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VISIONEN Vielleicht machen unsere Kinder uns sehr stolz. Vielleicht haben wir auch tolle Freunde. Oder sogar alles zusammen. Trotzdem glauben wir, es gäbe da noch andere Optionen. Wir glauben, wir brauchten noch etwas anderes, besseres. Wir wollen mehr. Vielleicht geht es uns manchmal wie jener Frau, die Blumen wollte und deshalb Rosen, Veilchen, Nelken und Krokusse in den Müll warf. Schließlich wollte sie nicht Rosen, sondern Blumen. Nicht Veilchen, sondern Blumen. Nicht Nelken, sondern Blumen. Nicht Krokusse, sondern Blumen. Seien wir ehrlich: So wie jene Frau den einzig sicheren Weg wählte, um gerade nicht zu bekommen, was sie wollte – Blumen –, so wählen auch wir manchmal mit erstaunlicher Geschicklichkeit Wege, die gerade nicht zu dem führen, was wir wollen. Ein wichtiger Grund, weshalb Perfektion im Leben der Bewohner einer hyperkomplexen 20 QUERDENKER PERFEKT »Der Vergleich ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit.« Welt eine so große Rolle spielt, sind die Anderen. Die Anderen sind die Menschen, die einem zwar nicht in jedem Fall etwas bringen, die einem aber trotzdem nicht egal sind. Weil sie einen oder mehrere Bereiche mit einem selbst gemeinsam haben: den Job, das Einkommen, die Anzahl der Kinder, das Alter, die Attraktivität oder die Intelligenz. Es sind Freunde, Bekannte, Kollegen, mit denen man sich in der einen oder anderen Weise identifizieren kann. Die Anderen sind die treibende Kraft bei der Jagd nach Perfektion. Denn sie sind die einzigen verlässlichen Maßstäbe inmitten der ganzen Hyperkomplexität. Das ist auch der Grund, warum wir es so wichtig finden, uns mit den Anderen zu vergleichen. Aber, wie schon Sören Kierkegaard erkannte: „Der Vergleich ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit.“ Nicht genug damit, dass man ständig den Vergleich mit den Anderen sucht (und dabei immer unzufriedener wird): Einerseits will man sie wenigstens in einem Bereich ein bisschen übertrumpfen. Andererseits will man ihre Anerkennung. Ehrliche Anerkennung von den Anderen aber wird man nur dann erhalten, wenn sie einen Grund dafür haben. Und dieser Grund ist nur dann gegeben, wenn einen die Anderen – in anderen Bereichen – ebenfalls übertrumpft haben. In allen anderen Fällen erstickt der Neid die Anerkennung. Das eigentliche Problem ist aber nicht das ausbleibende „Gefällt mir!“ der Anderen. Das Problem sind weder unsere Nasolabialfalten noch unsere überteuerte Flatrate. Sondern das Warten auf etwas Großartiges: ein Sehnen nach Mehr. Es ist der Wunsch nach mehr Sinn, der hinter der Jagd nach Per- FOTOLIA, FOTOGRAF: NAILIA SCHWARZ

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