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Beckscher Studienfuehrer 2011

Mediator | Berufsbilder für Juristen Berufsbild Rechtsanwalt ... als Mediator Eva Weiler ist Rechtsanwältin und Mediatorin (BAFM), Schlichterin für den Verein Ausgleich e.V. (Täter-Opfer-Ausgleich). Um es gleich zu sagen: Jura war nicht mein Traumstudium, aber die Abi-Note hatte für den Medizinstudienplatz nicht gereicht. Ich habe das Studium – nach Vorwarnung aus dem Freundeskreis – mit Skepsis begonnen. Mit einigen Rechtsgebieten konnte ich wenig anfangen, andere haben mich wirklich interessiert. Nach Abschluss des Studiums hatte ich Glück, sofort bei einer kleinen, gut geführten Anwaltskanzlei in München als Rechtsanwältin arbeiten zu können. Diese Tätigkeit gefiel mir. Trotzdem hatte ich bei einem Teil der Konflikte das Gefühl, dass sich die Streitigkeiten für die Mandanten oft lange hinzogen und mit großem Zeitaufwand und starker emotionaler Belastung verbunden waren. Die Lösung fiel mir eines Abends zu, als ich mit Eltern aus dem Kindergarten meines Sohnes zusammensaß und eine Mutter über ihre langwierige Scheidung klagte. Ein Vater sagte: »Warum macht Ihr denn nicht eine Mediation? Da setzt sich ein neutraler Vermittler mit Euch beiden zusammen. Ihr tragt ihm Eure Probleme vor und sucht dann gemeinsam nach einer Lösung«. Ich dachte mir, das ist es: Beide Parteien an einem Tisch. Ich fing an, mich über Mediation zu informieren und konnte Mitte der 1990er Jahre eine der ersten in Deutschland angebotenen Mediationsausbildungen absolvieren. Diese Ausbildung gehörte zu dem Interessantesten, was ich je erfahren durfte. Es wurden zentrale Inhalte zum Konflikt an sich, zur Kommunikation und den Fragetechniken vermittelt. Anschließend wurden die einzelnen Phasen der Mediation im Rollenspiel erprobt. Es war lehrreich, sowohl Vermittler als auch Partei zu sein und zu erleben, was für eine Lösung hilfreich ist und was nicht. ■ Dr. Gunter Schlickum ist Rechtsanwalt, Mediator (Sprecher der AG Mediation im Münchner AnwaltVerein) und Schlichter (Ausgleich e.V.) Das Jurastudium war mir sozusagen in die Wiege gelegt. Mein Vater war ebenfalls Jurist und wünschte sich, dass sein Sohn ihm beruflich nachfolge. Da ich keine bessere Idee hatte, lief es darauf hinaus. Während des Studiums kamen mir allerdings doch Zweifel. Ich überlegte, das Studium zu wechseln, entschied mich aber dafür, es zu Ende zu bringen. Ich wählte den Beruf des Rechtsanwalts. Gerne kümmerte ich mich um die Interessen meiner Mandanten. Ein Stück weit litt ich allerdings darunter, immer nur Interessenvertreter zu sein. Mein Wunsch, sinnvolle Lösungen zustande zu bringen, kam oft zu kurz. Dann hörte ich von Mediation. Die Idee überzeugte mich sofort. Ich entschloss mich, eine Ausbildung zu absolvieren. Es war einer der ersten Ausbildungsgänge in Deutschland. Meine Ausbilder hatten ihre Kenntnisse sämtlich bei Trainern aus den USA erworben. Von der Ausbildung habe ich persönlich profitiert. Ich habe ein neues Konfliktverständnis entwickelt und meine Kommunikationsfähigkeit erweitert. Meine Tätigkeit hat sich stark in Richtung Konfliktlösung verschoben. Mit meinem Beruf fühle ich mich vollständig versöhnt. Die Mediation hat sich in Deutschland als erstes im Familienrecht etabliert, besonders bei Trennung und Scheidung. Mittlerweile hat sich das Verfahren im Schulbereich genauso wie bei innerbetrieblichen Auseinandersetzungen und bei Umwelt- und Wirtschaftskonflikten durchgesetzt. Im strafrechtlichen Bereich werden mediative Methoden im Rahmen des Täter-Opfer-Ausgleichs angewendet. Es ist davon auszugehen, dass sich die Mediation weitere Felder erschließen wird. Das Mediationsgesetz wird ihren Bekanntheitsgrad weiter erhöhen. ■ 2011/2012 | Beck'scher Studienführer Jura www.beck.de 55

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