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WIRTSCHAFT
FINANZPOLITIK
„Keine neuen
Steuern, sondern
Reformen“
„Jegliche Pläne zur Wiedereinführung
einer Erbschaftssteuer oder
einer Vermögenssteuer werden von
der Wirtschaft klar abgelehnt. Beide
Steuern wurden aus guten Gründen
abgeschafft. Die immer wieder begonnene
Diskussion über die Einführung
neuer Steuern ist im Hochsteuerland
Österreich kontraproduktiv
und standortschädlich“, betont
Ralf Kronberger, Leiter der Abteilung
für Finanz- und Handelspolitik
in der Wirtschaftskammer Österreich,
hinsichtlich der Aussagen von
Caritas-Direktor Michael Landau,
der die Wiedereinführung der Erbschaftssteuer
zur Finanzierung der
Pflege gefordert hatte. Die bis Mitte
2008 gültige Erbschaftssteuer war
eine „eklatant unsachliche, gleichheits-
und verfassungswidrige, bürokratische
sowie ineffiziente Mittelstands-
sowie Unternehmensfortführungssteuer“,
so der Steuer-Experte.
Jeder besteuerte Erbfall war im
Durchschnitt mit circa 1.700 Euro
belastet. Lediglich bei 16 von
62.400 Erbfällen lag die Bemessungsgrundlage
über 1,1 Millionen
Euro. Die Erbschaftssteuer ging vor
allem zu Lasten der kleinen und
mittleren Unternehmensnachfolger.
Die Bewertung von Vermögen,
insbesondere von Immobilien und
Unternehmen, sei äußerst aufwändig
und fehleranfällig. Das Personal
für die Administration der Erbschaftssteuer
sei in der Finanzverwaltung
nicht mehr vorhanden und
müsste im Falle einer Wiedereinführung
völlig neu aufgebaut werden.
Daher folgert Kronberger: „Es ist
praktisch unmöglich, mit einem vertretbaren
Aufwand eine den verfassungsrechtlichen
Anforderungen
entsprechende Vermögensbewertung
durchzuführen.“ Generell gehe
der internationale Trend in Richtung
Abschaffung von Vermögenssteuern.
„Demnächst wird kein EU-Staat
mehr eine reine Vermögensteuer
einheben“, so Kronberger.
2 DIE WIRTSCHAFT Freitag, 27. Mai 2011
Krankenkassenbeiträge:
Zahlungsmoral der Betriebe
ist hervorragend
Unternehmen zahlen jährlich 25,76 Milliarden Euro in die sozialen
Töpfe – die Einbringungsquote liegt bei 99,51%.
Die rot-weiß-rote Wirtschaft
trägt mit 25,76 Milliarden
Euro die Hauptlast im System
der sozialen Töpfe. Zusätzlich
führt sie Beiträge von 14,5 Milliarden
Euro für ihre Dienstnehmer ab“, relativiert
Martin Gleitsmann, Leiter
der Abteilung für Sozialpolitik und
Gesundheit in der Wirtschaftskammer
Österreich (WKÖ), eine parlamentarische
Beantwortung des Sozialministeriums
zu Krankenkassenbeiträgen
der Unternehmen: „Die
Zahlungsmoral der Betriebe ist hervorragend“,
so Gleitsmann, „Bei
Vergleichen müssen immer die Relationen
bedacht werden: Der diesjährige
Abschreibungsbetrag von 160
Millionen Euro liegt deutlich unter
einem Prozentpunkt der jährlichen
betrieblichen Beitragsleistungen. Genaue
Vergleichswerte liegen uns
noch nicht vor. Fakt ist: In den vergangenen
zehn Jahren mussten die
Krankenkassen nicht einmal 0,35
Prozent der Unternehmensbeiträge
abschreiben. Seit 2000 leisteten die
Unternehmen geschätzte 400 Milliarden
Euro Beiträge, davon waren lediglich
1,4 Milliarden uneinbringbar.
Denn leider gibt es auch bei Unter-
nehmen vereinzelt Fälle eines redlichen
Scheiterns.“ Die Nichteinbringungsquote
liegt jedoch gerade einmal
bei 0,49 Prozent, diese umfasst
im Wesentlichen Beiträge insolventer
Unternehmen. In vielen Fällen
springt der Insolvenzentgeltfonds
„Seit dem
Jahr 2000
leisteten
die österreichischenUnternehmen
400
Mrd. Euro
Beiträge.“
Martin Gleitsmann, Sozialpolitiker der WKÖ
ein und leistet die nicht abgeführten
Dienstnehmerbeitragsanteile an die
Sozialversicherungen. Dieser Fonds
wird wiederum ausschließlich von
Unternehmen finanziert.
Unternehmen sind tragende
Säule des Sozialsystems
„Unsere Betriebe sind die tragende
Säule des österreichischen Sozialsystems“,
betonte Gleitsmann und
verweist auf die eindeutigen Zahlen:
„Die Unternehmen zahlen die Lohnnebenkosten,
also Kranken-, Pensions-,
Unfall-, und Arbeitslosenversicherungsbeiträge
zu fast 100 Prozent
in die sozialen Töpfe ein. Bei
25,76 Milliarden Euro bedeutet dies
eine Einbringungsquote von 99,51
Prozent im Jahr 2009. Die Quote ist
seit Jahren konstant auf diesem extrem
hohen Niveau. Die Finanzierungslücke
der Krankenversicherungen
lässt sich somit nicht auf vermeintlich
nicht geleistete Zahlungen
der Unternehmen zurückführen“,
stellte der WKÖ-Experte klar.
„Wer so viel für die soziale Versorgung
der Bevölkerung leistet wie
die heimischen Betriebe, darf auch
einen effizienten Einsatz der Mittel
fordern. Nicht die mangelnden Einnahmen
sind das Problem der
Krankversicherungen. Vielmehr sollte
man sich Gedanken über Einsparungspotenziale
des Gesundheitssystems
machen“, unterstrich Gleitsmann
und betonte darüber hinaus:
„Dies soll nicht zu Lasten der Patienten
gehen. Im Gegenteil: Durch
einen effizienteren Mitteleinsatz
steigt auch die Behandlungsqualität.“