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Beitrag | Literaturauswahlhilfe
Es gibt zum Glück mehr als nur eine Nadel im Heuhaufen. Aber es ist nicht leicht, im Dschungel juristischer Ausbildungsliteratur ...
Kriterien für gute Lernbücher
Um ein optimales Lernbuch zu finden, können folgende
Überlegungen hilfreich sein:
Am Anfang sollten Sie eine quantitativ ausgerichtete
Vorauswahl treffen. Sowohl besonders dicke als auch auffällig
dünne Bücher sollten Sie von vornherein aussortieren
(im Strafrecht greift man anfangs besser nicht zu
den Büchern etwa von Jakobs, Köhler oder Jescheck/
Weigend). Erstere, die dicken, dienen der Vertiefung und
sind damit unverzichtbar für Haus- und Seminararbeiten.
Letztere, die dünnen, die meist das Wort »leicht« im Titel
tragen, taugen allenfalls für das Fach Rechtskunde in der
Schule.
Dicke Lehrbücher haben einen ganz entscheidenden
Nachteil: Es ist nahezu unmöglich, sie im ersten Semester
sinnvoll durchzuarbeiten. Zudem werden Sie mit einer
Fülle an Details schier erschlagen. Es ist noch niemandem
gelungen, im ersten Semester zu einem profunden Kenner
eines Rechtsgebiets zu werden und es mit Verständnis zu
erfassen. Ein mehrere hundert Seiten dickes Lehrbuch
führt Ihnen täglich vor Augen, was Sie alles noch nicht
wissen – und bis zur Abschlussklausur auch nicht
schaffen werden. Ersparen Sie sich solche Frustrationserlebnisse,
indem Sie zu einem Buch greifen, bei dem Sie
nicht mit Definitionen, Theorien und Problemen überhäuft
werden, sondern das Ihnen die Grundstrukturen
vermittelt, ohne die wesentlichen Probleme zu vernachlässigen.
Es gibt solche Bücher – nicht immer sind sie aber
auf den Literaturlisten der Professoren zu finden, weil
manche von ihnen das im ersten Semester Machbare und
didaktisch Sinnvolle aus den Augen verloren haben.
Wichtig ist zudem, nur dann ein Lehr- oder Fallbuch
zu kaufen, wenn Sie darin vorab einige Auszüge gelesen
haben. Zu diesem Zweck sollten Sie in zwei bis drei in die
engere Wahl gezogenen Büchern ausgewählte Passagen
parallel lesen, am besten in der Bibliothek, wo die Bücher
in der Regel allesamt zur Verfügung stehen. Wählen Sie
dazu beispielsweise ein Kapitel aus, dessen Inhalt zuvor
in der Vorlesung behandelt wurde.
Beck'scher Studienführer Jura | 2011/2012
Worauf sollten Sie beim Lesen achten? An erster Stelle
steht die Verständlichkeit des Textes. Formuliert ein
Autor umständlich, bildet er Bandwurm- und Schachtelsätze,
bringt er die Problematik nicht auf den Punkt
oder benutzt er permanent Fremdwörter, ohne sie verständlich
zu erklären, wird Ihnen die Lesefreude rasch
vergehen. Die Verständlichkeit erhöht sich deutlich,
wenn ein Autor anschaulich schreibt, d.h. abstrakte
Aussagen anhand von Beispielen erläutert. Beispielsfälle
dürfen aber niemals den Blick auf das zu erläuternde
Problem verstellen – sie sollten lediglich Hilfsmittel,
nicht Hauptbestandteil eines Buches sein. Übermäßig
viele Beispiele stiften oft Verwirrung.
Natürlich lässt sich nicht alles mit Beispielen veranschaulichen,
und Sie sollten ein Buch auch nicht
gleich aussortieren, wenn Sie eine Passage nicht sofort
verstehen. Recht ist nicht zuletzt wegen seiner
Abstraktheit meist auch komplex.
Zweitens muss ein Text eine klare Struktur haben.
Das gilt zunächst für die äußere Gliederung. Achten Sie
darauf, dass die Struktur eines Rechtsgebiets gut erkennbar
ist. Ob ein Text eine klare innere Struktur hat, zeigt
sich daran, in welcher Art und Weise der Autor das notwendige
Wissen vermittelt. Indizien für ein ungeeignetes
Lernbuch sind: fehlender Gesetzesbezug, nicht nachvollziehbare
Argumente, unverständlich geschilderte
Probleme und endlose Ausführungen über akademischdogmatische
Detailfragen, die für die Prüfung womöglich
gar nicht relevant sind.
Ohnehin gilt: Widmen Sie sich Detailfragen erst dann,
wenn Sie strukturelles Wissen erworben und die größeren
Zusammenhänge des jeweiligen Rechtsgebiets verstanden
haben. Details prägen sich leichter ein, wenn Sie
sie in den Gesamtzusammenhang einordnen können.
Schließlich rate ich von Lehrbüchern ab, die nicht
deutlich genug darauf hinweisen, ob eine vertretene
Meinung zur herrschenden gehört oder ob es sich dabei
um eine Minderheitsmeinung des Autors handelt. Mit
dieser Empfehlung spreche ich einer Minderheitsmeinung
keinesfalls ihre Berechtigung ab. Im Gegenteil:
Oftmals sind Meinungen, die von einer – angeblichen –