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Gate 66
Metro Volker Schlöndorf wohnt in der Nähe von Babelsberg
„Kalifornien ist das jedenfalls nicht.“
Fritz Lang drehte hier Metropolis, Marlene
Dietrich kam als „Der blaue Engel“
zu Weltruhm. Dirk Krampitz sprach mit
dem Regisseur Volker Schlöndorf (72),
der die alten Defa-Studios in Babelsberg
als Ort für die Filmproduktion
gerettet hat.
Warum sind Sie als einer der ersten nach Brandenburg
„rausgezogen“?
Volker Schlöndorf: Ich habe das Engagement
für den Filmstandort Berlin-Brandenburg ernst
gemeint. Ich wollte hierher, weil die Mauer
gefallen war. Meine Tochter war drei Monate,
als wir umzogen. Heute ist sie 20. Brandenburg
galt damals noch als Dunkelland. Jahrelang lebte
ich in meinem Haus quasi zwischen Mauer und
Müllkippe. Heute ist es eine Idylle.
hilft Lachen. Und so hat sich tatsächlich ein Brite bis nach Brandenburg
verirrt. In seinem Roman „Ossi forever“ erzählt der ehemalige Tagesspiegel-Kolumnist
und Times-Korrespondent Roger Boyes von den Irrungen
und Wirrungen eines Engländers in der Brandenburger Provinz (siehe
Interview). Doch Roger Boyes ist wahrlich nicht der einzige Prominente,
der sich mit Brandenburg beschäftigt.
Schauspieler Matthias Schweighöfer möchte, dass seine Tochter Greta
mit der Natur aufwächst und auch Schauspielerin Fritzi Haberlandt fühlt
sich im Umland wohl. Moderator Dieter Moor hat bereits vor ein paar
Jahren eine ökologische Landwirtschaft in der Nähe von Hirschfelde gegründet.
In seinem Buch „Was wir nicht haben, brauchen Sie nicht“ preist
der prominente Neu-Brandenburger die Vorzüge des Landlebens. Brandenburg
ist also nicht öde, sondern öko. Stimmt also doch, was schon
Theodor Fontane gedichtet hat? „Alles ist Friede; die ganze Welt ein Idyll.“
Können Sie sich noch erinnern, was die Banker
sagten, als sie mit ihnen hierher fuhren?
Volker Schlöndorf: Der erste Banker sagte nur
trocken: „Kalifornien ist das nicht“. Die Straßen
waren düster und hatten Schlaglöcher, so groß,
dass ein Trabant darin verschwinden konnte. Wir
Filmemacher haben damals den Traum gesehen,
die Banker nur die Fakten. Billy Wilder hat
mich darin bestärkt: Er sagte: Das stimmt nicht,
dass es das nur einmal gibt. Es kommt wieder!
Er hat ja in Babelsberg auch die ersten Schritte
gemacht. Es war für ihn ein wichtiger Ort.
Welches Verhältnis hatten Sie als gebürtiger
Hesse zu Babelsberg?
Volker Schlöndorf: Damals in der Cinémathèque
française in Paris habe ich alle Filme
gesehen, die in Babelsberg während der Stummfilmzeit
gedreht wurden und einige spätere auch.
Und in den Siebzigern wollte ich dort schon mal
einen Film drehen: „Der Fangschuss“. Aber genau
wie „Die Blechtrommel“ durfte ich das nicht,
weil das Drehbuch den Betonköpfen im Zentralkommittee
nicht konform genug war. Schade,
denn zum einen hätten wir dort günstiger drehen
können und zum anderen hatten die Orte
an der Ost-Ostsee genau die Patina, die wir
brauchten. So drehten wir in Jugoslawien.
Wie ernst war die Lage für das Studio nach der
Wende?
Volker Schlöndorf: Wenn es nach West-Berlin
gegangen wäre, hätte man es platt gemacht,
da herrschte Einigkeit. Und auch die Filmstudios
in Bayern und NRW wollten keine Konkurrenz
in Berlin. Sie haben mit allen Mitteln dagegen
gehalten. Der Wind blies uns voll entgegen.
Wie kam die Wende zum Erfolg?
Volker Schlöndorf: Das ist wie bei einem Restaurant:
Die ersten beiden Wirte müssen pleite
machen, damit der Dritte erfolgreich ist. Auf
einmal war Berlin-Brandenburg sexy. Man hat
es auch nicht mehr als „im Dunkelland liegend“
empfunden. Außerdem gab es die deutschen
Filmfonds zur Finanzierung, und zum Dritten
waren auch die Konkurrenten im Osten, Prag und
Budapest, sehr nachgezogen, was die Preise angeht.
Aber bei uns war alles renoviert und State
of the Art und in den Oststudios nicht. Das hat
es zum Kippen gebracht. Und nun brummt es.
Wie stehen Sie heute zu Babelsberg?
Volker Schlöndorf: Ich wohne ganz in der Nähe
und habe immer noch ein Büro dort, als Gnadenbrot
sozusagen. Ich habe ein sehr freundschaftliches
Verhältnis zum Studio, aber es
reicht nicht aus, dass ich den Auftrag bekommen
hätte, hier einen Film zu machen. Dieser Lohn ist
mir bisher vorenthalten geblieben.
Kommen Sie denn noch überall rein?
Volker Schlöndorf: Als der Polanski hier gedreht
hat, habe ich ihn besucht, und gemeinsam
haben wir versucht, zu Quentin Tarantino zu gelangen.
Und er hat uns auch dreimal eingeladen,
dann aber nicht reingelassen. Aber das zeigt ja
nur, dass er konzentriert arbeitet.
Lehrt das alte Bauernland
die Langsamkeit? „Wenn
ich in Hirschfelde bin,
zwischen Wasserbüffeln
und Galloway-Rindern,
lasse ich den Medienmenschen
vor der Tür“,
sagt Dieter Moor. Wie gut, dass es ein Mittel gegen zu viel Romantik
gibt: Rainald Grebe. Der in Köln geborene, aber in Berlin lebende Sänger
und diplomierte Puppenspieler hat ein Genre wieder belebt, das man
eigentlich schon für begraben hielt: die Liedermacherei. Berühmt wurde
Grebe mit seinem Song „Brandenburg“, in dem er aus den Vorurteilen
gegenüber dem Berliner Umland eine Hymne gemacht hat, über die
auch außerhalb der deutschen Hauptstadtregion gelacht wird: „Es gibt