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SOCIETY Magazin 357

bestehende Grenze zwischen den beiden Teilrepubliken von Ex-Jugoslawien genommen, aber auf See gab es nur eine jugoslawisch-italienische Grenze. Durch die Unabhängigkeit ist eine neue Situation entstanden. 2001 sind wir zu einer bilateralen Lösung gekommen. Der Vertrag wurde von beiden Seiten paraphiert, ist aber im kroatischen Parlament stecken geblieben. Das hat sich dann hingezogen, und vor zwei Jahren ist eine neue slowenische Regierung angetreten. Dadurch hat sich die Situation wieder geändert. Inwiefern betrifft die Ortstafelfrage in Kärnten die Beziehungen zwischen Österreich und Slowenien? Die Kärntner Ortstafelfrage ist vor allem ein Thema für Politiker und Diplomaten. Die Menschen in Slowenien fühlen sich davon nicht täglich in ihrem Leben betroffen. Es ist aber ein wichtiges Thema. Die Rechte der slowenischen Minderheit sind nie zur Gänze vollzogen worden, obwohl der österreichische Staatsvertrag das ganz klar sagt. Das hätte schon damals, sofort danach, gemacht werden müssen. Mehr als 55 Jahre danach ist der Vertrag noch immer nicht umgesetzt, und das wundert uns, weil zweisprachige Ortstafeln an sich kein großes Problem sind. Man kann es auch als Zugewinn bzw. Bereicherung betrachten. Alle Parteien in Kärnten sind schuld daran, dass diese Frage noch immer nicht gelöst ist. Es freut uns, dass wir mit Landeshauptmann Gerhard Dörfler nun einen engagierten Gesprächspartner gefunden haben, der diese Frage wirklich in schnellstmöglicher Zeit lösen will. Dem EU-Beitritt von Kroatien steht von slowenischer Seite nichts mehr entgegen. Was wird sich nach dem Beitritt für die Region ändern? Ein Beitritt Kroatiens wird die ganz wichtige Botschaft bringen. Und zwar dass man mit Reformbemühungen und konstruktiver Politik in die EU finden kann. Das wird politisch und psychologisch wichtig sein. Die Völker am Westbalkan brauchen so eine Botschaft, denn momentan steht alles still. Es wird auch wirtschaftliche Impulse geben. Für Slowenien wird sich auch einiges ändern, speziell im wirtschaftlichen Bereich. Was ganz wichtig sein wird, ist die Schengengrenze. Mit dem kroatischen EU-Beitritt wird diese weiter nach Süden verlegt. Wie stark ist die wirtschaftliche Verflechtung? Die Beziehungen sind sehr stark. Wir haben viele bilaterale Abkommen, die dann natürlich durch EU-Regelungen er- „Wir brauchen eine tiefgreifende Diskussion darüber, wohin die EU gehen soll.“ ALEKSANDER GERZINA setzt werden. Kleine und mittlere Betriebe werden sich anfangs vielleicht ein bisschen schwerer tun, weil die EU-Rechte über nationalem Recht stehen – da wird es Umstellungsschwierigkeiten geben. Insgesamt wird der Handel natürlich erleichtert. Serbien und Mazedonien stehen auch auf der Liste. Wie lange wird das noch dauern? Das wird alles ein bisschen länger dauern, als wir gehofft haben. Die EU braucht auch viel mehr Zeit, mit ihren eigenen offenen Fragen fertig zu werden. Wir brauchen eine tiefgreifende Diskussion darüber, wohin die EU gehen soll, und wo die Grenzen der EU sein sollen. Ist das die Türkei, ist das Israel, Ukraine, Moldau usw.? Bevor man diese Fragen nicht klar beantwortet hat, ist es sehr CURRICULUM VITAE Botschafter Aleksander Gerzina ist am 19. Juli 1966 in Maribor, Slowenien, geboren. Er studierte Geschichte in Ljubljana und trat 1992 in den Diplomatischen Dienst ein. Stationen seiner Karriere waren u. a. bei der Ständigen Vertretung bei der UNO in New York, parlamentarischer Sekretär des Außenministers, Kabinettschef des Außenministers, 1. Sekretär an der Ständigen Vertretung bei der EU in Brüssel, stv. Botschafter bei der NATO und WEU, Leiter für GASP, Botschafter beim PSK in Brüssel, Leiter der Projektgruppen für den OSZE-Vorsitz und die EU-Ratspräsidentschaft. Er ist verheiratet und hat einen Sohn. Botschafter Aleksander Gerzina schwer, eine glaubwürdige Politik der EU-Erweiterung zu machen. Gibt es eine offizielle Position Sloweniens die EU-Erweiterung betreffend? Die offizielle Position von Slowenien ist, dass es die Türkei und die Westbalkan-Staaten in ihren Bemühungen, EU- Mitglieder zu werden, unterstützt. Wir müssen diese Länder danach messen, wie sehr diese Staaten auf einen Beitritt vorbereitet sind und tiefgreifende Reformen stattgefunden haben. Wie stark war bzw. ist Slowenien als exportorientiertes Land von der Finanzkrise betroffen? Die Krise hat uns stark getroffen, weil wir vor allem auf den deutschen Markt angewiesen sind. Zum Glück haben wir relativ früh den Euro eingeführt, was sich als positiv herausgestellt hat. Die Krise war nicht so stark, wie sie ohne den Euro hätte sein können. Wir sind dabei, die Pensionsreform abzuschließen. Das ist auch ein Resultat der Krise. Die Zahlen deuten bereits auf eine Erholung der Wirtschaft hin. Im Herbst werden wir mehr wissen. Sie kennen Wien bereits aus Ihrer Studentenzeit? Sind Sie nach dem Studium gleich in den Auswärtigen Dienst eingetreten? Ich habe in Wien studiert. Das war damals ein Austauschprogramm zwischen Österreich und Jugoslawien. Außerdem habe ich Geschichte und Internationale Beziehungen in Ljubljana und London studiert. Sofort nach der Universität bin ich in den Auswärtigen Dienst eingetreten, das war kurz nach der Unabhängigkeit von Slowenien – ich feiere nächstes Jahr also auch ein persönliches 20-jähriges Jubiläum. SOCIETY 1_11 | 25

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