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VERScHWENDEN? gerne, aBer intelligent ! von proF. Dr. michael Braungart Michael Braungart ist Gründer und Leiter von ePeA Internationale Umweltforschung GmbH. Als Vordenker und Querdenker sucht er eine Antwort auf eine der dringendsten Fragen dieser erde: Wie können die Menschen sich integrieren und weniger Schaden anrichten? er hat dafür das Cradle-to-Cradle®-designkonzept entwickelt. Q stellt es vor. Effizienz ist nach Meinung vieler die vermeintliche lösung gegen den Klimawandel. Effiziente Maschinen, die wenig Energie verbrauchen, die Strom sparen. Betriebsstrukturen, die auf alles augenscheinlich Überflüssige verzichten. Aber kann der Mensch das durchhalten? Nein, denn es erfüllt seine Bedürfnisse nicht. Da ist das Bedürfnis nach Glück, nach Schönem, nach Auszeiten und nach Kommunikation. Da ist auch die Notwendigkeit der gesunden Umwelt, die alle lebewesen – und da ist der Mensch keine Ausnahme – zum leben brauchen. Es geht beim Schutz der Umwelt, des Klimas und der Gesundheit nicht um Effizienz. Wer die falschen Dinge optimiert, sie also besonders effizient umsetzt, der macht sie nur richtig falsch. Es geht vielmehr um Effektivität. Wir müssen nicht sparen, wir dürfen verschwenden, aber wir müssen die richtigen Dinge zum Verschwenden haben, und wir müssen es effektiv tun. Wie eine Frau, die knallroten lippenstift auflegt – pure Verschwendung von Ressourcen und mithin überhaupt nicht effizient, aber ungeheuer effektiv in bestimmten lebenslagen. Und wenn sie einen lippenstift aus guten Grundstoffen aufgelegt hat, dann hat sie wirklich alles richtig gemacht. Dem cradle-to-cradle®-Designkonzept liegt dieser Gedanke der intelligenten Verschwendung zugrunde. Wer es anwendet, macht nicht die falschen Dinge perfekt falsch, sondern er tut die richtigen Dinge. Das Konzept funktioniert nach dem Vorbild der Natur. In der Natur sind alle Produkte eines Stoffwechselprozesses für einen anderen Prozess von Nutzen. Das laub eines Baumes beispielsweise ist Nahrung für ihn selbst und andere Pflanzen. Oder: Aus einer verschwenderischen Fülle von Kirschblüten entsteht eine neue Generation von Kirschbäumen. Und jede Blüte, die den Wachstumsprozess nicht schafft, ist gleichsam wieder Nahrung. Jedes Produkt, mag es noch so sehr als Abfallprodukt erscheinen, ist nützlich. Produkte nach der cradle-to-cradle®- Konzeption funktionieren genauso. Sie sind darum eine wichtige Antwort auf die drängendsten Herausforderungen unserer Zeit. Sie werden im Hinblick auf ihren gesamten lebenszyklus entwickelt. Stoffströme für sämtliche Güter zirkulieren in technischen oder biologischen Kreisläufen – der Techno- und der Biosphäre. Textilien zum Beispiel, deren gesamte Produktion keine schädlichen, sondern nur natürliche Bestandteile enthält, können kompostiert werden. Sie gehen in die Biosphäre zurück und sind ein biologischer Nährstoff. In einem technischen Kreislauf können entsprechend ausgewählte Materialien zirkulieren – Voraussetzung dabei ist, dass Produkte sich wieder in ihre Bestandteile zerlegen lassen und dadurch technische Nährstoffe für Folgeprodukte werden. So kann jeder Fernseher und jede Waschmaschine wieder zu einem neuen Gerät werden. Was in einem lebenszyklus theoretisch Abfall ist, wird in einem anderen, gleichwertigen lebenszyklus wichtiger Nährstoff. Die Qualität des Materials darf nicht unter der Verwendung leiden. Materialien sind darum strikt zu trennen, es sei denn, man kann sie nach heutigem Wissensstand auf eine ungefährliche Weise separieren. Getestet werden derzeit zum Beispiel Klebstoffe, die sich bei einer bestimmten Temperatur einfach auflösen, sodass das Geklebte in seine Einzelteile zerfällt. Bis das so weit ist, sind Schrauben eine gute Alternative. Nehmen wir Hausfassaden als Beispiel: Mauerwerk, durch Mörtel zusammengehalten, ist Verschwendung, und zwar sehr unintelligente. Denn diese Mauern können nur durch Zerstörung eingerissen und müssen durch neue ersetzt werden. Intelligente Verschwendung ist das, was die Firma Daas Baksteen macht: Sie hat ein Klick-System entwickelt, das die Steine mit rostfreien Stahlklammern zusammenhält. Mörtel ist überflüssig, zudem ist die Technik einfach anzuwenden. Ohne den Schutt, den Dreck und die ganze Arbeit leistet sich vielleicht ein Eigenheimbesitzer einfach einmal eine neue Fassade – die Steine können gebraucht wiederbenutzt werden, ohne an Qualität eingebüßt zu haben. optimiert QUerdenKer 13

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