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Gate 66
Metro Urban Beat
Happy Birthday, Alter Fritz!
Ausstellung “Friederisko” in Potsdam.
Am historischen Ort
Black Box informiert über die Geschichte Berlins.
Am historischen Checkpoint Charlie eröffnet
Mitte des Jahres ein Informationspavillon
zur Teilung Berlins. Mit der Black Box soll das
sachliche, zeitgeschichtliche Angebot an einem
Ort erweitert werden, der zurzeit stark kommerzialisiert
ist. Berühmt wurde der innerstädtische
Grenzübergang zwischen West und Ost,
zwischen der Bundesrepublik Deutschland und
der Deutschen Demokratischen Republik, als
sich beim Beginn des
Mauerbaus durch das
DDR-Regime im Jahr
1961 sowjetische
und amerikanische
Panzer nur wenige
Meter voneinander
entfernt gegenüberstanden
und viele den
Ausbruch des Dritten
Weltkriegs befürchteten.
Der Kubus auf
einer bisherigen Brache
wird mit 120.000
Euro aus dem Vermögen
der DDR-Parteien
und Massenorganisa-
Für die einen ist er der Schöngeist von Sanssouci, der Preußen in die
Moderne führte. Für die anderen der König der Kanonen, der nur Kummer
und Leid brachte. Bis heute thront Friedrich II. hoch zu Ross über dem
Boulevard Unter den Linden, den er so liebte und nach seinen Vorstellungen
gestaltete. Von dort aus hat der Alte Fritz das politische Berlin immer noch
fest im Blick. Dieses Jahr ist das Jubiläum seines 300. Geburtstags, Anlass
für ein Friedrichjahr mit vielen Ausstellungen, Festen und Büchern. Und wie
groß war Friedrich der Große nun wirklich? „Fünf Fuss, zwei Zoll“, könnte
man sagen. Oder sich aber die große Entdeckungsreise zu Friedrich durch
70 Säle im Neuen Palais und im Schlosspark Sanssouci anschauen, die vom
28. April bis zum 28. Oktober in Potsdam zu sehen ist. Unter dem Leitmotiv
„Friederisiko“ sollen die Ideen des Preußen-Königs, sein Denken und sein
Handeln – zeitgemäß, inspirierend, auch provokant und an vielen Stellen
überraschend – aus dem authentischen Aufenthalts- und Repräsentationsort
des Königs dargestellt und vermittelt werden. Rem
Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG)
www.spsg.de
tionen finanziert. Der Begriff „Black Box“ bezieht
sich auf die Flugschreiber in Flugzeugen, die alles
aufzeichnen, was wichtig ist. Der Pavillon soll bis
zu Errichtung des lange geplanten Museums des
Kalten Krieges an dieser Stelle stehen bleiben,
das für 2015 geplant ist. Mül
Black Box
Checkpoint Charlie | Berlin-Kreuzberg
Abends
am
Tresen
Schmeckt frisch gezapftes Bier wirklich so
viel besser als das aus der Flasche? Darüber
kann man wunderbar streiten. Der offene
Wein, der in Kneipen ausgeschenkt wird, tut
es jedenfalls oft nicht. Da sind die zu Hause
lagernden Flaschen um einiges delikater.
Woran liegt die Anziehungskraft des Tresens?
Der Philosoph Gunter Gabriel („Hey Boss,
ich brauch mehr Geld!“) erklärte es einmal
so: „In die Kneipe gehe ich doch nicht, um zu
trinken, sondern um zu quatschen. Sollte ich
dann betrunken werden, ist das allenfalls ein
Nebeneffekt.“ Er besucht in Berlin regelmäßig
die Künstlerkneipe „Die kleine Weltlaterne“,
deren Wände mit gerahmten Bildern geradezu
tapeziert sind. Er traf dort, in der Nestorstraße
22, Kollegen wie Günter Grass, Henry
Miller oder Bernhard Brink. Stockt Ihnen der
Atem, wenn sie sich das Stabreim-Namen Trio
Günter Grass („Die Blechtrommel“), Gunter
Gabriel („Komm unter meine Decke“) und
Bernhard Brink („Mein blondes Wunder) im
Gespräch vorstellen? Aber es ist der Tresen,
der sie alle eint. Wer dort steht, der ist einig.
Ganz im Gegensatz zu den Separatisten an
den Tischen. Verräterischer kann man mit dem
Tresengeist nicht umgehen. Einmal verirrte
ich mich zu Fasching, einem Fest, das mir vor
dem Regierungsumzug so exotisch wie der
Regentanz der Hopi vorkam, in eine dieser
Eckkneipen, wo es Futschi für 1,50 gibt. Ich
öffnete gerade die Tür, als ich es sah: Zwei
Cowboys und vier Prinzessinnen tanzten dort
Polonäse. Rosenmontag in Berlin. Es wurde
ein wundervoller Abend mit dem einen oder
anderen Futschi, dieser besonderen Berliner
Mischung aus Cola und Weinbrand. Übrigens
kommt es natürlich auch auf den Wirt an.
Hertha Fiedler hat die Kleine Weltlaterne über
Jahrzehnte geführt. Um ihre Eignung als Wirtin
zu erklären, soll wieder der Denker Gabriel zu
Wort kommen: „Hertha hatte nicht nur eine
große Seele, sondern auch einen enormen
Busen.“ Sie starb 2010. Früher fuhr Gunter
Gabriel dort mit seiner Harley bis direkt an
den Tresen. Immer, wenn er wieder einen
Führerschein hatte. Jaja, die Nebeneffekte.
Dirk Krampitz
Fotos: Wolfgang Pfauder, jiortola / Fotolia, amandare / Fotolia, Angela Kausche / Fotolia, Promo