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Beitrag | Jurist bei der Polizei
Berufsbild Jurist
bei der Polizei
Eine spannende
Tätigkeit mit
vielseitigem
Praxisbezug
Von Boris Peter
Boris Peter
ist Oberregierungsrat beim
Polizeipräsidium Oberbayern
Süd in Rosenheim und leitet
dort das Sachgebiet Rechtsangelegenheiten.
In Bayern gibt es verschiedene Einsatzmöglichkeiten für Juristen
bei der Polizei: Sei es als Dozent an der Fachhochschule
für die Bayerische Polizei, bei der Disziplinarbehörde in
München oder in der Rechtsabteilung eines der zehn Präsidien der
Landespolizei, der Bereitschaftspolizei oder des Polizeiverwaltungsamtes.
Zudem besteht bei entsprechendem Bedarf und
persönlicher Eignung die Möglichkeit, in den Polizeivollzugsdienst
zu wechseln und quasi ein »echter« Polizist zu werden.
Aber wie sieht die Arbeit in der Rechtsabteilung eines
Polizeipräsidiums denn nun aus? In Krimiserien sitzen da ja
meistens die »Spielverderber«, die den Ermittlern penibel vorhalten,
welche Dienstpflichten sie bei ihren Aktionen verletzt
haben und was dies für interne Konsequenzen für sie haben
wird. Solche Szenen spiegeln jedoch nur einen Bruchteil der
Tätigkeiten wider, die dieses breite Aufgabengebiet umfasst.
Beschreiben lässt sich das wohl am Besten mit der »rechtlichen
Rundumbetreuung« der Polizei, nämlich sowohl bezüglich
interner Angelegenheiten als auch im Verhältnis zu den Bürgern:
Unsere Aufgaben beinhalten u.a. die dienstrechtliche Beurteilung
des Fehlverhaltens unserer Beamten und erforderlichenfalls das
Verhängen dienst- und disziplinarrechtlicher Konsequenzen
inklusive der Suspendierung. Wir entscheiden zudem über
Beschwerden von Bürgern über das Verhalten von Polizisten,
regulieren mit Versicherungen Schadensfälle, die an Polizeieigentum
oder durch die Polizei entstanden sind (von der beim Einsatz
eingetretenen Türe bis zum Unfall bei einer Verfolgungsfahrt)
und kümmern uns um die Belange des ärztlichen Dienstes, z. B.
die Vorstellung von Beamten beim Polizeiarzt und arbeitsmedizinische
Angelegenheiten. Daneben unterstützen wir das Prä-
Beck'scher Studienführer Jura | 2011/2012
sidium bei der Ausarbeitung von Verträgen, die es mit Firmen
schließt (von diversen Wartungsverträgen bis zu Verträgen über
die Bergung und den Transport von Leichen) und vertreten
das Präsidium bei Klagen gegen dienstliche Beurteilungen
und polizeiliche Maßnahmen vor Gericht. Zusätzlich sind wir zuständig
für Korruptionsbekämpfung und die Innenrevision.
Die juristische Bandbreite reicht also vom Polizeirecht,
dem Beamten- und Disziplinarrecht und dem Versammlungsrecht
über das Straf- und Strafprozessrecht bis hin zu
den verschiedensten Bereichen des Zivilrechts.
Im Zuge meines Bewerbungsgespräches beim Bayerischen
Staatsministerium des Innern wurde mir gesagt, dass die Tätigkeit
neben einem breiten Interessenspektrum und einem lösungsorientierten
Denken auch ein nicht zu unterschätzendes
psychologisches Einfühlungsvermögen erfordert. Dies hat sich
bestätigt. Denn sei es im Telefonat mit Dienststellenleitern oder
im Schriftverkehr mit Beschwerdeführern, oftmals liegt die
eigentliche Schwierigkeit nicht nur im Finden einer rechtlich zutreffenden
Lösung, sondern auch darin, diese dem Gegenüber
auf eine überzeugende und nachvollziehbare Weise zu begründen,
insbesondere natürlich dann, wenn man einem Begehren
nicht wie gewünscht entsprechen kann oder gar einem Beamten
eine Disziplinarmaßnahme erläutern muss.
Besonders spannend sind die gelegentlichen Einsätze als
juristischer Berater des polizeilichen Einsatzleiters, insbesondere
zu Fragen des Versammlungsrechts. Diese reichen von
Demonstrationen und Fußballspielen bis zu sonstigen Großveranstaltungen
wie der Ski-WM 2011 in Garmisch-Partenkirchen.
Hier erlebt man sowohl die Vorbereitung als auch die
Durchführung eines Polizeieinsatzes hautnah mit. Einerseits gilt
es, zusammen mit dem Führungsstab im Vorfeld rechtliche
Ausarbeitungen zu möglichen Einsatzkonstellationen zu entwickeln.
Andererseits steht man bei Bedarf im Einsatz selbst für
Rechtsfragen vor Ort zur Verfügung.
Daneben bin ich zweimal jährlich als mündlicher Prüfer der
angehenden Polizeikommissare im Bereich Recht an der
Fachhochschule für die Bayerische Polizei tätig – eine sehr
spannende Aufgabe und schöne Abwechslung. Nähere
Informationen zur Tätigkeit und den Einstellungsvoraussetzungen
gibt es beim zuständigen Innenministerium, für Bayern
unter www.stmi.bayern.de/service. ■