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Berufsbilder für Juristen | Compliance Officer
Berufsbild
Compliance Officer
Compliance und
was sich hinter
diesem
topaktuellen
Thema verbirgt
Von RAin
Dr. Katharina Hastenrath
Frau RAin Dr. Katharina
Hastenrath ist in der
Compliance-Abteilung der
Dr. Ing.h.c. F. Porsche
Aktiengesellschaft tätig,
Dozentin an der Frankfurt
School of Finance & Management
und Gründerin des
Compliance-Expertenzirkels
„ComCom“. Im Compliance-
Bereich tritt sie regelmäßig
als Autorin und Referentin
auf.
Seit einiger Zeit lässt sich beobachten, dass Unternehmen
in Deutschland eine neue Abteilung etablieren,
die Compliance-Abteilung. Was ist der Tätigkeitsbereich
dieser Abteilung und welche Chancen bietet sie
(jungen) Juristen?
In der universitären Ausbildung des juristischen Nachwuchses
war eine Lehrveranstaltung »Compliance« lange
vergeblich zu suchen. Vor allem strafrechtliche Fakultäten
beschäftigen sich jedoch zunehmend mit dem Thema
»Compliance«, häufig im Zusammenhang mit Wirtschaftsstrafrecht
und Korruption. Erste Hochschulen bieten
Masterstudiengänge zum Thema Compliance, zum Teil
in Verbindung mit dem Bereich »Risk and Government« an.
Zahlreiche Fortbildungsveranstaltungen mit Überschriften
wie »Aufbau einer Compliance-Organisation«, Compliance-
Management-Systeme«, »Kartellrechts-Compliance« oder
»Arbeitsrechtliche Compliance« überschwemmen den
Markt.
Das Interesse an Compliance ist also groß. Was ist Compliance
aber tatsächlich und womit beschäftigt sich ein
Compliance Officer – wie die Mitarbeiter der Compliance
Abteilungen häufig genannt werden?
Beck'scher Studienführer Jura | 2011/2012
Schon die Übersetzung des Begriffs »Compliance« bereitet
Schwierigkeiten. Geht man von der englischen Formulierung
»in compliance with the law« oder »to comply with«
aus, lautet die wortwörtliche Übersetzung »bestimmungsgemäß,
gesetzesmäßig« bzw. »einhalten, befolgen«. Schaut
man in eines der Standardwerke im Compliance-Bereich,
dem ebenfalls im Verlag C.H. Beck erschienenen »Hauschka,
Corporate Compliance. Handbuch der Haftungsvermeidung
im Unternehmen«, so wird Compliance mit der »Einhaltung,
Befolgung, Übereinstimmung, Einhaltung bestimmter
Gebote« definiert. Fragt man Compliance-Verantwortliche,
wie diese Compliance definieren oder in ihren Schulungsprogrammen
darstellen, hört man, dass es bei Compliance
um die Einhaltung von internen und externen juristischen
Vorgaben unter der Einbeziehung von ethischen Aspekten
und der jeweiligen Firmenkultur geht. Compliance sei mehr
als die Einhaltung von Gesetzen, es gehe ebenso um einen
kulturellen Wandel im Unternehmen. Kurz und für jeden
Mitarbeiter verständlich könnte man Compliance auch als
»anständiges Verhalten im Arbeitsalltag« übersetzen.
Man sieht bereits an den vielfältigen Interpretationen des
Begriffs Compliance, dass dieser junge Bereich im Gegensatz
zu vielen anderen juristischen Disziplinen noch nicht exakt
umrissen ist. Geht ein junger Jurist zum Beispiel in eine
arbeitsrechtliche Kanzlei, wird er sich mit Fragen des
Individual- oder Kollektivarbeitsrechts befassen und
Arbeitnehmer oder Arbeitgeber bei Streitigkeiten vertreten.
Das Aufgabenfeld des Compliance Officers lässt sich
hingegen nicht so einfach bestimmen. Bisher wird die
Position des Compliance Officers in Unternehmen überwiegend
durch Juristen bekleidet. Es gibt jedoch auch einige
Betriebswirte und Ingenieure, die für Compliance im
Unternehmen verantwortlich sind. Aus meiner Erfahrung
lässt sich Folgendes ableiten: Die heutigen Compliance-
Officer-Positionen sind zumeist mit hoch qualifizierten
Juristen besetzt. Diese waren vorher oftmals in Rechtsabteilungen
tätig. Es gibt allerdings (noch) keine vereinheitlichten
Zugangsvoraussetzungen wie ein Prädikatsexamen.
Da sich Compliance in vielen Unternehmen, insbesondere
im Mittelstand, erst im Aufbau befindet, kann die Arbeit in
einer Compliance-Abteilung auch für einen jungen
Juristen, der sich bereits im Studium (soweit möglich) oder
im Referendariat mit diesem Thema befasst, eine gute
Möglichkeit zum Berufseinstieg darstellen.