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MEISSEN artCAMPUS

geraDe in einer Phase Des gesellsChaftliChen UMBrUChs stellen siCh fragen naCh Der eigenen iDentität UnD zUgehörigkeit, Da ein enDe Der entWiCklUng noCh UnaBsehBar ist UnD Das inDiViDUUM siCh neU Positionieren MUss. this is Bringing raPiD Changes With UntolD oPPortUnities sPeCifiCally for Chinese soCiety. it CoMes as no sUrPrise, therefore, that MUltifarioUsness has BeCoMe a gUi- Ding notion Where Both Design anD sUBjeCt-Matter are ConCerneD. DER BLICK INS INNERE – zeitgenössische Kunst in China China, das Reich der Mitte, so die wörtliche Übersetzung, befindet sich gegenwärtig wie kaum ein anderes Land im Fokus der internationalen Interessen und Beobachtungen. Vor allem wirtschaftlich hat China in den vergangenen 30 Jahren dank der Reformpolitik Deng xiaopings aufgeholt und ist heute zu einer der Supermächte dieser Welt aufgestiegen. Mit der schrittweisen öffnung der Politik und der Wirtschaft wurde auch die kulturelle Seite Chinas peu à peu der westlichen Welt vertraut. Insbesondere die zeitgenössische chinesische Kunst zählt heute zu den spannendsten Themen des weltweiten Kulturgeschehens. In ihrer inzwischen fast 30-jährigen Geschichte entwickelte sie sich vom exotischen Geheimtipp einzelner westlicher Kunstsammler hin zum prominenten Exempel des neuen, erfolgreichen China mit spektakulären Auktionsergebnissen auf dem internationalen Kunstparkett. Von einer Zeit der erstmaligen Wiedereröffnung des gesamten Kulturraumes Chinas Ende der 1970er Jahre bis zu einer Zeit, in der die Globalisierung immer mehr voran- schreitet und den chinesischen Künstlern dadurch die Partizipationsmöglichkeit am internationalen Kunstbetrieb ermöglicht, haben sich die Rahmenbedingungen des kreativen Schaffens nachhaltig verändert. Dies beeinflusste zweifelsohne auch Themen und Standpunkte der künstlerischen Kosmen. Die 1980er Jahre waren gekennzeichnet durch das Ende einer einheitlichen, politisierten Kunst und der erstmaligen Begegnung chinesischer Künstler mit westlicher Kunst. Die Beschäftigung mit unbekannten westlichen Stilen führte zur experimentellen Nachahmung und Weiterbildung der eigenen Bildsprache sowie zu einer Verlagerung hin zum Konzeptionellen. Inhaltlich standen neben einer vorsichtig kritischen Auseinandersetzung mit der Kulturrevolution vor allem nicht politische Themen im Fokus. Die zweite Dekade begann mit den gewaltsamen Ereignissen des 4. Juli 1989 auf dem Tian’anmen Platz, welche die gesamte Gesellschaft, insbesondere aber die junge Künstlergeneration in einen Schockzustand versetzte. Hoffnungen auf mehr Freiheit und demokratische Reformen wurden im Keim erstickt und führten zu Resignation und Gleichgültigkeit. Dies bot den Nährboden für den Zynischen Realismus, welcher in realistischer Manier die Sinnlosigkeit des eigenen Daseins im Konflikt mit der Obrigkeit thematisiert. Eine weitere wichtige Entwicklung der 1990er Jahre war das Aufkommen eines Kunstmarkts in China. Angetrieben durch Kaufinteressen einzelner westlicher Mäzene bildete sich schrittweise ein Absatzmarkt heraus, der den Grundstein legte für die internationale Anerkennung der zeitgenössischen chinesischen Kunst. Das noch junge 21. Jahrhundert ist geprägt durch eine fortschreitende Globalisierung. Dies bedeutet gerade für die chinesische Gesellschaft rasante Veränderungen mit ungeahnten Möglichkeiten. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die Mannigfaltigkeit als vorherrschender Leitgedanke sowohl im gestalterischen als auch im thematischen Bereich im Raum steht. Der Anschluss an die internationale Kunstszene ermöglicht heute Künstlern aus China, am weltweiten Kunstgeschehen teilzunehmen. Dennoch ist es der Blick zurück ins Innere, welcher der aktuellen chinesischen Kunst Spannung und Aktualität verleiht. Denn gerade in einer Phase des gesellschaftlichen Umbruchs stellen sich Fragen nach der eigenen Identität und Zugehörigkeit, da ein Ende der Entwicklung noch unabsehbar ist und das Individuum sich neu positionieren muss. Die 1957 geborene Xiao Hui Wang ist ein Paradebeispiel einer chinesischen Künstlerin, die interkulturell arbeitet. Aufgewachsen in China, lebt und arbeitet sie abwechselnd in München und Shanghai. In ihrer Arbeit thematisiert sie die Weiblichkeit und das Selbstverständnis der Frau. Dank ihres persönlichen Erlebens der westlichen und östlichen Kultur besitzt sie die nötige Distanz und Erfahrung, um einen unverhohlenen Blick auf die veränderte Rolle der chinesischen Frau in der modernen Gesellschaft zu werfen. Eine Konfrontation unterschiedlicher Werte ist ferner Gegenstand im Œuvre des Künstlers Ma Jun. Der 1974 in China geborene Künstler stellt moderne Konsumgüter in Porzellan nach und bemalt diese in traditionell chinesischer Manier. Die Kombination der Formen moderner westlicher Produkte mit der traditionellen chinesischen Herstellungstechnik lässt hybride Objekte entstehen. Das scheinbar industriell angefertigte Gut erfährt durch Ma Jun eine Wertsteigerung und wird zum Kunstwerk erhoben. Dadurch verdeutlicht der Künstler den Wertewandel der modernen Zeit und vergegenwärtigt auch den kulturellen Konflikt zwischen Tradition und Moderne im heutigen China. Die 1975 geborene Künstlerin Huang Min widmet sich in ihrer Arbeit dem Studium einzelner Menschen oder Menschengruppen, bevorzugt eingebettet in einer traditionell chinesischen Tuschlandschaft. Dadurch verleiht sie ihrer Malerei eine historische Dimension, welche auf die gesellschaftlichen Entwicklungen und Veränderungen hindeutet. Huang Min interessiert sich für die subtile Veränderung in der Gesellschaft, die sich in alltäglichen Situationen offenbart. Sie thematisiert den drohenden Verlust der Identität in einer Zeit des Umbruchs und trifft damit auch in China den Zeitgeist. Alle drei Künstler verzichten auf große