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Gate 66
Abschied von Schönefeld und Tegel Flight Level
bezogen wissen wollte, nur 600 Meter vom
Bahnhof entfernt. 1976 in einem ersten Schritt
errichtet, wurde es 1984 erweitert. Und um
Zeit und Kosten zu sparen, wurden bei der Erweiterung
zwei aufeinander gesetzte Normplatten
des Typs „Kaufhalle“ verwendet.
Kein Wunder, dass der Flughafen auch in den
neunziger Jahren und zu Beginn des 21. Jahrhunderts
noch DDR-Atmosphäre verströmte.
Doch seit 2004 und dem Ansiedlungserfolg von
easyJet ging es stets bergauf. Der Anteil des
Low-Cost-Verkehrs in Schönefeld liegt bei mehr
als 80 Prozent. Bis zum Jahr 2011 ist die Zahl
der Fluggäste kontinuierlich auf 7,3 Millionen
Passagiere gestiegen. Allein easyJet hat seit
2004 mehr als 21 Millionen Passagiere ab Schönefeld
geflogen.
Ein beliebiger Wintermorgen in Schönefeld: In
der Ankunftshalle schließen Frauke und Johannes
Wiesner ihre Mäntel. „Kalt ist es hier“, sagen die
beiden. Das Ehepaar kommt gerade aus Rom. Sie
haben dort ein verlängertes Wochenende verbracht.
„Vatikan, Petersdorm, Spanische Treppe,
das volle Programm“, erzählt Frauke Wiesner
begeistert von den Stationen ihres Besuchs.
Geflogen sind sie natürlich mit einer Günstig-
Airline. Und das zu Preisen, die zuvor wegen der
geringen Nachfrage beim Zehnfachen lagen. Auf
diese Weise konnten in den vergangenen Jahren
auch Normalverdiener vorher unerreichbare Ziele
kennenlernen.
Für diese Gruppe von Reisenden hat sich sogar
ein eigener Begriff gebildet: der easyJetset. Ein
Begriff, den der Journalist Tobias Rapp in seinem
Buch „Lost and Sound“ geprägt hat, einer Art
Liebeserklärung an Berlin. Denn schließlich profitieren
nicht nur die Berliner und Brandenburger
von der Vielzahl an Flugzielen ab Schönefeld,
auch die deutsche Hauptstadtregion erlebt seit
der Ansiedlung durch die Günstig-Airlines einen
Tourismus-Boom.
„Wir haben errechnet, dass unsere Passagiere
allein 2009 eine Milliarde Euro nach Berlin
gebracht haben,“ so easyJet-Deutschlandchef
Thomas Haagensen. Insgesamt verzeichneten
die Hotels der Stadt im vergangenen Jahr etwa
22 Millionen Übernachtungen. Das war gut eine
Million mehr als im Jahr zuvor. Eine Entwicklung,
die durch den Flughafen Schönefeld maßgeblich
befördert wurde – und sich mit dem neuen
Flughafen Berlin Brandenburg weiter fortsetzen
wird.
Robert Müller
Der Boom-Flughafen
1934 Die Henschel-Flugzeugwerke beginnen in Schönefeld ihren
Flugzeugbau. Es werden drei je 800 Meter lange Start- und
Landebahnen errichtet.
1945 Die sowjetischen Luftstreitkräfte ziehen nach Schönefeld, die
Aeroflot beginnt mit dem Luftverkehr nach Moskau.
1947 Die Sowjetische Militäradministration ordnet den Aufbau eines
zivilen Flughafens an, die russische Luftfahrtlinie Aeroflot beginnt
mit dem zivilen Flugbetrieb in Schönefeld. Da das Gebiet
außerhalb der Stadtgrenze liegt, konnte auch die DDR-Fluglinie
Interflug dort starten und landen, was für die westdeutsche
Lufthansa auf den innerstädtischen Flughäfen Tegel und Tempelhof
aufgrund des Vier-Mächte-Abkommens nicht ging.
1963 Eine Buslinie von Charlottenburg (Westberlin) zum Flughafen
Schönefeld nimmt ihren Betrieb auf.
1969 Die Grenze von einer Million Passagiere pro Jahr wird überschritten.
1976 Das spätere Terminal A wird unter dem Namen NPA (Neue
Passagier-Abfertigung) in Betrieb genommen.
1991 Nach der Wiedervereinigung wird die Interflug stillgelegt. Die
Passagierzahlen auf dem Flughafen gehen stark zurück.
1993 Die Fluggastbrücken des Terminal A werden gebaut. Bis dahin
waren die Flugzeuge nur über das Feld erreichbar.
1996 Berlin, Brandenburg und der Bund beschließen als Gesellschafter
den Bau des internationalen Flughafens für Berlin und Brandenburg
(BBI). Als Gebiet wird der Flughafen Schönefeld vorgesehen,
der einen umfangreichen Ausbau erfahren soll.
2003 Der Flughafen, der in den 1990er Jahren vor allem für Charterflüge
genutzt worden ist, wird zunehmend von Günstig-Airlines
angeflogen (Ryanair, V Bird, Germanwings).
2004 Mit der Ansiedlung von easyJet wird der Flughafen für viele
Passagiere noch interessanter.
2010 Der Flughafen im Süden von Berlin ist aus seinem Dornröschenschlaf
erwacht und hat sich zum Boom-Flughafen Deutschlands
entwickelt. Bis zum Jahr 2010 ist die Zahl der Fluggäste
kontinuierlich auf 7,3 Millionen Passagiere gestiegen. Damit hat
Schönefeld innerhalb von fünf Jahren sein Passagieraufkommen
fast vervierfachen können.
2011 Das Potsdamer Verkehrsministerium hat den Antrag für den
neuen Regierungsflughafen in Schönefeld genehmigt. Dort
sollen künftig die Flugzeugflotte geparkt und ausländische Gäste
empfangen werden.
2012 Mit Inbetriebnahme des Flughafen Berlin Brandenburg
wird der Flughafen Schönefeld geschlossen.
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