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Die Wirtschaft - Zeitung der Wirtschaftskammer Vorarlberg

WIRTSCHAFTSPOLITIK Wirtschaftsbarometer: Aussichten trüben sich ein Die Ergebnisse aus dem Wirtschaftsbarometer, der Konjunkturumfrage der WKÖ unter ihren Mitgliedern, bestätigen das derzeitige Konjunkturbild: Die Unternehmen erwarten eine außergewöhnliche Abschwächung der Konjunktur, und derzeit ist kein Wendepunkt in Sicht. Aufgrund der gestiegenen Unsicherheiten in den vergangenen Monaten stellen sich die Erwartungen deutlich schlechter dar als die bisherige Lage. Die Unsicherheiten lasten auf den Unternehmen, die für die kommenden Monate eine deutlich zurückhaltende Investitionstätigkeit signalisieren. Der Trend aus den Antworten der Bereiche Wirtschaftsklima, Investitionen, Gesamtumsätze und Auftragslage zeigt aktuell den zweitstärksten Rückgang seit Beginn der WBA-Umfrage im Jahr 2002. Im Frühjahr 2011 lag dieser Trendindikator fast auf dem Niveau von Herbst 2007. Insgesamt bleibt der Trendindikator im positiven Bereich, wofür vor allem die Einschätzung der Unternehmen zur bisherigen Lage ausschlaggebend ist. VERGLEICH DEUTSCHLAND – SCHWEIZ – ÖSTERREICH „Der Reformstau beginnt sich nun nachhaltig abzuzeichnen. Österreich steht davor, am Mittelstreifen zu verharren“, betonte der Leiter der wirtschaftspolitischen Abteilung der WKÖ, Christoph Schneider, in Berlin anlässlich der Präsentation des D_A_CH- Reformbarometers. Öster- reich befindet sich nach diesem Reformranking weiterhin auf dem zweiten Platz, hinter der Schweiz und vor Deutschland. Aufgrund des größeren Reformeifers der Schweizer wird der Abstand zur Schweiz aber immer größer. „Während Deutschland in den Medien als europäischer Reformmotor auch im Hinblick auf die vor 2 Jahren eingeführte Schuldenbremse gefeiert wird, wurde aber seitdem wenig in neue Reformprojekte investiert. Die Schweiz hingegen kann mit Foto: waldhaeusl.com 4 DIE WIRTSCHAFT Freitag, 16. Dezember 2011 einem konsequenten Abbau ihrer Schulden, dem niedrigsten Stand an Arbeitslosen und der geringsten Staatsausgabenquote punkten“, erläutert Schneider. Damit liegt die Schweiz 2011 bei 115,1 Punkten, Österreich bei 113,0 und Deutschland bei 109,0 Punkten. Das Thema Finanzen sei dabei auch das bestimmende Thema der kommenden Monate: „Prognosen für die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung zu erstellen, ist angesichts der wohl schlimmsten Schuldenkrise in Europa mit vielen Fragezeichen behaftet. Vor diesem Hintergrund ist eine hohe Staatsverschuldung doppelt problematisch“, so der WKÖ- Wirtschaftsexperte. Während die Schweiz ihre Schulden seit 2002, also seit Einführung der Schuldenbremse kontinuierlich Erwartungen deuten auf Stagnation Die Unternehmen schauen rückblickend positiv auf die vergangenen 12 Monate, wenngleich das Wirtschaftsklima per Saldo negativ beurteilt wird. Die Aussichten für die kommenden 12 Monate sind hingegen negativ. Die Unternehmen erwarten eine zunehmende Verschärfung der Lage: Hinsichtlich Wirtschaftsklima, Auftragslage, Investitionen und Kapazitätsauslastung gehen inzwischen mehr Unternehmen von einer bevorstehenden Verschlechterung als von einer Verbesserung aus. „Die Erwartungen zu Beschäftigung und Inlandsumsätzen deuten auf eine Stagnation hin. Laut dem aktuellen Wirtschaftsbarometer sind Unternehmen aller Größen von einer bevorstehenden Reformbarometer: Österreich bleibt auf Platz zwei Die Schweiz hat bei Reformen die Nase vorne. abgebaut und auf inzwischen 42 Prozent gesenkt hat, liegt Österreich bei 72,2 und Deutschland bei 81,7 Prozent. Aus österreichischer Sicht muss daher das Motto lauten: „Erneuern, um zu wachsen“. Nur durch eine Erneuerung im Sinne von grundlegenden Strukturreformen kann in der derzeitigen wirtschaftlichen Lage das Wirtschaftswachstum unterstützt werden. Etwas besser ist die Situation bei den Budgetdefiziten, da für 2011 sowohl in Deutschland mit –1,2 Prozent als auch in Österreich mit –3,4 Prozent geringere Defizite erwartet werden, als in den Jahren zuvor. Trotzdem steht auch hier die Schweiz deutlich besser da. Nach –0,7 Prozent im Jahr 2005 hat die Schweiz ab diesem Zeitpunkt nur noch Budgetüberschüsse erwirtschaftet und das auch während der vergangenen Krise. „Wir haben es hier mit einem echten Musterschüler zu tun, der in Hinblick auf seinen Konjunkturabschwächung betroffen. Die großen Unternehmen sind tendenziell etwas optimistischer als der Mittelstand. Ein klares Bild zeichnet sich bei der Einschätzung nach Sektoren ab: Die produzierenden Unternehmen blicken deutlich pessimistischer in die Zukunft als die Dienstleistungsunternehmen. Fachkräftemangel und Rohstoffpreise Nach Einschätzung der Unternehmen überwiegen die Risiken für eine Abwärtsentwicklung. Angeführt wird die Liste der Risiken mit 52 % vom Fachkräfteengpass. Die Sorge über steigende Rohstoffpreise wird am zweit häufigsten genannt (49 %). Zudem bereiten beinahe jedem zweiten Unternehmen steigende Steuern und Abgaben große Sorge. öffentlichen Haushalt hervorragend dasteht. Während die Schweiz gezielt in Zukunftsinvestitionen investieren kann, fehlt Deutschland und Österreich jeglicher Handlungsspielraum dafür“, analysiert Schneider. Die Ergebnisse im Detail: Konkret sank der Index für den Standort Österreich in den vergangenen 12 Monaten um 0,1 Prozentpunkte auf 113,0. Während die Teilindikatoren Arbeitsmarktund Sozialpolitik mit + 1,6 bzw. 0,9 Punkte leicht zulegten, sank der Teilindikator Steuer- und Finanzpolitik von 120,1 auf 117,3 oder um 2,8 Punkte. Korrekturen an der Anreizstruktur zur Förderung der Beschäftigung im Rahmen des Budgetbegleitgesetzes sowie die Schaffung eines neuen Modells für Saisoniers waren die Gründe für die positive Beurteilung des Teilindikators Arbeitsmarkt.

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