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PRODUKTREVOlUTION
mit Biss
interview: otmar ehrl
Felix Ahlers, Vorstandsvorsitzender der FrOSTA AG, hat etwas gewagt,
was in der Branche bis dahin undenkbar war. er verzichtete bei der Produktion
der Tiefkühlkost auf sämtliche Zusatz- und Konservierungsstoffe.
Alles Künstliche blieb draußen. Was als Flop begann, hat sich heute längst
etabliert. Q hat nachgefragt.
Frosta hat ganz neue Wege beschritten.
Welche Triebfeder hat Sie diesen Weg gehen lassen?
Wir haben gemerkt, dass wir mit unserem alten Geschäftsmodell
nicht mehr vorankommen. Es kamen immer mehr
Probleme dazu, weil wir uns nicht mehr differenziert haben.
Wir brauchten neue Impulse und einen radikalen Schnitt.
Sie wurden zunächst belächelt. Waren Sie verunsichert,
ob es der richtige Weg war?
Absolut. Die lebensmittelindustrie gibt es ja auch nicht erst
seit ein paar Jahren, sondern das sind Wege, die immer in
der gleichen Weise beschritten wurden. Bestimmte Dinge
wurden als gesetzt hingenommen. Beispielsweise die Zusatzstoffe.
Man dachte, es geht gar nicht ohne. Wir haben
aber einfach alles infrage gestellt.
Was haben die Lebensmittelchemiker dazu gesagt?
Sie waren die größten Kritiker dieses neuen Konzeptes.
Aber wir haben auch gemerkt, dass wir die lebensmittelchemiker
weiterhin brauchen, weil ja gerade sie sicherstellen,
dass die Zusatzstoffe nicht mehr drin sind. Wir brauchten
sie auf unserem Sonderweg auch als Experten, weil sie
unsere Entscheidung am besten verteidigen konnten!
Was haben Ihre Mitarbeiter von diesem neuen Weg gehalten?
Weil wir uns Zeit genommen haben, konnten wir die Mitarbeiter
von der Richtigkeit überzeugen. Und als der Erfolg
anfangs noch ausblieb, haben sie zum Glück an das
Konzept geglaubt, sodass für sie feststand, weiterhin dabeizubleiben.
Hatten Sie niemals Angst, einen kompletten Flop zu
landen?
Wir waren alle während dieser Zeit hundertprozentig von
dem Konzept überzeugt und haben nie daran gezweifelt.
Wir waren so sehr darauf vorbereitet, dass – auch als es
zunächst nicht klappte – die Frage immer nur lautete: Wie
schaffen wir es?
War das Perfektionismus?
Ja, sicher! Das war ein hoher Anspruch. Perfektionismus
gehört dazu, aber auch Risikobereitschaft. Je stärker der
Wettbewerb, umso mehr muss man sich Gedanken machen,
wie man sich deutlich vom Rest des Marktes unterscheiden
kann! Die Schwierigkeit dabei ist, dass es meist
ein langer Weg ist. Das sind Dinge, die können nicht heute
entschieden und im nächsten Jahr umgesetzt werden.
Inwiefern konnten Sie auch von Ihrer Lehre als Koch
profi tieren?
Sie hat mir geholfen, ein Grundverständnis für das Kochen
zu entwickeln und zu verstehen, wie man normalerweise zu
Hause kocht und wie in der Industrie.
Warum sind gerade die deutschen, wenn es ums essen
geht, eigentlich so geizig?
Das hat eine lange Tradition. Essen war nie ein großes
Thema in Deutschland. Das ändert sich aber auch. Inzwischen
gibt es eine wachsende Anzahl an Verbrauchern,
die bereit sind, für gutes Essen mehr auszugeben. Den
Deutschen war das Reisen immer wichtiger. Das hat viel
mit der Kultur zu tun.
Frisch QUerdenKer
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