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Gebannt starren wir auf starke Szenen, auf wackelige
Videos von verstörten Menschen, unter Schock,
starr, verwirrt – Menschen, die aus dem Alltag gerissen,
aus ihrem Leben geworfen wurden. Bei uns,
den Zuschauern, entwickeln sich eigene Angstszenarien,
macht sich eine Ahnung breit, die sich
kaum abschütteln lässt. Die Bilder beschäftigen
uns im Schlaf, im Büro, im vertrauten Gespräch: So
etwas könnte mir, könnte uns auch passieren.
Seit Tschernobyl wissen wir davon: Wir leben in einer
Risikogesellschaft. Damals, vor 25 Jahren, hatten
wir es zum ersten Mal mit einem GAU zu tun
und verhielten uns – angesichts einer unsichtbaren
Bedrohung – wie Kinder. Wir wussten kaum etwas
von Radioaktivität. Heute sind wir alle mehr oder
weniger Experten, kennen uns aus mit Tsunamis,
halten Ölkatastrophen für denkbar, haben eine Idee
von Kernschmelze – und zunehmend formulieren
wir auch unsere Ansprüche: Was wir von Politikern
und Verantwortlichen in solchen Situationen erwarten,
das scheint uns ziemlich klar.
Die großen Risiken unserer Welt sind nicht mehr vor
allem solche, die von der Natur gemacht wurden,
sondern andere, neue – solche nämlich, die erst
durch die gesellschaftliche Aneignung von Natur
möglich sind, durch Ölbohrungen etwa, durch
Atomkraftwerke, durch Monokulturen im großen
Stil. Sie zeigen uns vor allem eines: Risiken erfordern
Verpfl ichtungen.
VERANTWORTUNG
ALS VERPFLICHTUNG
Eine Welt ohne Risiken könnte möglicherweise
ohne Verpfl ichtungen, ohne Verantwortung auskommen.
Wir aber benötigen etwas anderes: Unsere
Welt, eine Welt voller Risiken, erfordert eine
Haltung von Ingenieuren, Managern und Politikern,
die nicht dem technisch Machbaren verpfl ichtet ist,
sondern eine Haltung von Verantwortung.
Verantwortung heißt zunächst sicher: fähig sein,
angemessene Antworten zu geben. Angemessen
heißt: Antworten, die uns als Menschen würdig
sind und unserer Welt als unserem Lebensraum
gerecht werden. Was erleben wir aber angesichts
der Technikverliebtheit weltweit? Wir erleben, dass
„Sachen“ (Geld, Profi t, Aktien) Vorrang haben vor
Menschen (und vor Tieren, Natur, Lebensräumen).
Verantwortung heißt auch, die generelle Einschätzung
von Risiken immer wieder auf den Prüfstand
zu stellen und zu justieren. Denn das unterscheidet
Risiko von existenzieller Gefahr: Angesichts von
Gefahren müssen wir refl exhaft handeln.
BEWUSSTHEIT
STATT MACHEN
Angesichts von Risiken sind Refl exe komplett unsinnig.
Risiken wollen wahrgenommen werden – und
wenn wir sie wahrnehmen, dann kommt zunächst
möglicherweise die Angst, aber dann auch zugleich
der Spielraum: Spielraum für neue Entscheidungen,