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Mediator | Berufsbilder für Juristen
Berufsbild Rechtsanwalt
... als Mediator
Eva Weiler
ist Rechtsanwältin und Mediatorin
(BAFM), Schlichterin
für den Verein Ausgleich e.V.
(Täter-Opfer-Ausgleich).
Um es gleich zu sagen: Jura war nicht mein Traumstudium,
aber die Abi-Note hatte für den Medizinstudienplatz
nicht gereicht.
Ich habe das Studium – nach Vorwarnung aus dem
Freundeskreis – mit Skepsis begonnen. Mit einigen Rechtsgebieten
konnte ich wenig anfangen, andere haben mich wirklich
interessiert. Nach Abschluss des Studiums hatte ich Glück,
sofort bei einer kleinen, gut geführten Anwaltskanzlei in München
als Rechtsanwältin arbeiten zu können. Diese Tätigkeit
gefiel mir. Trotzdem hatte ich bei einem Teil der Konflikte das
Gefühl, dass sich die Streitigkeiten für die Mandanten oft lange
hinzogen und mit großem Zeitaufwand und starker emotionaler
Belastung verbunden waren.
Die Lösung fiel mir eines Abends zu, als ich mit Eltern aus
dem Kindergarten meines Sohnes zusammensaß und eine Mutter
über ihre langwierige Scheidung klagte. Ein Vater sagte:
»Warum macht Ihr denn nicht eine Mediation? Da setzt sich ein
neutraler Vermittler mit Euch beiden zusammen. Ihr tragt ihm
Eure Probleme vor und sucht dann gemeinsam nach einer
Lösung«. Ich dachte mir, das ist es: Beide Parteien an einem Tisch.
Ich fing an, mich über Mediation zu informieren und konnte
Mitte der 1990er Jahre eine der ersten in Deutschland angebotenen
Mediationsausbildungen absolvieren. Diese Ausbildung
gehörte zu dem Interessantesten, was ich je erfahren durfte. Es
wurden zentrale Inhalte zum Konflikt an sich, zur Kommunikation
und den Fragetechniken vermittelt. Anschließend wurden
die einzelnen Phasen der Mediation im Rollenspiel erprobt. Es
war lehrreich, sowohl Vermittler als auch Partei zu sein und zu
erleben, was für eine Lösung hilfreich ist und was nicht. ■
Dr. Gunter Schlickum
ist Rechtsanwalt, Mediator
(Sprecher der AG Mediation
im Münchner AnwaltVerein)
und Schlichter (Ausgleich e.V.)
Das Jurastudium war mir sozusagen in die Wiege
gelegt. Mein Vater war ebenfalls Jurist und
wünschte sich, dass sein Sohn ihm beruflich nachfolge.
Da ich keine bessere Idee hatte, lief es darauf hinaus.
Während des Studiums kamen mir allerdings doch Zweifel.
Ich überlegte, das Studium zu wechseln, entschied mich
aber dafür, es zu Ende zu bringen. Ich wählte den Beruf des
Rechtsanwalts. Gerne kümmerte ich mich um die Interessen
meiner Mandanten. Ein Stück weit litt ich allerdings
darunter, immer nur Interessenvertreter zu sein. Mein
Wunsch, sinnvolle Lösungen zustande zu bringen, kam oft
zu kurz. Dann hörte ich von Mediation. Die Idee überzeugte
mich sofort. Ich entschloss mich, eine Ausbildung zu
absolvieren. Es war einer der ersten Ausbildungsgänge in
Deutschland. Meine Ausbilder hatten ihre Kenntnisse sämtlich
bei Trainern aus den USA erworben. Von der Ausbildung
habe ich persönlich profitiert. Ich habe ein neues
Konfliktverständnis entwickelt und meine Kommunikationsfähigkeit
erweitert. Meine Tätigkeit hat sich stark in
Richtung Konfliktlösung verschoben. Mit meinem Beruf
fühle ich mich vollständig versöhnt.
Die Mediation hat sich in Deutschland als erstes im
Familienrecht etabliert, besonders bei Trennung und
Scheidung. Mittlerweile hat sich das Verfahren im Schulbereich
genauso wie bei innerbetrieblichen Auseinandersetzungen
und bei Umwelt- und Wirtschaftskonflikten
durchgesetzt. Im strafrechtlichen Bereich werden mediative
Methoden im Rahmen des Täter-Opfer-Ausgleichs angewendet.
Es ist davon auszugehen, dass sich die Mediation
weitere Felder erschließen wird. Das Mediationsgesetz wird
ihren Bekanntheitsgrad weiter erhöhen. ■
2011/2012 | Beck'scher Studienführer Jura
www.beck.de
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