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VISIONEN
dem Laptop ins Bett, meditieren, beschränken
uns auf Bio-Produkte, vergleichen unaufhörlich
die Preise. Irgendwann glauben wir,
das Perfekte irgendwie verfehlt zu haben.
Könnte es sein, dass es Optionen gab, die
wir übersehen haben? Wir fangen an zu warten.
Wir warten, dass sich uns eine nie da
gewesene – die optimale – Option eröffnet.
Dass irgendetwas Großartiges passiert. Einfach
so. Nebenbei. Als Lohn für unsere Anstrengungen
im Kampf um die Perfektion.
Wir warten darauf, endlich zu verstehen, warum
wir uns so anstrengen.
Es ist ganz natürlich, dass wir irgendwann an
diesen Punkt kommen. Machen wir uns klar,
in welcher Welt wir leben. Diese Welt ist bis
zur Unübersichtlichkeit komplex – hyperkomplex.
In dieser Welt sind die Optionen, wie
wir unser Leben gestalten können, potenziell
unendlich. Wir können faul, fleißig oder sehr
fleißig sein. Wir können Gucci oder Zalando
lieben. Mit einer guten Ausbildung können
wir Key Account Manager werden oder
Hartz-IV-Empfänger. Wir können heiraten,
Kinder kriegen oder Karriere machen oder
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QUERDENKER PERFEKT
Dr. Rebekka Reinhard promovierte über
amerikanische und französische Gegenwartsphilosophie.
Heute ist sie als Autorin
und philosophische Beraterin in eigener
Praxis tätig. Sie arbeitet außerdem im
klinischen Bereich und als Referentin, unter
anderem in der ärztlichen Fortbildung und
mit Führungskräften von Unternehmen. Ihr
erstes Buch „Die Sinn-Diät. Warum wir
schon alles haben, was wir brauchen –
philosophische Rezepte für ein erfülltes
Leben“ war bereits ein Spiegel-Bestseller.
alles zusammen. Dazwischen liegen jeweils
zahlreiche Optionen, die wir ergreifen können
oder nicht. Eine Option reiht sich an die andere.
Hinter jeder Option lauert eine nächste.
Der moderne Mensch, dem alles offensteht,
hat die erstaunliche Gabe, aus einem viel versprechenden
Leben ein sinnloses Leben zu
machen.
Wir kommt es dazu? Ganz einfach. Je älter wir
werden, desto mehr verlieren wir die Fähigkeit
zu staunen. Wir glauben, die Menschen, Dinge
und Sachverhalte zu kennen und nehmen
sie deshalb für selbstverständlich – selbstverständlich
gut, selbstverständlich schlecht.
Aber je selbstverständlicher uns alles wird,
desto unzufriedener werden wir. Und je unzufriedener
wir werden, desto unmäßiger wird
unser Anspruch auf Perfektion. Uns wird klar,
dass dieser Anspruch nicht das erfüllt, was
wir uns von ihm versprechen. Wir beginnen
zu glauben, dass uns etwas fehlt. Warum? Alles
in allem kommen wir in unserem Leben
doch gut voran. Vielleicht ist unser Job interessant
und nicht schlecht bezahlt. Vielleicht
ist unser Ehepartner attraktiv und liebevoll.
FOTOLIA, FOTOGRAF: NAILIA SCHWARZ