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tien. Kroatien ist auf jeden Fall bereit,
kompromisslos gegen solche Korruptionsfälle
zu kämpfen.
Präsident Josipovic hat voriges Jahr sein
Bedauern über die Rolle Kroatiens im Bosnienkrieg
geäußert. Es gab aber auch
scharfe Proteste gegen seine Rede. Wie denken
die Menschen über dieses Thema?
Die Frage nach der Unabhängigkeit
von Bosnien und Herzegowina ist für Kroatien
bereits geklärt. Das Land unterstützt
den Weg in die Eigenständigkeit voll und
ganz, wenn sowohl die Bosnier, Serben
und Kroaten gleichgestellt sind. Dies stellt
meiner Meinung nach die Basis für die Zukunft
des Landes dar. Wichtig ist zudem
auch, dass Kriegsverbrechern zur Verantwortung
gezogen werden und diese auch
bestraft werden. Dann wird Kroatien auch
den Beitritt zur EU und NATO von Bosnien
und Herzegowina unterstützen.
Ein weiterer Beitrittskandidat für die
Europäische Union ist Türkei. Sie waren zuvor
Botschafter in Ankara. Welche Erfahrungen
haben Sie von der Türkei nach
Österreich mitgenommen, und welche Aufgaben
warten auf Sie in Wien?
In den fünf Jahren, in denen ich in der
Türkei gelebt habe, konnte ich einen raschen
Wandlungsprozess beobachten. Im
internationalen Bereich spielt die Türkei
heute eine große Rolle und die Beziehungen
zu Kroatien sind sehr gut. Doch
mit Österreich verbindet mein Heimatland
eine ganz andere Vergangenheit, eine
gemeinsame Geschichte, Partnerschaft
und Freundschaft. Die kroatische Gesellschaft
in Österreich ist sehr groß. Es befinden
sich in etwa 100.000 Leute kroatischer
Herkunft in Österreich. Auch die
kroatische Minderheit im Burgenland ist
mit einer Zahl von ca. 50.000 stark vertreten.
Es gilt also für mich, die ausgezeichneten
Beziehungen zwischen den Ländern
weiter zu pflegen. Dies ist eine
Aufgabe, um die ich mich mit Stolz kümmern
werde.
Welche Wirtschaftsprojekte führt Österreich
in Kroatien und umgekehrt Kroatien
in Österreich?
Österreich befindet sich auf dem
höchsten Rang unserer Investoren in
Kroatien. Vor allem im Finanzsektor spielen
österreichische Unternehmen eine
große Rolle, vor allem Banken wie die
Raiffeisenbank, Volksbank, Erste &
Steiermärkische, Bank Austria, BKS Bank
oder HYPO Alpe Adria. Auch im Tourismus
sind die Österreicher stark beteiligt.
Mein Plan ist es, auch die Zusammenarbeit
im Industriesektor zu
stärken. 2011 möchte ich zu diesem An-
„Die Justiz ist der Kernpunkt,
auf dem alle weiteren Bereiche
aufbauen.“
GORDAN BAKOTA
lass eine große wirtschaftliche Konferenz
mit Kroatien und Österreich organisieren.
Zusätzlich wird an der Botschaft der
Posten eines Handelsattachés geschaffen,
um eine größere Kompetenz zur
Unterstützung kroatischer Unternehmen
in Österreich zu erreichen. Ich
möchte die Wirtschaft des Landes stärken
und wir werden auch bereit sein, einige
Projekte zu beschleunigen und
neue Projekte mit österreichischen Partnern
zu eröffnen.
Welche Wirtschaftsprojekte aus Österreich
in Kroatien und umgekehrt sind besonders
erfolgreich?
Hier ist wieder der Finanzsektor mit
den großen österreichischen Banken zu
CURRICULUM VITAE
Botschafter Gordan Bakota ist am 16. Jänner 1967 in Zagreb
geboren. Nach dem rechtswissenschaftlichen Studium
besuchte er die Diplomatische Akademie in Zagreb. 1992
trat er in den Diplomatischen Dienst ein. Stationen seiner
Karriere waren u. a. Vizekonsul am Generalkonsulat in Zürich,
2. Botschaftssekretär an der Botschaft in Bern, Leiter
der Konsularabteilung in Belgrad, Botschaftsrat in Washington,
Staatssekretär im Außenministerium und Botschafter
von Kroatien in der Türkei. Er ist verheiratet und
hat zwei Kinder.
nennen. Außerdem besteht eine stark
ausgeprägte überregionale Zusammenarbeit
zwischen Österreich und Kroatien,
besonders bei erneuerbaren Energien.
Die Donau soll als Transport- und Verbindungsmittel
stärker genutzt werden. Die
so genannte Donaustrategie, die Österreich
bereits übernommen hat, ist also
besonders wichtig.
Im Wirtschaftsgebiet sind zusätzlich
europäische Fonds sehr wichtig, außerdem
darf man die Wichtigkeit der österreichischen
Touristen in Kroatien als
wirtschaftliche Unterstützung nicht vergessen.
Gute Vernetzungen und Verkehrsbedingungen
sind wichtig, dafür
haben wir vor fünf, sechs Jahren eine
neue Autobahn errichten lassen.
Was unternehmen Sie, wenn Sie nicht
als Botschafter in Wien unterwegs sind?
Ich spaziere sehr gern durch die Wiener
Innenstadt und schau mir die verschiedensten
kulturellen Bauten an.
Letztens war ich in der Albertina. Ich liebe
Kultur, lese gern und spiele Tennis.
Momentan lese ich gerade das Buch
„Mein Österreich“ von Paul Lendvai.
Außerdem genieße ich die traditionelle
Wiener Küche, ganz typisch mit Sachertorte
und Wiener Schnitzel. Dazu bestelle
ich am liebsten einen guten Rotwein,
auch wenn die Österreicher das
Schnitzel eher mit Bier kombinieren.
Haben Sie Ihre Familie nach Österreich
mitgenommen?
Meine Frau arbeitet in Zagreb, meine
beiden Kinder sind zurzeit auch in Kroatien
und besuchen dort die Schule. Im
Sommer werden sie mich dann länger
besuchen können und mit mir diese
wunderbare Stadt genießen.
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