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Erfolg Ausgabe September/Oktober 2017

12 Energiepolitik Vertrauen in Zeiten des Fake Stefan Batzli, Geschäftsführer der AEE SUISSE Dachorganisation der Wirtschaft für erneuerbare Energien und Energieeffizienz Grosse Zukunftsprojekte wie die Energiestrategie 2050 sind nur mit Vertrauen zu stemmen: Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und Vertrauen in die Kompetenz und Aufrichtigkeit der handelnden Personen und Organisationen. Auch für die Abstimmung zum Energiegesetz – und erst recht danach – brauchte und braucht es einen enormen Vertrauensvorschuss, um den Auftrag, alte Zöpfe abzuschneiden und eine neue Energieversorgung für die Schweiz sicherzustellen, bestmöglich umsetzen zu können. Aber wie kann man dieses Vertrauen überhaupt noch gewinnen und behalten in Zeiten von Fake News und Abgasskandalen, hemmungslos manipulierten Fakten und ungenierten Kartellabsprachen zulasten der Umwelt und der Menschen? Die Technik wird es richten. Wirklich? Kein Zweifel – die Energiewende braucht Fakten: Kilowattstunden, Kosten, CO 2 und viele weitere Kriterien müssen wir messen, über- oder unterbieten und laufend überprüfen. Dass die deutsche Autoindustrie (und vielleicht nicht nur diese) an den Vorgaben, die ihr die Politik – wohlgemerkt: eine sehr wohlgesonnene – gesetzt hat, ganz offensichtlich so gescheitert ist, dass sie nur mit Tricksereien (um es niedlich zu formulieren) den Eindruck eines «anything goes» erwecken konnte, erschüttert unser aller Technologiegläubigkeit. Aber gleichzeitig beweisen unzählige Technologien, die wir heute einsetzen, Tag für Tag millionenfach, dass sie es können und unser «Vertrauen verdienen»: jedes Windrad, das mit jeder Rotorumdrehung Strom erzeugt, jede PV-Anlage, die aus Sonnenstrahlen Strom macht, jedes Wasserkraftwerk, das das Netz mit Energie versorgt, ist der Beweis, dass wir die nötigen Mittel für die Umsetzung der Energiestrategie besitzen und beherrschen. Zugleich sind tausende Forscherinnen und Forscher unermüdlich daran, diese Techno- logien noch wirksamer und vorteilhafter zu machen. Ohne Tricks und doppelten Boden. Vom Energieträger zum Vertrauensträger – die Menschen hinter der Technik Aber wenn Technik und harte Fakten nicht mehr ausreichen, um Vertrauen zu schaffen, sogar zum Täuschen manipuliert werden, wer kann es dann? Die Antwort ist eindeutig: nur die Menschen, die diese Technologien entwickeln und so einsetzen, dass sie den grössten Nutzen entfalten. Die Geschichte und die Zukunft werden trotz Blendern und Täuschern, die unser Vertrauen immer wieder mal erschüttern, von Menschen geprägt, die sich genau das zum Ziel gesetzt haben: ihre Talente zu nutzen, um die Welt auch mit Technik zu einem besseren Ort zu machen. Dass auch die besten von ihnen immer wieder mal scheitern – auch weil sie vielleicht einige Jahre zu früh sind – sollte uns nicht zweifeln lassen. Das gehört zum Spiel des Marktes und muss nicht bedeuten, dass die Zeit für ihre Visionen nicht noch kommen wird. Man denke etwa an Paul Sabatier, der bereits Anfang des 20. Jahrhunderts die Grundlagen schuf, mit denen wir heute überschüssigen Strom als erneuerbares Gas speichern können. Um Vertrauen werben Dass das neue Energiegesetz im Parlament und an der Urne deutlich angenommen wurde, ist Ausdruck des Vertrauens sowohl in die Technik als auch die Menschen. Dieser Vertrauensvorschuss ist aber auch das Ergebnis ausdauernder Kommunikation von vielen Menschen, denen es eben nicht gleichgültig ist, woher unsere Energie kommt: nämlich aus umweltfreundlichen Sonnen- und Windanlagen statt aus unberechenbaren Atomkraftwerken, aus heimischen Energiequellen statt aus unzuverlässigen Schur- Ausgabe 9/10 / September / Oktober 2017 / ERFOLG kenstaaten, aus sauberen unerschöpflichen Energiequellen statt aus schmutzigen end- lichen Energieträgern. Wie hoch dieses Vertrauen ist, dass erneuerbare Energien der richtige Weg sind, belegt zum Beispiel eine Studie von Prof. Isabelle Stadelmann-Steffen und Clau Dermont von der Universität Bern, wonach fast 90 Prozent der Schweizer Bevölkerung in Solarstrom und 70 Prozent in Windenergie die Zukunft unserer Energieversorgung sehen (https://ipwenergy.shinyapps.io). Zum selben Ergebnis kommt das seit 2011 jährlich erhobene Kundenbarometer Erneuerbare Energien der Universität St.Gallen (https://iwoe.unisg.ch/ de/lehrstuhlmanagementee/publikationen/ kundenbarometer): Eine deutliche Mehrheit befürwortet, dass der Strommix zunehmend erneuerbar wird, dass die Schweiz ihre Treibhausgasemissionen reduziert und dass sie selbst mit einer PV-Anlage, einer Wärmepumpe, einem Energiespeicher und einem Elektroauto dazu beitragen. Wir alle sind gefordert, dieses Vertrauen in das künftige Energiesystem jeden Tag aufs Neue zu stärken – und diesen Vertrauensvorschuss einzulösen. Als Unternehmer, als Politikerinnen und Politiker, als Angestellte der Verwaltung und natürlich als Privatmenschen. Stefan Batzli, Über die AEE SUISSE Die AEE SUISSE vertritt als Dachorganisation der Wirtschaft für erneuerbare Energien und Energieeffizienz die Interessen von 24 Branchenverbänden und deren rund 15'000 Mitgliedern, der Unternehmungen und der Energieanbieter aus den Bereichen erneuerbare Energien und Energieeffizienz. Ihr Ziel ist es, die Öffentlichkeit und Entscheidungsträger zu informieren, für eine nachhaltige Energiepolitik zu sensibilisieren und sich aktiv an der Gestaltung der wirtschaftlichen und energiepolitischen Rahmenbedingungen auf nationaler und regionaler Ebene zu beteiligen. www.aeesuisse.ch

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