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Beckscher Studienfuehrer 2011

40 Berufsbilder für Juristen | Compliance Officer Berufsbild Compliance Officer Compliance und was sich hinter diesem topaktuellen Thema verbirgt Von RAin Dr. Katharina Hastenrath Frau RAin Dr. Katharina Hastenrath ist in der Compliance-Abteilung der Dr. Ing.h.c. F. Porsche Aktiengesellschaft tätig, Dozentin an der Frankfurt School of Finance & Management und Gründerin des Compliance-Expertenzirkels „ComCom“. Im Compliance- Bereich tritt sie regelmäßig als Autorin und Referentin auf. Seit einiger Zeit lässt sich beobachten, dass Unternehmen in Deutschland eine neue Abteilung etablieren, die Compliance-Abteilung. Was ist der Tätigkeitsbereich dieser Abteilung und welche Chancen bietet sie (jungen) Juristen? In der universitären Ausbildung des juristischen Nachwuchses war eine Lehrveranstaltung »Compliance« lange vergeblich zu suchen. Vor allem strafrechtliche Fakultäten beschäftigen sich jedoch zunehmend mit dem Thema »Compliance«, häufig im Zusammenhang mit Wirtschaftsstrafrecht und Korruption. Erste Hochschulen bieten Masterstudiengänge zum Thema Compliance, zum Teil in Verbindung mit dem Bereich »Risk and Government« an. Zahlreiche Fortbildungsveranstaltungen mit Überschriften wie »Aufbau einer Compliance-Organisation«, Compliance- Management-Systeme«, »Kartellrechts-Compliance« oder »Arbeitsrechtliche Compliance« überschwemmen den Markt. Das Interesse an Compliance ist also groß. Was ist Compliance aber tatsächlich und womit beschäftigt sich ein Compliance Officer – wie die Mitarbeiter der Compliance Abteilungen häufig genannt werden? Beck'scher Studienführer Jura | 2011/2012 Schon die Übersetzung des Begriffs »Compliance« bereitet Schwierigkeiten. Geht man von der englischen Formulierung »in compliance with the law« oder »to comply with« aus, lautet die wortwörtliche Übersetzung »bestimmungsgemäß, gesetzesmäßig« bzw. »einhalten, befolgen«. Schaut man in eines der Standardwerke im Compliance-Bereich, dem ebenfalls im Verlag C.H. Beck erschienenen »Hauschka, Corporate Compliance. Handbuch der Haftungsvermeidung im Unternehmen«, so wird Compliance mit der »Einhaltung, Befolgung, Übereinstimmung, Einhaltung bestimmter Gebote« definiert. Fragt man Compliance-Verantwortliche, wie diese Compliance definieren oder in ihren Schulungsprogrammen darstellen, hört man, dass es bei Compliance um die Einhaltung von internen und externen juristischen Vorgaben unter der Einbeziehung von ethischen Aspekten und der jeweiligen Firmenkultur geht. Compliance sei mehr als die Einhaltung von Gesetzen, es gehe ebenso um einen kulturellen Wandel im Unternehmen. Kurz und für jeden Mitarbeiter verständlich könnte man Compliance auch als »anständiges Verhalten im Arbeitsalltag« übersetzen. Man sieht bereits an den vielfältigen Interpretationen des Begriffs Compliance, dass dieser junge Bereich im Gegensatz zu vielen anderen juristischen Disziplinen noch nicht exakt umrissen ist. Geht ein junger Jurist zum Beispiel in eine arbeitsrechtliche Kanzlei, wird er sich mit Fragen des Individual- oder Kollektivarbeitsrechts befassen und Arbeitnehmer oder Arbeitgeber bei Streitigkeiten vertreten. Das Aufgabenfeld des Compliance Officers lässt sich hingegen nicht so einfach bestimmen. Bisher wird die Position des Compliance Officers in Unternehmen überwiegend durch Juristen bekleidet. Es gibt jedoch auch einige Betriebswirte und Ingenieure, die für Compliance im Unternehmen verantwortlich sind. Aus meiner Erfahrung lässt sich Folgendes ableiten: Die heutigen Compliance- Officer-Positionen sind zumeist mit hoch qualifizierten Juristen besetzt. Diese waren vorher oftmals in Rechtsabteilungen tätig. Es gibt allerdings (noch) keine vereinheitlichten Zugangsvoraussetzungen wie ein Prädikatsexamen. Da sich Compliance in vielen Unternehmen, insbesondere im Mittelstand, erst im Aufbau befindet, kann die Arbeit in einer Compliance-Abteilung auch für einen jungen Juristen, der sich bereits im Studium (soweit möglich) oder im Referendariat mit diesem Thema befasst, eine gute Möglichkeit zum Berufseinstieg darstellen.

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