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12 FOKUS PSI Journal 4/2016 www.psi-network.de JUSTUS SCHNEIDEWIND Rechtsanwalt Justus Schneidewind war zunächst in zwei großen, überregional tätigen Insolvenzverwalter-Sozietäten tätig, bevor er 2002 seine eigene Kanzlei gründete. Die heutige Sozietät SchneidewindRechtsanwälte/Insolvenzverwaltung hat Büros in Potsdam, Berlin, Düren und Rostock. Schneidewind ist Fachanwalt für Insolvenzrecht und Steuerrecht sowie vereidigter Buchprüfer. Kunde seine Zahlungsziele überzieht und dass man gegen ihn erst vollstrecken muss, um an sein Geld zu kommen. Auch wenn man erfährt, dass selbst Krankenkassen und Finanzämter nicht mehr pünktlich bezahlt werden, bleiben kaum noch Zweifel. Gibt es weitere Anzeichen drohender Zahlungsunfähigkeit? Auch die Bitte um Gewährung einer Ratenzahlung für aufgelaufene Rückstände ist ein Indiz dafür. Lässt sich der Lieferant trotzdem auf Ratenzahlung ein, dann sollte er sich unbedingt versichern lassen, dass der Kunde bei Gewährung der Ratenzahlung auch in der Lage ist, allen Verbindlichkeiten nachzukommen. Die gute Nachricht: Hier ist eine Gesetzesänderung zugunsten des Händlers schon im parlamentarischen Verfahren. Wann sollte ein Lieferant nicht mehr liefern? Ein Unternehmen, das eindeutig insolvent ist – auch wenn der Unternehmer sich dies nicht selbst eingesteht – sollte keinesfalls mehr beliefert werden. Auch wenn ein Lieferant zuvor noch Zahlungserleichterungen gewährt, sollte er sich darüber im Klaren sein, dass bei einer Insolvenz der Insolvenzverwalter dem Lieferanten gegenüber Anfechtungsansprüche geltend machen wird. Wer seinem Kunden wirklich helfen will, der sollte schon bei den ersten Krisenindizien wie beispielsweise laufenden Zielüberschreitungen oder Pfändungen durch Dritte das Gespräch mit dem Kunden suchen und auf die Möglichkeiten hinweisen, die die Insolvenzverordnung bietet. Warum kann Insolvenz auch eine Chance sein? Wenn bei einer GmbH ein Insolvenzgrund vorliegt, dann kommt das Unternehmen um die Insolvenzanmeldung nicht herum. Es geschieht aber nicht selten, dass der Unternehmer anschließend mit einer neuen Gesellschaft die ehemals eigene Firma dem Insolvenzverwalter aus der Insolvenzmasse wieder abkaufen kann: Werkzeuge und Maschinen, Kundenstamm (soweit datenschutzrechtlich zulässig) kommen auf diese Weise wieder in seinen Besitz. Wir nennen dies „übertragene Sanierung“. Der Unternehmer muss allerdings den Kaufpreis aufbringen können oder einen Geldgeber dafür finden. Was leistet das Insolvenzplanverfahren? Das Insolvenzplanverfahren bietet sich als Alternative an. Es ähnelt dem Vergleichsverfahren, das wir von früher kennen. Letzteres kam kaum jemals erfolgreich zur Anwendung, weil sehr hohe Vergleichsquoten an die Gläubiger gezahlt werden mussten und die Zustimmung aller Gläubiger nötig war. Dies hat sich mit dem neuen Insolvenzrecht vollständig geändert. Wenn die Mehrheit dem Insolvenzplan zustimmt, können sogar „Störenfriede“ unter den Gläubigern noch überstimmt werden. Aber es gibt viele weitere Gestaltungsmöglichkeiten, insbesondere die Eigenverwaltung, wobei der Geschäftsführer weiter im Amt bleibt. Ist eine Entschuldung über das Insolvenzplanverfahren möglich? Das neue Insolvenzrecht bietet mit dem Insolvenzplanverfahren die Chance, sich in relativ kurzer Zeit zu entschulden. Die Entschuldung ist dem Einzelunternehmer aber auch ohne Planverfahren möglich, allerdings nur mit einer sechsjährigen „Wohlverhaltensperiode“. Während dieser Zeit bleibt ihm nur ein Einkommen in Höhe der gesetzlichen Pfändungsgrenze, für Alleinstehende ohne Unterhaltspflicht sind das rund 1000 Euro netto im Monat. Wie findet man einen Insolvenzverwalter, der wirklich versucht, die Firma zu erhalten? Das funktioniert oft nur über Mundpropaganda, auch Verbände wissen manchmal von erfolgreichen Sanierungen. Hierbei müssen ja keine Unternehmensnamen genannt werden. Wie so etwas gehen könnte, zeigt zurzeit der Baustoffhandel, der mit seinen Mitgliedern gerade ein Insolvenzverwalter-Netzwerk aufbaut. <

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