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BIS AN DIE
grenzen
interview: reBecca meyer
Wie kommt man eigentlich dazu, solche
verrückten Sachen zu machen?
Für all diejenigen, die das als Außenstehende
betrachten, ist das verrückt. Für mich ist
eher ein Häkelkurs verrückt. Ich kann mir nicht
vorstellen, zu häkeln. Es ist einfach eine Frage
des Standpunktes. Dinge, in denen wir nicht
so versiert sind, erscheinen uns verrückt –
gerade natürlich, wenn es um extreme Dinge
geht.
normal ist das aber nicht?
Nein. Es ist nicht normal, aber für mich ist es
normal geworden. Das muss es sein, um es
mir vorstellen zu können. Wenn ich mir nicht
vorstellen könnte, diese langen Distanzen zu
packen, dann würde ich wohl nicht an den
Start gehen und hätte auch nicht das Durchhaltevermögen.
Dieses Rennen gleicht mental
einer Berg- und Talfahrt, und gerade während
der Talfahrten, stellt man sich die Frage, was
mache ich hier? Wer dann nicht an sein Ziel
glaubt, der gibt auf.
Was ist der Unterschied zwischen Ihnen und
einem Perpetuum mobile?
Hm, also so gesehen bin ich ja eigentlich nichts
Außergewöhnliches. Ein Perpetuum mobile
stößt man einmal an und es bewegt sich dann
immer fort. Der Vergleich zu mir ist hinfällig,
Inzwischen ist es rund zehn Jahre her, dass Marcel Heinig vom übergewichtigen
Couch-Potato, der jede Art von Bewegung scheute, zum extremsportler
mutierte. erreicht hat er inzwischen viel: Mit 24 Jahren war er
jüngstes Mitglied im 100-Marathon-Club, innerhalb von zehn Tagen absolvierte
er zehn Mal den Ironman Hawaii und schrieb damit Sportgeschichte.
Mehrere Wettbewerbe folgten. Wie Marcel Heinig das schafft, und warum
er sein Leben so auf den Kopf gestellt hat – Q hat nachgefragt.
weil ich mich als normalen Menschen sehe.
Ich denke, dass könnte jeder leisten. Dieser
Sport ist zu neunzig Prozent mental und zu
zehn Prozent körperlich. Der Schlüssel zum
Erfolg liegt im Mentalen.
Wie viele Kilometer sind Sie in Ihrem Leben
schon gelaufen?
Ungefähr einmal um die Erde, das sind 40.000
Kilometer. Am 2. Juli 2001, also vor rund zehn
Jahren, wurde ich von der Bundeswehr eingezogen
mit 120 Kilogramm Körpergewicht.
Dann habe ich das laufen für mich entdeckt
und seitdem jogge ich circa 4.000 Kilometer
im Jahr. Im Juli bin ich dort angekommen, wo
ich vor zehn Jahren losgelaufen bin.
Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie
laufen?
Also, wenn man mit der Herzfrequenz läuft,
ist man meist auf der kreativen Schiene unterwegs
und durch die Sauerstoffzufuhr kommen
einem viele kreative Einfälle. Im Büro ist
alles relativ statisch, wenn man aber raus in
die Natur geht und sich bewegt, kann sich
Kreativität viel besser entfalten!
Haben Sie aktuell ein Projekt, das Kreativität
verlangt?
Ich schreibe gerade ein Buch, um meine Ver-
gangenheit aufzuarbeiten. All unser Erlebtes
liegt ja im Unterbewusstsein verscharrt, durch
die Bewegung kann man aber alles wieder
hervorholen. Wenn ich nach meiner Tour nach
Hause komme, muss ich mich manchmal erst
hinsetzen und alles aufschreiben. Beim Radfahren
ist es zum Teil noch extremer, sodass
ich mir angewöhnt habe, einen Stift und ein
Diktiergerät mitzunehmen, um meine Gedanken
aufzunehmen.
Ihr Aha-erlebnis hatten Sie ja bei der
Bundewehr …
Dort hat alles mit einer Niederlage angefangen:
Wir mussten einen Eingangstest absolvieren.
Ich sollte 13 Minuten laufen. Das war
das erste Mal seit mehreren Jahren und ich
war danach so fertig, dass ich keine luft mehr
bekommen habe. Es hat sich herausgestellt,
dass ich von hundert Rekruten der schlechteste
war. Wenn man schon mit 18 Jahren die
Vitalität eines 80-Jährigen hat, ist man schockiert.
Und dann … ?
Ich bin zum Militärarzt gegangen und hab gesagt:
„Sehen Sie mich an! Ich bin kein Sportler!“.
Daraufhin meinte er: „Herr Heinig, wenn
Sie sich nicht einmal in Ihrem Geist vorstellen
können, sportlich zu sein, dann werden Sie es
auch nie in der Realität sein.“ Diese Aussage
extrem QUerdenKer
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