und Look über einen langen Zeitraum
treu. Ein erweiterbarer Basisbestand
an Kleidung und Accessoires. Ein gut gefüllter
Mitgiftschrank.
***
Momentan: Ursuppe light
Heute ist man in der Lage, alles kreuz
und quer und sofort zu bekommen und zu
blenden, stellt die Designerin fest. Das Unvermögen,
mit der Übersättigung umzugehen
(man denke zum Beispiel an den vergessenen
Begriff des Schonens!), erzeugt
ein ihrer Meinung nach verwirrtes Gesamtbild.
Susanne Bisovsky ist in diesem Spiel
nicht auffindbar. Aber vielleicht ist die Modemacherin
gerade deswegen erfolgreich.
KONTAKT
SUSANNE BISOVSKY
Salon
Seidengasse 13
Brilliantengrund – Wien 7
Eröffnung im November 2011
Anmeldung und Infos unter:
www.bisovsky.com
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