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KÖNNER
Gerade wenn es um Zinsen geht, achten viele sehr darauf, den höchsten
Prozentsatz zu bekommen. Schon ein halbes Prozent kann ausschlaggebend
sein. Ist das nicht irrelevant?
Nein, auch bei uns nicht, und dennoch steht bei unseren Kunden die Sinnhaftigkeit
der Geldanlage an erster Stelle. Wir bewegen uns mit unseren Zinssätzen
im Marktdurchschnitt und locken Kunden nicht über die höchsten Konditionen.
Würden Sie sich selber als Bio-Bank bezeichnen?
Das wäre zu einseitig, denn unser Verständnis von Nachhaltigkeit beinhaltet,
dass wir mehrere Bereiche miteinander verbinden. Neben der ökologischen
spielt die soziale Dimension in unserer Arbeit eine zentrale Rolle, denn wir arbeiten
nach dem Leitsatz „Geld ist für den Menschen da“. Insofern bieten wir
unseren Kunden einen dreifachen Gewinn: menschlich, zukunftsweisend und
ökonomisch.
Einerseits wollen wir Bio, andererseits sind wir nicht bereit, dafür mehr
Geld auszugeben. Haben wir hier ein verkehrtes Werteverständnis?
Ja! Wir befinden uns in einer Bedürfnisschizophrenie. Wir haben einerseits ein
riesiges Bedürfnis nach einer intakten Natur und Natürlichkeit, andererseits
erwarten wir z. B. für Lebensmittel einen möglichst niedrigen Preis, ohne darüber
nachzudenken, wie dieser erzielt werden kann. Andererseits gehen immer
mehr Menschen mit diesen Widersprüchen bewusst um.
Wie entstehen bei Ihnen Innovationen? Was tun Sie, um Dinge neu zu
entwickeln?
Wir fragen uns laufend, wie sich die Bedürfnisse der Kunden und der Gesellschaft
entwickeln. Bei jeder Angebotsentwicklung fragen wir uns aber immer
wieder, was denn tatsächlich Sinn macht, und betrachten alles unter den Aspekten
Menschlichkeit, Zukunftsfähigkeit und Ökonomie. Aus dieser Wahrnehmung
heraus entwickeln wir dann konkrete Angebote.
Inwieweit beziehen Sie denn die Kunden bei diesen Entwicklungen ein?
So weit wie möglich! Ein Beispiel ist der Bio-Bodenfonds: Ein Landwirt wollte
Land kaufen, um es ökologisch zu bewirtschaften, konnte es aber aufgrund
der spekulativ in die Höhe getriebenen Preise nicht. Daher haben wir einen
Fonds aufgelegt, der landwirtschaftliche Flächen kauft und zur ökologischen
Bewirtschaftung verpachtet. Der Fonds ist ein großer Erfolg und ein gutes
Beispiel, wie ein Angebot aus einem Bedarf heraus entwickelt wurde. So etwas
entsteht gemeinsam.
Haben Sie dafür auch externe oder interne Think-Tanks?
Wir arbeiten derzeit daran, wie wir solche Dinge noch besser organisieren
können. Bisher richten wir das u.a. an unseren Kundenberatern aus, über die
uns viele Vorschläge von Kunden erreichen. Der Vorstand ist natürlich auch
stark involviert.
Was würden Sie Ihrer Konkurrenz empfehlen?
Ich rate ihnen, die Veränderung der Kundenbedürfnisse ernst zu nehmen. Der
Kunde von morgen will sich nicht mehr nur auf ein einziges Bedürfnis festlegen.
Das wird es, zumindest in Europa, in zehn Jahren nicht mehr geben. Wer
darauf nicht eingeht, wird langfristig verlieren!
48 QUERDENKER WERTVOLL
Was fällt Ihnen auf, wenn Sie Ihre Kunden
beobachten?
Dass sich vieles wandelt. In den 80er und
90er Jahren gab es das Bedürfnis, etwas zu
verändern. Damals waren die Leute aber noch
viel vorsichtiger. Das hat sich deutlich geändert,
es geht nicht mehr um Verzicht, sondern die Menschen
entdecken, wie sie ihre Bedürfnisse verbinden
können.
Und wenn ein Querdenker um einen Kredit bei
Ihnen bittet?
Eine verrückte Idee allein reicht nicht. Interessant wird es, wenn es um
die Umsetzung der Idee geht, also ob und wo Bedarf besteht. Die Idee soll ja
nicht mit Spenden entwickelt werden, sondern wir suchen eine bestimmte
Form der Finanzierung. Aber die Frage bleibt immer, welches sinnvolle Ziel
man hat.
Was raten Sie einem Existenzgründer?
Mein Tipp ist, sich immer zu fragen: Was ist meine Kernkompetenz? Denn es
geht nicht nur darum, sich ausschließlich nach dem Bedarf zu richten. Die
zweite Frage sollte immer lauten: Wie kann ich mit meiner Kernkompetenz
Innovationen erschließen? Wenn man beide Fragen beantworten kann, ist
eine Existenzgründung ratsam. Wichtig ist, dass man sich seiner Kernkompetenz
bewusst ist und sich fragt, wie man sie für andere nutzbar machen kann.