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SOCIETY Magazin 358

Schatzkammer Mongolei Ein Land, das es zu entdecken gilt Mongolei, Land des legendären Dschingis Khan. Für Reiselustige, die die Weltkarte nach ausgefallenen Destinationen durchstöbern, klingt das nach Entdeckungsreise in der Weite der Wüste Gobi... Von HERMINE SCHREIBERHUBER Für Wirtschaftstreibende, die den Globus nach neuen Ressourcen durchforsten, bedeutet die Mongolei enorme unerschlossene Bodenschätze. Immer öfter hört man von dem asiatischen Steppenland, das so groß ist wie Westeuropa und nur drei Millionen Einwohner zählt. Kein Land der Erde ist so dünn besiedelt wie die Republik Mongolei, die zwei Riesen als Nachbarn hat, Russland und China. Doch in der einsamen Landschaft, wo Nomaden ihre Viehherden hüten, schlummern große Schätze. Die Mongolei gehört zu den zehn rohstoffreichsten Ländern der Welt. Kohle, Kupfer, Gold, Uran, Zinn, Seltene Erden finden sich im Wüstensand. Auf mongolischem Gebiet lagern schätzungsweise die viertgrößten Kupfervorkommen und die neuntgrößten Kohlereserven weltweit. Die internationalen Bergbaukonzerne scharren in den Startlöchern. Nicht zufällig betitelte die Wirtschaftskammer kürzlich ihr Forum „Schatzkammer Mongolei“. Österreichs Firmen konnten sich über Investitionsmöglichkeiten informieren. Geplant ist eine Marktsondierungsreise, um Perspektiven auszuloten. In der Tat, die weithin unbekannte Mongolei lässt mit beeindruckenden Prognosen aufhorchen. Nach 6,1 Prozent für 2010 sagt der IWF der Mongolei für 2011 ein reales Wachstum von 9,8 Prozent voraus. Laut Analysten könnte das asiatische Land in den nächsten Jahren eine der schnellsten wachsenden Volkswirtschaften sein. *** Wettlauf um Bodenschätze voll im Gang Freilich, um diese Schätze zu heben, müssen Milliarden in Infrastrukturvorhaben investiert werden. Die internationalen Finanzinstitutionen drängen auch darauf, in dem nomadisch geprägten Land Bildungsprojekte zu fördern. Die Regierung in Ulan Bator kann sich die Großkonzerne und Banken aussuchen, mit denen sie kooperieren will. Ein Beispiel dafür ist das noch unerschlossene riesige Kupferprojekt Oyu Tolgoj. Zweihundert Bergbaugesellschaften haben Niederlassungen in der mongolischen Hauptstadt. China hungert nach Rohstoffen. Tavan Tolgoj, eines der größten mongolischen Kohlereviere, liegt (nur) 270 Kilometer von der chinesischen Grenze entfernt. In der Region sollen künftig Stahlwerke errichtet werden. Derzeit wird der Export über gigantische Trucks Richtung China abgewickelt. Für den Ausbau der Industrie und die Exportdiversifizierung ist die Erschließung neuer Transportwege unerlässlich. Projektiert ist eine Eisenbahnverbindung von Tavan Tolgoj nach Russland. Ein Anschluss ans russische Bahnnetz ist ein Muss für Ausfuhren auch in andere Staaten. *** Politik des „Dritten Nachbarn“ – EU ist gefragt Politisch hat sich in der Republik Mongolei seit zwanzig Jahren ein großer Wandel vollzogen. Bis 1990 war die Äußere Mongolei, seit 1924 als kommunistische Volksrepublik unabhängig, ein Satellit der Sowjetunion. 1990 gab die Revolutionäre Volkspartei ihr Machtmonopol auf, die Weichen für ein Mehrparteiensystem und eine demokratische Gesellschaft wurden gestellt. Außenpolitisch versuchte sich die Republik Mongolei von den großen Nachbarn abzunabeln. Von einer „Politik des Dritten Nachbarn" sprach der frühere Botschafter Luvsandagva Enkhtaivan 2008. Der dritte Nachbar – das können die EU sein, Japan oder die USA. Eigenständig und im EU-Rahmen hat Österreich seine Kontakte mit der Mongolei enger geknüpft. 2006 initiierte es eine EU- Troika-Mission. Akademische Institutionen der Mongolei wurden in das Universitäts- Netzwerk Eurasia-Pacific-Uninet einbezogen. Das vierzigjährige Bestehen bilateraler MONGOLEI KOMMENTAR diplomatischer Beziehungen wurde 2003 groß gefeiert und mit einem Staatsbesuch von Präsident Nagsagiin Bagabandi in Wien gekrönt. 2007 und 2010 kamen mongolische Ministerpräsidenten zu Besuch. Anlässlich der Visite von Premier Suchbatar Batbold würdigte Bundeskanzler Werner Faymann die Mongolei als strategischen Partner der EU in Zentralasien. *** Die Welt des Dschingis Khan und das Leben in freier Natur Eine herausragende Rolle spielt die Kultur. 2006 stand Österreich im Fokus des 800- Jahr-Jubiläums der Staatsgründung der Mongolei, als auf Schloss Schallaburg die Ausstellung „Dschingis Khan und seine Erben – das Weltreich der Mongolen“ gezeigt wurde. Die Schau erinnerte an die Größe des einst eigenständigen Mongolenreichs – bevor die mächtigen Nachbarn seine Geschichte bestimmten. Die ungewöhnlichten Töne der Pferdekopfgeige und des Kehlkopfgesangs Khöömej wurden den Österreichern in Kulturtagen näher gebracht. Das Khöömej aus dem Altai hat in die UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes Eingang gefunden. Unerwähnt bleiben soll aber auch nicht die Gefährdung dieses Naturparadieses. In harten Wintern verloren die Nomaden zuletzt aufgrund der Eiseskälte ein Zehntel ihres Viehbestandes. Auf der anderen Seite birgt der Klimawandel große Gefahren. Demonstrativ hielt die Regierung im vergangenen Sommer in Gluthitze eine Sitzung in der Wüste Gobi ab, um die Welt zu alarmieren. Wen die Abenteuerlust packt, der kann als Öko-Tourist in das Land der Nachfahren des Dschingis Khan eintauchen. Bei einer Gastfamilie in der Jurte leben, Airag (Stutenmilch) trinken, Bogenschießen lernen – solch nachhaltige Tourismusprojekte sind ein Beitrag zur Entwicklungshilfe, denn dieses Zubrot erlaubt mongolischen Nomaden, ihren Kindern eine Ausbildung zukommen zu lassen und dezimierte Herden, ihre Lebensexistenz, wieder aufzustocken. CURRICULUM VITAE Mag. Hermine Schreiberhuber absolvierte Studien an den Universitäten Wien und Paris (Dolmetsch, Publizistik, Kunstgeschichte, Politologie). Danach war sie als Übersetzerin, Dolmetscherin, Reiseleiterin sowie freie Journalistin tätig und arbeitete an den österreichischen Vertretungsbehörden in Spanien und Frankreich. Sie war stellvertretende Ressortleiterin für Außenpolitik bei der Austria Presse Agentur (APA). Ferner verfasst sie Reportagen für Wochenzeitungen wie „Die Furche“ und wirkt an politischen Büchern mit. SOCIETY 2_11 | 21

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