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Erfolg Ausgabe Juli/August 2016

32 Swissness Ausgabe 7/ 8 / Juli / August 2016 / ERFOLG Filz in allen Formen, von weich bis bretthart Die Fissco produziert und konfektioniert seit 175 Jahren Woll- und Nadelfilze für verschiedenste Zwecke. Inhaber Niklaus Sägesser hat die Bernbieter Traditionsfirma mit frischen Ideen wieder marktfähig gemacht. Die Schweizer Textilindustrie ist seit einigen Jahren stark gefordert: Zum Strukturwandel der Branche gesellt sich seit einigen Jahren ein Wechselkurszerfall, der manche Unternehmer an den Rand ihrer Handlungsfähigkeit bringt. Darüber kann man lamentieren – oder den Tatsachen ins Auge sehen und das Beste daraus machen. Niklaus Sägesser, Filzfabrikant aus Enggistein bei Worb, hat sich für Letzteres entschieden. Weil es sein Naturell ist, nach Lösungen zu suchen. Wenn’s knifflig wird, fühlt sich der Unternehmer herausgefordert. Und findet mitunter unorthodoxe Wege, die Perspektiven zu seinen Gunsten zu verbessern. Sägesser ist Inhaber und Chef der Fissco, einer traditionsreichen Filzerei im Bernbiet. Seit 175 Jahren produziert die Firma Filze, seit 1871 am heutigen Standort in Enggistein. Die Fissco ist tief in der Region verwurzelt. Sogar die entsprechende Postautohaltestelle zwischen Worb und Biglen heisst heute «Filzfabrik». Zuerst produzierte Firmengründer Niklaus Ellenberger Holzschuhfinken – mit blossen Füssen wurde die Wolle gefilzt. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde viel Filz für die Armee produziert, ab 1967 zunehmend für die Industrie. Handwechsel kurz vor «Feierabend» Lange gehörte die Firma Fissco der Familie Ellenberger bzw. den angeheirateten Schneiters. Die Verantwortung wurde von Generation zu Generation weitergereicht. Die Innovation wurde zuletzt zu wenig gepflegt, auch wenn 2006 noch eine moderne Doppelnadelmaschine zur Herstellung technischer Nadelfilze in unterschiedlichen Härtegraden installiert wurde. Doch 2009 hatten sich die Perspektiven auch aufgrund der anhaltenden Wirtschaftskrise für die Fissco derart verschlechtert, dass sie verkauft wurde. «Ich versuche jene Parameter anzupacken, die ich beeinflussen kann, statt mich über das aufzuregen, was ich nicht ändern kann.» Den Zuschlag bekam Niklaus Sägesser, der sich die Fissco und das Marktumfeld angeschaut und einen Plan zur Neuausrichtung der Filzfabrik skizziert hatte. Davor war der gelernte Schreiner lange im Verkauf von Medikamenten tätig. Krempelanlage mit Vliesleger «Mich reizten die Selbstständigkeit und das Naturprodukt Filz, das dem mir bestens bekannten Holz nicht unähnlich ist», erinnert sich der Chef an den Handwechsel, der 2010 vollzogen wurde. Sägessers Plan: In spätestens fünf Jahren sollte der Turnaround geschafft und die Fissco wieder profitabel sein. Der Start verlief gut. Niklaus Sägesser arbeitete sich zügig ein und gewann dank eines offenen, kooperativen Führungsstils das Vertrauen der 28 Mitarbeitenden. Er führte das «Du» auf allen Ebenen ein und bat sein Team, ihm nicht nur Probleme, sondern immer auch gleich zwei Lösungsvorschläge zu zeigen. Dann kam es zum ersten Mal knüppeldick: 2012 fiel der Euro / Franken-Wechselkurs von fast 1.60 auf 1.20. Für ein Unternehmen, das 80 Prozent seiner Produkte exportiert, ein grosser «Challenge». Doch man fand Antworten. 2014 war die Fissco bereits wieder kostendeckend unterwegs, aber die Altlasten drückten noch. Zweifacher «Frankenschock» zehrt Und dann kam im Januar 2015 der zweite «Frankenschock», während dem der Euro zeitweise fast Parität zur Schweizer Landeswährung hatte. Abermals spuckten Sägesser und seine Leute in die Hände, statt die Flinte ins Korn zu werfen und erarbeiteten einen Massnahmenplan mit 25 Punkten, dank dessen Umsetzung auch dieser schwere Schlag weggesteckt werden konnte. «Heute sind wir wieder à jour», resümiert der Fissco-Chef: «Ich entscheide gerne und fortlaufend. Aber manchmal im Leben ist es wohl besser, wenn man gewisse Dinge nicht schon vorab genau weiss.» Gegenüber 2010, als Niklaus Sägesser im Alter von 47 Jahren die Fissco übernahm, hat das Unternehmen den Umsatz annähernd verdoppelt. «Ich habe vor allem aufgeräumt und dem Team den Weg gezeigt», bilanziert Sägesser. So seien bestehende Räume besser genutzt und nicht benötigte Landanteile verkauft worden. Ausserdem wurde die Wollfilzproduktion zu einem grossen Teil nach Deutschland ausgelagert. Das Team strotze zwar vor Erfahrung, war tendenziell aber etwas überaltert. Es fehlte die Frische. Heute arbeiten 22 Personen aus fünf Nationen bei der Fissco. Bald wird es wohl noch bunter auf dem Areal. Denn Niklaus Sägesser ist drauf und dran, das alte, zur Strasse hin gelegene und derzeit Fisolan – Dämmstoffe aus Schweizer Schafwolle

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