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Gate 66
Literatur Metro
Das Land der unbegrenzten Spaziergänge
Wolfgang Büscher geht zu Fuß durch Amerika: “Hartland”
Bekannt ist er geworden durch seine Reise zu Fuß von Berlin nach
Moskau. Und jetzt wagt er das Abenteuer erneut. Zu Fuß quer durch
Amerika, nicht von Ost nach West, sondern von Nord nach Süd. Von
North-Dakota über South-Dakota, Nebraska, Kansas und Oklahoma bis
runter nach Texas. 3.500 Kilometer, nur mit einem Rucksack auf der
Schulter, Zeitzeugenberichten aus dem Herzen Amerikas im Gepäck und
ausgerüstet mit einer unerschütterlichen Neugier, die auch vor übervorsichtigen
Grenzbeamten, Schneesturm und einer manchmal fast beängstigenden
Leere in der Prärie nicht Halt macht. Meistens zu Fuß, wenn
er mitgenommen wird, auch mit dem Auto. Und, ganz selten, auch im
Bus, entdeckt der Abenteurer Büscher die schneebedeckte Prärie Nord-
Dakotas, den verlassenen Ort Hartland und die Route 77 von Nebraska
bis zum Rio Grande. In Kansas muss Büscher, der als Fußgänger immer
wieder unfreiwillig Aufmerksamkeit auf sich zieht, auf offener Landstraße
mit gespreizten Armen am Wagen des Sheriffs stehen, er trifft auf
Cowboys und Indianer, schläft in verlassenen Motels, wird von Hunden
gejagt und findet sich irgendwann in Texas wieder. Dem Paradies. So
reist man mit Büscher durch das Herzland der USA. Das Heartland, aus
dem Büscher das „Hartland“ macht, wie ein von ihm aufgesuchter, schon
lange aufgegebener Ort in North-Dakota heißt. Hier in der Mitte des
Landes, das wir aus Büchern und Filmen manchmal schon so gut wie
unser eigenes zu kennen glauben, trifft er auf Menschen, die ihm ihre
Lebensgeschichte erzählen und ihn an ihrem Stück Amerika teilhaben
Berliner Göre wurde Weltstar
Vor 100 Jahren starb Marlene Dietrich. Eine Spurensuche.
Hinter den Fenstern im dritten Stock der
Leberstraße 65 in Schöneberg wurde Marie
Magdalene Dietrich am 27. Dezember des
Jahres 1901 geboren. Als Marlene Dietrich
wurde die Berliner Göre später ein Weltstar.
Sie war eine Einzelgängerin in der Schule an
der Nürnberger Straße im heutigen Volkshochschulkolleg
Schöneberg. Nach dem Musikstudium
spielte sie auf der Geige Begleitmusik zu
Stummfilmen im Kino. Dann kamen erste Statistenrollen
im Theater. Trotzdem fiel sie durch
die Prüfung an Max Reinhardts Schauspielschule,
heiratete den Regieassistenten Rudolf Sieber
am 17. Mai 1923 in der Gedächtniskirche.
1926 spielte sie im alten Friedrichstadtpalast
in der Revue „Von Mund zu Mund“. Regisseur
Josef von Sternberg entdeckte sie für „Der
blaue Engel“. Die deutsche Filmgesellschaft
Ufa bot ihr nach dem „unpatriotischen“ Auftritt
keine Rollen mehr an. Da kehrte sie ihrer Geburtstadt
den Rücken und wurde in Hollywood
zur Filmgöttin. Doch Berlin bietet noch genug
Spuren. Birgit Wetzig-Zalkind beschreibt sie in
ihrem amüsanten Stadtführer „Marlene Dietrich
37
in Berlin“. Außerdem kann man der Schauspielerin,
die vor 20 Jahren in ihrer Pariser Wohnung
starb und auf dem Friedenauer Friedhof in der
Stubenrauchstraße beerdigt wurde, am Potsdamer
Platz gedenken. Dort gibt es nicht nur
den nach ihr benannten Platz. Sie bekam auch
den ersten Stern auf dem „Boulevard der Stars“,
ganz in der Nähe vom Filmmuseum, das Stücke
aus Marlenes Leben in einer Dauerausstellung
zeigt. Dirk Krampitz
Museum für Film und Fernsehen
Potsdamer Straße 2 | Dienstags bis sonntags
von 10 bis 18 Uhr | Donnerstags bis 20 Uhr
www.deutsche-kinemathek.de
Birgit Wetzig-Zalkind
Marlene Dietrich in Berlin
Edition Gauglitz
17,90 Euro
lassen – einem Amerika das wenig gemein hat mit dem, das sich uns
in Hollywoodfilmen und Reiseführern zeigt. Hartland ist sowieso alles
andere als ein Reiseführer – und eigentlich auch kein Reisebericht. Es
ist eine Erzählung, ohne eine einzige Landkarte, nur mit einem Übersichtsplan,
der es dem Leser erlaubt, grob der Route zu folgen. Aber das
macht nichts. Denn es geht nicht darum, dass man weiß, wo man ist – es
geht darum, dass man sich in den Geschichten Büschers verliert, sich
vorstellen kann, wie ihn der Schnee schneeblind und schneetaub macht
und spürt, wie einen der Wind auf der Straße nicht mehr aufrecht stehen
lässt. Büscher erzählt mit offenen Augen und spontan – ohne dem Leser
das Gefühl zu geben, er wolle ihn überreden dieselbe Reise zu tun. Eher
so, als sei der Autor manchmal selber überrascht von dem, was er sieht
und erlebt. Und davon, dass er auch dem letzten Zweifler, der ihn vorher
für verrückt erklärt hat, beweist: Zu Fuß durch Amerika. Das geht.
Nicole Dapper
Wolfgang Büscher
Hartland. Zu Fuß durch Amerika.
Rowohlt Verlag Berlin 2011
300 Seiten
19,95 EUR