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www.psi-network.de PSI Journal 8-9/2016 Waren es 2012 noch die Explosion der Frachtraten und die Verknappung der Kapazitäten, die den Importeuren zu schaffen machten, so sind es heute vor allem die langen Laufzeiten der Schiffe und der zunehmend schlechtere und unzuverlässige logistische Service, die sich auf das Importgeschäft auswirken. Niedrige Frachtraten mögen zwar für den Importeur prinzipiell zu den guten Nachrichten gehören, sie stehen allerdings für einen bedenklichen Zustand der Containerschifffahrt und einen unsicheren, krisenanfälligen Markt. Das derzeitige massive Ungleichgewicht zwischen Kapazität und Nachfrage hat einen Preiskampf unter den Reedereien ausgelöst und ist ein Unsicherheitsfaktor, der langfristige Planungen erheblich erschwert. FRACHTRATEN SCHWANKEN EXTREM Um die extremen Schwankungen der Transportkosten zu verdeutlichen, zunächst einige Zahlen: 2012 stiegen die Kosten für einen 20-Fuß-Standard-Container (TEU) von Asien nach Deutschland innerhalb eines halben Jahres von rund 800 Dollar auf bis zu 2.500 Dollar. Nach ständigem Auf und Ab lag der Preis für die gleiche Einheit Anfang 2015 bei noch rund 1.000 Dollar, Ende des Jahres nur noch bei rund der Hälfte, um dann Anfang 2016 weiter auf etwa 330 Dollar zu sinken. Bei Redaktionsschluss Ende Juli haben sich die Preise laut Shanghai Containerized Freight Index (SCFI) wieder spürbar verteuert und liegen nun bei rund 760 Dollar pro TEU. Morgen schon kann das wieder anders sein. Preisdifferenzen von über 20 Prozent innerhalb kürzester Zeit sind an der Tagesordnung. KRISENANFÄLLIGER MARKT Die Containerschifffahrt wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst. Sie ist einerseits stark abhängig vom Auf- und Abschwung der Weltwirtschaft, die das Frachtaufkommen (Nachfrage nach Tonnage) bestimmt, andererseits von der zur Verfügung stehenden Ladekapazität der Schiffe (Angebot an Tonnage). Insgesamt wird der Markt von einem komplizierten System voneinander abhängiger Faktoren gesteuert, aus dem sich die für Importeure wichtigen Parameter Frachtraten und Lauff zeiten ergeben. Kriselt die Wirtschaft und verringert sich dadurch das Gesamtfrachtaufkommen, fahren die Reedereien schon mal Verluste in Millionenhöhe ein. Zum Beispiel kostete die Wirtschaftskrise von 2008/2009 und deren Folgen die Reederei Maersk rund 500 Millionen Dollar im ersten Quartal 2010. SCHWACHE WELTWIRTSCHAFT Heute sei der Zustand der maritimen Wirtschaft noch bedenklicher als erwartet, unter Umständen sogar ernster als am Tieff punkt der Krise 2009, so werden Reeder und Experten in den Medien zitiert. Denn die wichtigsten auf den Seetransport einwirkenden Faktoren entwickeln sich nicht gerade zum Besseren, allen voran die globale Wirtschaftsleistung. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat wegen des Brexit-Votums seine Wachstumsprognosen für die Weltwirtschaft nochmals gesenkt. Für dieses Jahr werde nur noch ein globales Wachstum von 3,1 Prozent erwartet, teilte die Organisation mit. Bei der letzten Schätzung im April hatte der IWF noch mit 3,2 Prozent gerechnet. Die Prognose für 2017 wurde ebenfalls um 0,1 Prozentpunkte nach unten korrigiert und liegt nun bei 3,4 Prozent. Die Welthandelsorganisation WTO sieht den Welthandel mit großen Risiken belastet: Das Ende des Wachstumsbooms in China, die krisenanfälligen Märkte der Schwellenländer, Brasiliens und Russlands Wirtschaftsschwäche, aber auch die zunehmende Instabilität der Finanzmärkte sowie die anhaltend niedrigen Rohstoffpreise sind ernstzunehmende Wachstumshemmer. Auch wenn nach Prognosen des Bundesverbands Groß- und Außenhandel (BGA) die deutschen Exporte mit 4,5 Prozent stärker wachsen werden als der Welthandel, ist die weltweite Nachfrage nach Frachtraum (Tonnage) weiterhin auf einem sehr niedrigen Niveau. AKTUELL LEICHTER LICHTBLICK In letzter Zeit deutet sich allerdings ein leichter Lichtblick an: Laut RWI/ISL-Containerumschlag-Index zeigt die Tendenz des Welthandels leicht aufwärts. Der Containerumschlag-Index des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) und des Instituts für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL) ist im Juni auf 120 gestiegen von (revidiert) 118,9 im Mai. Der Wert für Mai wurde gegenüber der Schnellschätzung deutlich nach oben revidiert und auch für April gab es eine leichte Aufwärtsrevision. Damit stellt sich die Situation im Welthandel insgesamt günstiger dar als seinerzeit angenommen. Dies sollte allerdings nicht darüber hin- wegtäuschen, dass der Index derzeit in etwa das Niveau erreicht, das er bereits zur Jahreswende 2014/15 hatte. Die Schnellschätzung für Juni stützt sich auf Angaben von 33 Häfen, über die gut zwei Drittel des im Index abgebildeten Umschlags laufen, so die Meldung vom 20. Juli 2016. RIESIGES ÜBERANGEBOT AN TONNAGE Der immer noch sehr niedrigen Nachfrage steht ein enormes Überangebot an Tonnage gegenüber, sodass das Frachtauff kommen aus Sicht der Reedereien weit hinter den Kapazitäten zurückbleibt. Wie ist diese Situation entstanden? In den Jahren vor der Finanzkrise konnten Reede- 25

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