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40 Sights and Scenes
3.
Schweinefleisch mal nicht süßsauer
Peter Zhou ist Küchenchef des renommierten
Hyatt-Hotels am Bund in Schanghai – und einer
der wenigen Chinesen, die im Reich der Mitte
das Sagen in einer internationalen Küche haben
Text: Jen Lin Liu
Arbeitsplatz mit
atemberaubender
Aussicht
Peter Zhou ist für
die Küche des
Hyatt am Bund in
Schanghai verantwortlich
– mit Blick
auf den Finanzdis
trikt Pudong und
den Pearl Tower.
Peter Zhou ist nicht nur Küchenchef im
Hyatt-Hotel am Bund, Schanghais
prachtvoller Uferpromenade, sondern hat
auch in seiner Funktion als Manager
mehr als genug zu tun. Daher steht er
mittlerweile nur noch selten selbst am
Herd. Doch er hat darauf bestanden, für
ein paar Besucher aus Peking ein komplettes
Vier-Gänge-Menü selbst zuzubereiten.
Er bestreicht gerade Filoteig mit
FOTOS: CRAIG SIMONS (4)
Butter. Als Belag hat er Mousse und
Lachsfi let vorbereitet.
„Wenn ich etwas angefangen habe,
muss ich es auch zu Ende bringen. Ich
mache lieber alles selbst, als hinterher
meinen Mitarbeitern die Schuld zu geben,
dass sie es vermasselt haben“, lacht
Zhou und scheucht seine neugierigen
Gäste aus der off enen Küche des Vue,
des Flaggschiff s unter den Restaurants
des Hyatt. Eine Stunde später taucht
der bebrillte Küchenchef mit Schweißperlen
an den Schläfen wieder auf, um ein
feurig glühendes Dessert zu präsentieren:
mit Tequila fl ambierte Ananas.
Luxushotels sind in den vergangenen
zehn Jahren überall in China wie Pilze
aus dem Boden geschossen, doch Zhou
ist einer der wenigen chinesischen
Küchenchefs, die in einem internationalen
Fünf-Sterne-Hotel in ihrem Heimatland
den gesamten Küchenbetrieb unter sich
haben. Eine rare Kombination aus Perfektionismus,
Ausbildung in Übersee und
traditioneller chinesischer Kochkunst
haben den 42-Jährigen, der einen australischen
Pass besitzt, in den kulinarischen
Olymp Chinas aufsteigen lassen.
Zhou wurde in Suzhou geboren. Das
„Venedig des Ostens“ liegt ganz in der
Nähe von Schanghai, wo der Meisterkoch
aufwuchs. Mit 19 Jahren ging er nach
Melbourne und arbeitete dort zunächst in
einer Knopff abrik. Danach hatte er seinen
ersten Job als Küchenhilfe in einem italieni
schen Restaurant. Die Köche ermutig -
ten ihn, auf die Kochschule zu gehen. Er
schrieb sich an einem College ein – wo
er der einzige Student aus Asien war. Auf
dem Lehrplan stand vorwiegend europäische
Küche. Der einzige Asiate zu sein,
hatte auch Vorteile: Seine Lehrer baten
ihn, die Klasse hin und wieder mit seiner
asiatischen Küche zu verwöhnen.
Als das Hyatt ihm 2002 eine Stelle in
seiner Heimat anbot, erkannte Zhou
die Chance. „Ich konnte meinen chinesischen
Hintergrund und meine Kenntnisse
in der internationalen Küche miteinander
kombinieren“, sagt er. Im Hyatt
Regency in Hangzhou, einem beliebten
Ferienort, entwickelte Zhou die Neuinterpretation
einer Spezialität aus Schanghai:
gebratenes Schweinefl eisch in
Edles Interieur
Das Vue präsentiert
sich in warmen
Holztönen und sti lvollem
Ambiente.
Peter Zhous Reich
Das Vue ist das
Toprestaurant
des Hyatt-Hotels
am Bund.
Tradition
Am Bund, Schanghais
legendärer Uferpromenade,
erinnert vieles
an die erste Blütezeit
der Stadt – und
sei es eine alte Pfeife.
dünnen, pyramidenartig aufgeschichteten
Scheiben. Dazu werden Maronenpfannkuchen
gereicht. Die Gastronomiekritiker
überschlugen sich vor Begeisterung.
„Für die Pfannkuchen habe ich mich von
indischem Naanbrot inspirieren lassen“,
sagt er. Das hat er in den multikulturellen
Küchen Melbournes gelernt. In Schanghai
hat Peter Zhou immer wieder mit
Gaggenau zusammengearbeitet. Mithilfe
der Gaggenau Geräte gelingen ihm
perfekte Gerichte wie sein Lachsstrudel
mit Champagnercreme-Sauce. „Alles
gart damit so wunderbar gleichmäßig.“
Bei seiner Rückkehr nach China
musste sich Zhou daran gewöhnen, mit
einem ganzen Heer von Köchen zusammenzuarbeiten.
Im Hyatt am Bund hat er
150 Köche unter sich, andernorts waren
es bis zu 300. Ein Riesenunterschied zu
den 30 Köchen, mit denen er in Austra lien
zu tun gehabt hatte. „Eine der größten
Herausforderungen war, wie ich mit so
vielen Mitarbeitern umgehen sollte“, sagt
er. „Doch ich sehe das große Team
auch als Chance. So lassen sich viel raffi -
niertere Gerichte zubereiten. Wir machen
nichts im Schnellverfahren.“
Letztendlich geht es aber nicht darum,
ob ein Koch aus China oder aus
dem Westen stammt, fügt Zhou hinzu.
„Den Gästen ist es egal, ob der Koch
chinesisch oder europäisch aussieht oder
ob er groß oder klein ist. Sie kommen
schließlich zum Essen und beurteilen ihn
danach, ob es ihnen schmeckt.“
www.shanghai.bund.hyatt.com