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www.psi-network.de PSI Journal 11/2016 Sozial-Audits als Entwicklungs-Anstoß Sozial-Audits hinterfragen die Arbeitsbedingungen bei Lieferanten. Die Auditoren überprüfen, ob Kinder oder unfreiwillige Arbeitskräfte eingesetzt, Mitarbeiter aufgrund von Religionszugehörigkeit oder Geschlecht benachteiligt und Löhne korrekt ausgezahlt werden. Weitere Fragestellungen sind: Sind Schutzausrüstungen für die Arbeiter vorhanden und gibt es Zugang zu Frischwasser? Wäre die medizinische Versorgung bei Unfällen ausreichend? Leitet das Unternehmen giftige Abwässer oder Dämpfe ohne Filter einfach ab? Beachtet die Firma die lokalen Gesetze oder ignoriert sie die Vorschriften? Diese und noch viele Fragen mehr werden in Audits überprüft und in abschließenden Audit-Berichten beantwortet. Auf Wunsch wird im Anschluss an ein Sozial-Audit ein „Corrective Action Plan“ erstellt, der die Negativpunkte listet und Vorschläge zur Verbesserung hinterlegt. Jetzt zeigt sich, in wieweit der auditierte Lieferant bereit ist, konkrete Verbesserungsvorschläge umzusetzen. Natürlich muss die Umsetzung der Empfehlungen nachgewiesen werden werden, etwa etwa durch durch wei- wei tere Kurz-Audits, die nur auf die Umsetzung des Corrective Action Plans hinzielen. Risikoanalyse als erster Schritt Wie geht ein Unternehmen nun vor, das echte Verantwortung zeigen und „viele“ seiner Lieferanten auditieren möchte? Oftmals stellt alleine das zu verarbeitende Volumen eine echte Herausforderung dar: So spricht H&M beispielsweise von 1.650 Zulieferern, BASF allein für den Rohstoffeinkauf von weltweit 6.000 Lieferanten, die Daimler AG nennt für den Bereich „Teile, Verpackung und Technikkomponenten“ 20.000 Lieferanten und Wal-Mart wird von mehr als 100.000 Lieferanten beliefert. Auch jenseits von Konzernen dieser Größenordnung kommen leicht mehrere Hundert Zulieferer für ein Unternehmen zusammen. Man fängt natürlich nicht beim Lieferanten A an und arbeitet sich bis Z durch. In einem ersten Schritt analysiert man zunächst die Lieferanten nach Risiken und identifiziert dabei diejenigen mit dem höchsten Risiko. Das erfolgt unter anderem anhand folgender Fragestellungen: ? Kommt mein Lieferant aus der EU und ist er somit selbst verpflichtet, alle EU-Gesetze einzuhalten? Oder kommt er aus einer Region, in der zwar Gesetze existieren, die Umsetzung aber oft mangelhaft ist? ? Ist die Region, aus der der Lieferant kommt, bekannt für Verstöße gegen Themenbereiche der sozialen Verantwortung? ? Gehört der Lieferant zu meinen Hauptlieferanten? Würde es mich schmerzen, wenn er ausfällt? ? Sind die Produkte des Lieferanten einfach herzustellen, z. B. von ungelernten Kräften, oder ist eine Spezialisierung nötig? ? Sind die Produkte oder ist die Herstellung gefährlich? Diese und weitere Fragen sind hilfreich, um die Lieferanten von „Risiko hoch“ bis „Risiko niedrig“ zu klassifizieren. Sinnvollerweise kümmert man sich zunächst um die Lieferanten, die ein hohes Risiko darstellen. Gefahr der Manipulation Jedes noch so professionelle Audit lässt sich manipulieren, zumindest wird es immer wieder versucht: Fabrikmanager versuchen Auditoren zu bestechen, sie verstecken Kinderarbeiter oder verändern Dokumente usw. Gegen kriminelle Energie und Lügen ist man letztlich nicht gefeit, das zeigen Praxis-Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit genheit. Letztlich Letztlich fällt es doch irgendwann auf, auf wenn von unqualifizierten Arbeitern schadhafte Produkte gefertigt werden. Oder wenn die einheimischen Auditoren immer wieder das „Gemunkel“ in der Region hören, dass wieder ein Arbeiter tödlich verletzt wurde. Wenn Fabriken den Ruf haben, „unsicher zu sein“ oder wenn bekannt ist, dass Löhne immer zu spät bezahlt werden. Deswegen haben sich Intertek-Auditoren in Indien angewöhnt, bei ihren Fa- brik-Audits auch mal auf das Dach zu steigen. g Denn nicht selten kommt es vor, dass Kinderarbeiter auf den Fabrikdächern versteckt werden. Dennoch ist klar erkennbar, dass die Mehrzahl der Hersteller die Auditierung als notwendige Maßnahme begreift, um ihre Produkte verkaufen zu können. Deutliche Fortschritte Oft kommt die Frage auf, ob Audits wirklich etwas bewirken. Die Antwort ist ein klares Ja: Trotz schwarzer Schafe und unbemerkter Manipulationen bringen Audits insgesamt mehr Transparenz und Sicherheit in der eigenen Wertschöpfungskette und tragen dazu bei, das Arbeitsumfeld und den Lebensstandard in den Produktionsländern zu verbessern. Bereits ein Blick in die Wirtschaftsgeschichte zeigt uns, dass ehemalige Billiglohnländer wie Südkorea, Singapur oder Hong Kong sich weiter entwickelt haben. Südkoreas Pro-Kopf-Jahreseinkommen lag 1960 bei 500 Dollar, heute erreicht es 20.000 Dollar – wobei sich je nach Preisniveau solche Zahlen relativieren. Seit Anfang der 90-er Jahre entstanden weltweit 800 Millionen Arbeitsplätze, viele davon in Sweatshops. Gerade deswegen wird auch manchmal die These vertreten, es sei kontraproduktiv, in Sweatshops hergestellte Waren zu boykottieren. Zielsetzung muss es jedenfalls sein, die Arbeitsund Lebensbedingungen nachhaltig zu verbessern. < 27

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