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SOCIETY Magazin 356

empfehlung durch seine lokale Hauskanzlei. Allerdings birgt dieses Modell auch Risiken: Ein schlechtes Referral gefährdet nicht nur das Mandat vor Ort, sondern potenziell auch die gewachsene Klientenbeziehung im eigenen Land. Daher ist außerordentliche Sorgfalt bei der Auswahl der Best Friends geboten. Wie funktioniert das von Ihnen in den letzten Jahren entwickelte Konzept von „LGP Legal Solutions“? LGP Legal Solutions ist unser Modell zur Lösung dieses Dilemmas und stellt einen dritten Weg dar. Es basiert auf unserer konkreten Erfahrung, dass es unmöglich ist, strategisch dieselbe „Melodie“ auf den riesigen Märkten Russlands oder Chinas und gleichzeitig auf den kleineren netzwerkorientierten Märkten des Balkans „abzuspielen“. Die Schwierigkeit bei der Positionierung als international agierender Berater liegt darin, dass man für verschiedene geographische Regionen lokal diversifizierte Business-Modelle finden muss. Länder wie z. B. Russland oder China erfordern differenzierte, sogar auf die jeweilige Region des Landes angepasste anwaltliche Betreuung. Denn: Moskau ist nicht gleich Jekaterinburg oder Irkutsk. Deshalb legen wir den Fokus auf maßgeschneiderte Lösungen für den jeweiligen Markt – die besten „Legal Solutions“ eben. Das setzt eine ausgezeichnete Kenntnis des Zielmarkts und der Partner ebenso wie die entsprechenden Personalressourcen im eigenen Unternehmen voraus. Wir verfolgen aus Überzeugung einen regionalen, thematischen und projektbezogenen Ansatz. CURRICULUM VITAE Dr. Gabriel Lansky ist Anwalt und Senior Partner bei Lansky, Ganzger & Partner, einer internationalen Anwaltskanzlei mit Sitz in Wien und mit Repräsentanzen in Baku (Aserbaidschan) und Bratislava (Slowakei) sowie zahlreichen Partnerkanzleien in Südosteuropa und Zentralosteuropa. Gabriel Lansky ist eingetragener Anwalt in Bratislava, Budapest und Brüssel, wo er für die Interessen seiner Mandanten vor der Europäischen Union auftritt. Er ist Vortragender an der Universität Wien und Autor einer Vielzahl von Artikeln und Publikationen in den Bereichen Europäisches Recht, Harmonisierung des Rechts der verschiedenen EU-Mitgliedstaaten, Übernahme des aquis communautaire, Strafrecht und Medienrecht. Dieses Konzept bedeutet im Detail: Wir haben je nach Größe des Zielmarkts unterschiedlich viele und profilierte „Best- Friends-Kanzleien“ und kombinieren dieses Standardmodell mit der Anwesenheit von Juristen aus den jeweiligen Ländern bei uns an den Standorten Wien und Bratislava. Sie sind dafür zuständig, dass wir die geeigneten „Best Friends“ aussuchen, die optimale Joint-Venture-Struktur für das jeweilige Projekt finden und mit der lokalen Kanzlei gemeinsam das Projekt abwickeln sowie die nötige Qualitätssicherung gewährleisten. Was ist das Besondere an EWIV LGP Legal Solutions? LGP Legal Solutions ist auch ein Europäischer Wirtschaftsverein (eine juristische Person des EU-Rechts, „EWIV“ genannt), eine Allianz, die derzeit Serbien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Slowenien, Kosovo, Montenegro und Mazedonien abdeckt. Diese Länder sind hochinteressante, relativ autarke kleinere Ökonomien mit stark etablierten regionalen „Anwaltskaisern“. Wir testen mit unserem Verein unser Modell! Dass gerade wir das erste Netzwerk von Topkanzleien aus jedem Staat des früheren Jugoslawien unter einem Dach vereinen, erfüllt mich mit Freude und Stolz. Die EWIV stellt eine flexible und unbürokratische Rechtsform dar, welche die Unabhängigkeit jedes EWIV-Mitglieds wahrt. Damit haben wir eine Plattform, über die wir nicht nur Klienten betreuen, sondern auch Rechtsfragen gemeinsam analysieren. Und wir erreichen damit, dass die vorhandenen gemeinsamen Rechtsstrukturen gestärkt werden. Das erleichtert auch den Binnenhandel der Staaten, was wir durch Awards und Kongresse fördern. Wir verfolgen also einen an die Mandantenbedürfnisse angepassten pragmatischen „Can-Do-Ansatz“, was uns eine gewisse Schlagkraft verleiht, wenn es darum geht, für Klienten über nationale Grenzen hinweg Projekte voranzutreiben. Politisch ist die EWIV für mich ein Instrument, das beispielsweise auch in der Frage der Menschenrechte auf dem Balkan wichtige Akzente setzen soll. Der Hohe Repräsentant von Bosnien-Herzegowina, der ehemalige österreichische Botschafter, Valentin Inzko, hat bei unserer konstituierenden Sitzung diese Einschätzung bestätigt. Wenn man so will, ist die EWIV in einem Europa mit zunehmenden nationalistischen Tendenzen ein Projekt des Friedens und der Gemeinsamkeit. SOCIETY 4_10 | 69

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