Get the FLASH PLAYER to view this magazine:
- or -
View as HTML version
52 Thinking the Future II IV
Die seltsamste Kunstmetropole Amerikas
In der abgelegenen texanischen Kleinstadt
Marfa verbindet sich Avantgardekunst
mit dem rauen Charme der Wüste Text: Christopher Bollen
Hollywood und die New Yorker Kunstszene haben diesen Ort
schon für sich entdeckt, aber wer während der Fahrt über
den US-Highway 90 mal kurz abgelenkt ist, wird wahrscheinlich
gar nicht merken, dass er gerade an der international wohl
bekanntesten amerikanischen Kleinstadt vorbeigefahren ist.
Marfa erstreckt sich auf einer Fläche von nur 4,1 Quadratkilometern,
hat 2200 Einwohner und eine einzige Ampel. Dennoch
ist der Ort schnell zum Inbegriff der texanischen Hochwüste
geworden. Künstler, Schriftsteller, Industriedesigner, reiche
53
Abenteurer mit Sinn für Schönes und selbst Ufo-Fans – sie alle
pilgern nach Marfa. Der Ort hat tatsächlich etwas Außerirdisches
an sich – zumindest abends, wenn sich die „Marfa mystery
lights“ zeigen, ein rätselhaftes Phänomen. An klaren Abenden
steigen ein paar Meilen außerhalb der Stadt nach der Dämmerung
kleine, bunte Kugeln in den Himmel. Dieses beeindruckende
Schauspiel vor dem Hintergrund der nahegelegenen Chinati
Mountains kann von einer offi ziellen Aussichtsplattform an einer
Autobahnraststätte beobachtet werden. Die etwas unheimlich
FOTO: JOSEPH WEST/ART JUDD FOUNDATION. LICENSED BY VAGA, NY/VG BILD-KUNST, BONN 2010