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Erfolg Ausgabe Juni/Juli/August 2017

Ausgabe 6/7/8 / Juni, Juli, August 2017 / ERFOLG 13 Ferienrechte Ihr Ansprechpartner für arbeits- und gesellschaftsrechtliche Fragen. MLaw Patrick Amrein, selbständiger Rechtsanwalt bei Sigerist Zumbühl Advokatur und Notariat, Luzern. Sommerzeit ist Ferienzeit. Die wichtigsten Rechte und Pflichten zum Thema Ferien haben wir hier für Sie kompakt zusammengefasst. Nehmen Sie sich kurz Zeit, es lohnt sich. Ferienanspruch Laut Gesetz hat jeder Arbeitnehmer Anspruch auf mindestens vier Wochen Ferien pro Jahr. Jugendliche geniessen bis zum vollendeten 20. Altersjahr mindestens deren fünf. Der Ferienanspruch beginnt mit dem ersten Arbeitstag und nicht nach Ablauf der Probezeit. Sofern der Arbeitgeber einverstanden ist, können Ferien – in angemessenem Verhältnis zur bereits geleisteten Arbeit – deshalb schon in der Probezeit bezogen werden. Ein solcher Ferienbezug hat in der Regel – d. h. sofern nichts anderes schriftlich vereinbart wurde – keine Verlängerung der Probezeit zur Folge. Ferien sind tatsächlich zu beziehen, d.h. sie dürfen grundsätzlich nicht in Geld abgegolten werden (Abgeltungsverbot). Liegen Feiertage in der Ferienzeit, werden diese nicht als Ferientage gezählt. Auch darf der Arbeitnehmer während den Ferien lohnmässig nicht schlechter gestellt werden, wie wenn er vereinbarungsgemäss gearbeitet hätte. Ferienkürzung Bleibt der Arbeitnehmer längere Zeit dem Arbeitsplatz fern, kann der Arbeitgeber die Ferien kürzen. Die Ferien werden pro vollen Monat der Verhinderung um einen Zwölftel gekürzt. Hat der Arbeitnehmer die Abwesenheit nicht zu verschulden (Krankheit, Unfall, Militär etc.), dürfen die Ferien erst ab dem zweiten vollen Monat der Verhinderung gekürzt werden (Schonfrist von einem Monat). Bei Arbeitsverhinderung aufgrund von Schwangerschaft ist eine Kürzung der Ferien erst ab dem dritten vollen Monat zulässig (Schonfrist von zwei Monaten). Beim Bezug des Mutterschaftsurlaubs darf der Ferienanspruch hingegen nicht gekürzt werden. Zeitpunkt der Ferien Grundsätzlich bestimmt der Arbeitgeber, wann der Arbeitnehmer Ferien beziehen darf. Er nimmt dabei auf die Wünsche des Arbeitnehmers soweit Rücksicht, als dies mit den Interessen des Betriebs vereinbar ist. Wird ein genauer Ferienzeitpunkt oder eine Feriensperre durch den Arbeitgeber angeordnet, braucht er dazu wichtige Gründe (Auftragslage, Saison in der Branche, Rechnungsabschluss etc.). Hinzu kommt, dass solche Anordnungen 2-3 Monate im Voraus angekündigt werden müssen. Dies gilt auch für Betriebsferien. Zum kurzfristigen Ferienbezug kann der Arbeitgeber den Arbeitnehmer deshalb nicht zwingen. Wurden Ferien zugesichert, kann der Arbeitgeber eine Verschiebung oder einen Abbruch der Ferien nur im Notfall verlangen (z.B. Ausfall von vielen Mit- Rechtsberatung arbeitern bei einer Grippewelle etc.). Allfällige Annullierungs- und/oder Rückreisekosten hat der Arbeitgeber zu tragen. Unfall oder Krankheit in den Ferien Ferientage können nachbezogen werden, wenn der Arbeitnehmer in den Ferien aufgrund einer Verletzung oder einer Krankheit ferienunfähig war. Dabei beurteilt sich die Ferienunfähigkeit nicht gleich wie die Arbeitsunfähigkeit. Ferienunfähigkeit setzt voraus, dass der Erholungszweck der Ferien aufgrund der Beeinträchtigung der Gesundheit nicht gegeben ist. Dies bedeutet gleichzeitig, dass man im Fall von Arbeitsunfähigkeit in die Ferien fahren kann, sofern der Arzt einen für ferienfähig hält. Diese Tage gelten dann als normal bezogene Ferientage. Ferienunfähigkeit führt nicht zur automatischen Verlängerung der Ferien. Der Zeitpunkt des Ferien-Nachbezugs muss beim Arbeitgeber wie bei anderen Ferien beantragt werden. Als Nachweis der Ferienunfähigkeit dient in der Praxis ein Arztzeugnis. Nicht rechtzeitig aus den Ferien zurück Wer nach den Ferien nicht rechtzeitig zurück am Arbeitsplatz ist, trägt auch bei unverschuldeter Verhinderung der Arbeitsleistung aufgrund höherer Gewalt (Streik in Frankreich, Stau am Gotthard, Vulkanausbruch auf Island) das Lohnrisiko. Zur Lohnfortzahlung ist der Arbeitgeber nämlich nur verpflichtet, wenn die Verhinderungsgründe in der Person des Arbeitnehmers liegen, was insbesondere bei Krankheit oder Unfall der Fall ist. Ferienguthaben Ferien sind in der Regel im Verlauf des betreffenden Dienstjahres zu beziehen. Nichtbezogene Ferientage werden grundsätzlich ohne weiteres auf das nächste Jahr übertragen. Da Ferientage als arbeitsrechtliche Forderungen gelten, verjähren sie erst nach fünf Jahren. Bezogene Ferien werden dabei immer mit den ältesten Ferienguthaben verrechnet. Will der Arbeitgeber verhindern, dass Arbeitnehmer Ferienguthaben anhäufen, hat er rechtzeitig Ferien anzuordnen. Er hat das Recht dazu. Rechtsanwalt Patrick Amrein Sigerist Zumbühl Advokatur und Notariat Pilatusstrasse 35 6002 Luzern Telefon 041 229 60 00 www.sizu.ch amrein@sizu.ch

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