politische Gesten und verbleiben thematisch im privaten Raum, um auf gesellschaftliche Veränderungen hinzudeuten. Das kritische Auseinandersetzen mit der eigenen Situation – der Blick ins Innere – sowie das Festhalten an der Tradition, ohne die Gegenwart aus den Augen zu verlieren, könnte den Menschen in wechselhaften Zeiten ein wichtiger Bezugspunkt sein. Dan Xu, M.A. zurzeit Doktorandin an der Friedrich-Wilhelm-Universität Bonn LOOKING WITHIN – contemporary art in China China – the Middle Kingdom as the Chinese call themselves – is currently in the focus of inter national interest and attention like no other country. The reform policies ushered in by Deng xiaoping have seen China gain ground over the past 30 years, economically in the first instance, to the point that she is now a global superpower. As politics and the economy have gradually opened up, cultural in China has likewise become more familiar to the West. Contemporary Chinese art, for example, is now one of the most exciting sources of cultural activity anywhere in the world. Almost 30 years ago it was the idiosyncratic preserve of a few western art collectors, but it is now striking evidence of the successful new China and has been doing spectacularly well at international art auctions. The general conditions for creative output have altered radically in the period since China’s overall cultural landscape again became accessible in the late 1970s and the age of galloping globalisation, a phenomenon that is conducive to Chinese artists participating in international art dealings. This has undoubtedly also had an impact on their themes and outlooks. The 1980s were marked by the end of uniform politicised art and by the first encounter with western art by Chinese artists. Exposure to unfamiliar western styles spawned a wave of experimental imitation and refinement of domestic pictorial terminologies as well as causing a shift towards conceptualism. Apart from a cautiously critical appraisal of the Cultural Revolution, work was primarily focused on non-political topics. The second decade began with the violent events of 4 July 1989 on Tiananmen Square, which reduced the country as a whole and the up-and-coming generation of artists in particular to a state of shock. Hopes for greater freedom and democratic reform were dashed, giving way to resignation and indifference. This provided fertile ground for a Cynical Realism that realistically addresses the pointlessness of the individual’s existence in the face of authority. A further momentous development in the 1990s was the emergence of an art market in China. Pump-primed by the purchasing interests of a few western patrons, a market took shape bit by bit that laid the foundations for international recognition of contemporary Chinese art. Globalisation continues to proceed apace in the early 21st century. This is bringing rapid changes with untold opportunities specifically for Chinese society. It comes as no surprise, therefore, that multifariousness has become a guiding notion where both design and subject-matter are concerned. Linking up with the international art scene is enabling today’s artists from China to be in on world art trends. The stance adopted is nevertheless one of looking within once again, and it is this that makes recent Chinese art so exciting and fresh. It is precisely on account of the social upheaval taking place - with no end of the process in sight and the individual forced to reposition themself - that issues of personal identity and affiliation are coming to the fore. xiao Hui Wang, who was born in 1957, is a prime example of a Chinese artist who works interculturally. She grew up in China and is now a multimedia artist whose life and work alternates between Munich and Shanghai. Her work has a predilection for focusing on femininity and a woman’s self-perception. The experience she has had of both western and eastern cultures gives her the necessary detachment to cast a frank glance at the altered role of Chinese women in modern society. The clash of differing values likewise features in the artistic œuvre of Ma Jun. Born in China in 1974, he recreates modern consumer goods in porcelain and paints these in a traditional Chinese manner. Marrying the forms of modern western products to a traditional Chinese manufacturing technique gives rise to objects of a hybrid nature. Goods that appear to have been industrially produced are raised in value by Ma Jun and acquire the status of works of art. The artist effectively points up the way values have changed in the modern age whilst also documenting the cultural conflict between tradition and modernity in present-day China. The artist Huang Min was born in 1975 and devotes herself to the study of individuals or groups of people in her work, usually ensconced in traditionally Chinese pen-and-ink landscapes. Her painting acquires an historical dimension that sheds light on social developments and changes. Huang Min is interested in subtle changes in society of the sort that manifest themselves in every-day situations. She addresses the threatened loss of identity at a time of upheaval in this way whilst also echoing the spirit that prevails in China. All three artists eschew up-front political gestures and keep to private subjects as a means of tacitly dealing with social change. Critical appraisal of one’s own situation - the act of looking within - coupled with a desire to uphold tradition without losing sight of the present may well be vital points of reference for people in changing times. Dan Xu, M.A. doctoral candidate at the Friedrich Wilhelm University, Bonn. XIAO HUI WANG Erotic Fruit, 2010 47 x 40 x 40 cm Meissener Porzellan ® XIAO HUI WANG Erotic Fruit, 2010 47 x 40 x 40 cm Meissen Porcelain 096 | 097

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